Dienstag, 19. Mai 2015

[Die Story hinter dem Buch] Gisa Pauly - Sonnendeck



heute:


Gisa Pauly - Sonnendeck

 


Die Idee zu „Sonnendeck“

Sie entstand, als ich einen Besuch im Verlag machte. Der Piper-Verlag ist in München, ich wohne in Münster, also weit weg. Ich sehe daher meine Lektorin und alle anderen, mit denen ich regelmäßig telefonisch oder per Mail zu tun habe, nicht oft. Für mich ist es immer ein kleines Fest, allen die Hand zu schütteln, mit ihnen Kaffee zu trinken oder essen zu gehen. Die Leute im Piper-Verlag sind alle unheimlich nett.

Einen Abend verbrachte ich mit der Taschenbuchchefin beim Italiener. Natürlich sprachen wir über Berufliches, aber auch Privates kam nicht zu kurz. Ich erzählte ihr von meinem letzten Urlaub, der so ganz anders verlaufen war als alle zuvor. Mein Osteopath hatte nämlich diverse Verspannungen entdeckt, tippte auf Stress und Überbelastung und riet mir: „Sie müssten mal auf ein Kreuzfahrtschiff. Da haben Sie die Ruhe, die Sie brauchen. Aber natürlich muss der Laptop an Land bleiben.“

Ich nahm mir seinen Rat zu Herzen und bestieg im November (ohne Laptop, dafür mit einem Mann) ein Aida-Schiff und schipperte eine Woche lang von einer kanarischen Insel zur anderen. Was ich nicht für möglich gehalten hatte: Es gefiel mir unheimlich gut. Auf einem Schiff der Aida-Flotte geht es locker zu, kein Kleiderzwang, kein Captains-Dinner, nichts, was meine Vorurteile bestätigte, die ich heimlich gegen das Kreuzfahren gehegt hatte.

Die Taschenbuchchefin hörte mir interessiert zu, und ich dachte schon, sie mache heimlich Urlaubspläne. Aber dann kam es: „Weißt du was? Im nächsten Buch lässt du Mamma Carlotta eine Kreuzfahrt machen! Das ist doch mal was anderes.“
Darauf tranken wir einen Prosecco und dann noch einen … anschließend stand es fest. Die Schwierigkeiten fielen mir erst am nächsten Tag ein. Mamma Carlotta ist nicht der Typ, der mal eben eine Kreuzfahrt bucht. Aber dieses Problem war schnell ausgeräumt: Sie gewinnt die Reise in einem Preisausschreiben. Doch dann: Wie finde ich einen Kriminalfall, der seine Wurzeln sowohl auf einem Schiff als auch auf Sylt hat? Schließlich sollte das Buch ein Syltkrimi bleiben, und Erik war ja auch nach wie vor auf der Insel. Das war schon schwieriger. Und dann das Problem, das mich bei der Planung fast jedes Syltkrimis beschäftigt: Wie binde ich Tove und Fietje in die Handlung ein?

Ich gebe zu, es hat ein paar Monate gedauert, bis ich die richtige Idee hatte und feststellte, dass sie funktionierte. Ich will nicht sagen, dass danach alles ein Kinderspiel war, aber eine Idee, die wirklich trägt, bringt den Autor nicht mehr in ernste Schwierigkeiten. So war es auch beim „Sonnendeck“. Die beiden Fälle, die in Wirklichkeit ein einziger waren, liefen zunächst problemlos nebeneinander her und ließen sich am Ende ebenso problemlos miteinander verbinden. Es blieb auch genug Platz für Witz und alles, was mamma-carlotta-typisch ist.

Als ich kürzlich wieder in München war und mit meiner Lektorin und der Taschenbuchchefin beim Italiener saß (einem anderen diesmal) habe ich mich noch mal bedankt für die gute Idee, die mir selbst womöglich nicht geommen wäre. Das Schreiben ist nun mal ein einsames Geschäft. Oft sitzt man zu Hause, brütet über einem Problem, für das sich keine Lösung anbahnt … und dann erwähnt man es vor einem Freund, und der macht nur eine kurze Bemerkung, wodurch sich der Knoten im Gehirn löst. Sowas zeigt mir, dass man als Schriftstellerin jede Gelegenheit nutzen muss, um unter Leute zu gehen und sich Anregungen zu holen. Die Geschichten liegen nun mal auf der Straße und nicht unter dem Schreibtisch.

© Wencke Lieber


geschrieben von Gisa Pauly



  • Taschenbuch: 480 Seiten
  • Verlag: Piper Taschenbuch (11. Mai 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492303633
  • ISBN-13: 978-3492303637


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