Donnerstag, 14. Mai 2015

[Gastrezension] Goga, Susanne - Der dunkle Weg

Gastrezension von Starbucks



Die irischen Freiheitskämpfer werden lebendig

Susanne Gogas „Der dunkle Weg“ wollte ich unbedingt lesen, weil ich zum einen die Autorin schätze, zum anderen im letzten Herbst zum ersten Mal in Irland war und daher mehr über die Geschichte des Landes erfahren wollte. Wenn man in Dublin ist, bekommt man ja viel über die Geschichte mit, kann z.B. noch die Einschusslöcher in der Hauptpost sehen und die Statuen der bekannten Freiheitskämpfer, den Platz, wo heute das Hungerdenkmal steht, das berühmte Gefängnis und vieles mehr. Und mit der Lektüre von „Der dunkle Weg“ bekommen diese für mich schemenhaften Gestalten nun endlich ein unvergessliches Gesicht.

Zum Inhalt: Ida Martens besucht ihre Freundin Grace in Dublin, die sie bei einem Studium in England kennen gelernt hat. Sie fühlt sich sehr wohl in der Stadt, findet schnell Freunde und auch eine Liebe, kann sich selbst verwirklichen und sich endlich von ihrem Elternhaus loslösen. Aber schnell stellt sie fest, dass sie sich in den Kreisen der Freiheitskämpfer bewegt und auch der nahende Erste Weltkrieg ihr Leben verändern wird....

Meine Meinung: „Der dunkle Weg“ stellt sprachlich und inhaltlich eine sehr hochwertige Lektüre dar. Der Roman ist fantastisch recherchiert und basiert fast nur auf Fakten. Auch die Charaktere sind bis auf wenige authentische Freiheitskämpfer im Irland am Anfang des 20. Jahrhunderts. Lediglich die Geschichte um Ida und Cian ist frei erfunden und bettet den Rest des Geschehens perfekt in einen Rahmen ein. Im Anhang des Buches erfährt der Leser, welche Personen nicht erfunden sind und was aus ihnen wurde.

Da ich eigentlich nie das Nachwort zuerst lese, war mir nicht bewusst, dass so viele Personen eben nicht erfunden waren. Schließlich war ich dann doch zu neugierig und las das Nachwort nach etwa der Hälfte des Buches. Einerseits schade, denn man erfährt quasi das Ende des Buches, andererseits war es auch gut, denn zu wissen, wie gut das Buch recherchiert ist und wie viele der Personen wirklich lebten, machte die Geschichte für mich noch viel hochwertiger. So wäre es vielleicht gut, wenn es dazu einige Hinweise am Anfang gäbe, die das Ende aber nicht verraten.

Auch der Spaziergang durch Dublin am Ende macht großen Spaß, besonders sicher, wenn man selbst die Stadt kennt und Anknüpfungspunkte finden kann. Die Aktion der Freiheitskämpfer, die so sehr gefeiert werden, bekommt allerdings eher den Anschein eines Dumme-Jungen-Streiches, einer Aktion, die doch nicht erfolgreich sein konnte, einer Aktion, die man mit aller Vernunft hätte verschieben müssen, bis man wehrhaft genug gewesen wäre. Aber sie ist die Realität, für die viele ihr Leben gelassen haben.

Fazit: Susanne Gogas „Der dunkle Weg“ bekommt von mir 4,5 Sterne, da die Geschichte am Anfang bis ca. zur Hälfte des Buches einfach nicht so recht in Gang kommen möchte. Nach der Lektüre des Nachwortes und im Zuge der Ereignisse im hinteren Teil des Buches wird das Buch aber viel spannender und hochwertiger als gedacht. Das Cover jedoch weist eher auf einen normalen Frauenroman hin, in dem jedoch so viel mehr steckt. „Der dunkle Weg“ ist damit ein absolut lesenswerter Roman, bei dem man trotz einiger Längen unbedingt dran bleiben sollte!


  • Taschenbuch: 448 Seiten
  • Verlag: Diana Verlag (14. April 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 345335799X
  • ISBN-13: 978-3453357990
  • Verlag:


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