Freitag, 15. Mai 2015

[Gastrezension] Henke, Helene - Zoe Lenz (02) Menschenfischer

Gastrezension von Starbucks


Bestattungskunst hautnah


Helene Henke versteht es exzellent, in „Menschenfischer“ dem Leser die wahre Kunst der Herrichtung von Toten zur Bestattung sowie die Herstellung von Totenmasken näher zu bringen. Der eigentliche Kriminalfall scheint dabei zur Nebenhandlung zu werden.



Zum Inhalt: Zoe Lenz ist Bestatterin mit Leib und Seele. Sie liebt ihren Job, noch mehr liebt sie es allerdings, von den Verstorbenen Totenmasken herzustellen, ob diese von den Angehörigen gewollt sind oder nicht. Tatsächlich beherrscht sie diese Kunst wohl wie keine andere. Der Leser erfährt bald, dass Zoe eine schlimme Vergangenheit hat, die beinahe unglaublich, wenn nicht unglaubwürdig scheint, aber im Dorf und in den Wäldern um das Dorf herum geschehen auch nun wieder schreckliche Dinge, z.B. werden die Leichen zweier Kinder geborgen, die offensichtlich mit einer religiösen Sekte in Verbindung gebracht werden können. Und auch Zoes Praktikantin Alina scheint in die Sache verwickelt zu sein...Zum Glück gibt es da aber noch Leon, der bei der Polizei arbeitet, eine komplizierte Beziehung zu Zoe pflegt und ihr auch manchmal etwas behilflich sein kann, da er ja an der Quelle sitzt...

Fazit: „Menschenfischer“ von Helene Henke hat mich nicht vollends überzeugen können. Es ist ein guter Krimi, der die Herrichtung der Toten und die Totenmasken in den Vordergrund stellt. Wenn dies der frühere Beruf der Autorin gewesen wäre, so hätte mich dies nicht gewundert, so realitätsnah wird dies dargestellt, ja, ich war mir streckenweise sogar sicher, die Autorin hat dies selbst gelernt – in ihrer Biographie habe ich dies allerdings nicht gefunden. Es ist auch sehr schön, wie pietätvoll und liebevoll Zoe mit den Toten umgeht. Ich habe mich nur gefragt, ob sie einfach ohne die Zustimmung der Angehörigen die Totenmasken fertigen darf. Auch das Kapitel 10, in dem Zoe den alten Mr. Slayer aus England fertig macht, konnte ich nicht in den Handlungzusammenhang einordnen, sodass ich mich fragte, ob hier lediglich die Demonstration von Zoes Fertigkeiten im Vordergrund stehen sollte.

Zoes Beziehung zu Leon finde ich fraglich; die Personen werden mir dadurch nicht gerade sympathischer. Die beide führen eine Fernbeziehung, wohnen aber gar nicht wirklich weit auseinander. Wären sie sich wichtig, könnten sie sich sicher öfter sehen. Außerdem denke ich Leon hätte doch absolute Schweigepflicht in seinem Beruf und dürfte nicht mit Zoe über die Fälle sprechen. Für die private Hobbyermittlerin, die Zoe ja auch ist und die in Kriminalromanen ja immer sehr beliebt ist, ist es aber durchaus praktisch, so an Informationen zu kommen.

Der Fall selbst und das Thema ist spannend und hätte noch ausgebaut werden können. Vieles bleibt aber doch unglaubwürdig, z.B. das Handeln der Protagonisten am Schluss. Als dann noch Leon als Polizist allein kommt, verliert das Buch noch mehr an Glaubwürdigkeit.

So bleibt Helene Henkes „Menschenfischer“ ein guter Kriminalroman mit z.T. sehr spannenden Passagen, z.T. aber auch mit unglaubwürdigen und manchmal überflüssigen Passagen. Die Kunst der Herrichtung der Toten, jedoch, wurde mir sehr viel näher gebracht und hat mich auch überzeugt. So ist es keine Frage, dass das Buch 4 Sterne verdient hat.

Den ersten Teil um Zoe Lenz, „Totenmaske“, habe ich nicht gelesen, er wird allerdings immer wieder erwähnt, da es ja auch um Zoes Mutter und auch um religiösen Wahn ging. Die Mutter ist ja auch in „Menschenfischer“ mit involviert. Die Geschehnisse selbst hören sich aber so makaber an, dass ich „Totenmaske“ nicht lesen würde. Dem Lesen eines Folgeromans um Zoe Lenz stünde jedoch nichts im Wege.

  • Broschiert: 368 Seiten
  • Verlag: Droemer TB (14. Januar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426304058
  • ISBN-13: 978-3426304051
  • Verlagsgruppe:


Die bisherigen Bände der Reihe in der Übersicht:



 

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