Mittwoch, 27. Mai 2015

[Rezension] Hertz, Anne - Die Sache mit meiner Schwester

Heike und Nele sind besser unter dem Pseudonym Sanne Gold bekannt, unter welchem sie Frauenromane schreiben - jeder wird stets ein Bestseller. Was ihre Leser jedoch nicht wissen, die beiden Schwestern vermeiden bereits seit Jahren privaten Kontakt und ihre Romane werden mittlerweile von einem Ghostwriter geschrieben, da eine Zusammenarbeit zwischen ihnen unmöglich ist. Selbstverständlich ist das ein gut behütetes Geheimnis - jedenfalls bis eines Tages in einer Live-Talkshow alles rauskommt.



Die Schwestern Heike und Nele schreiben als Sanne Gold, die Schwestern Wiebke (Lorenz) und Frauke (Scheunemann) schreiben als Anne Hertz. Das sind nicht die einzigen Parallelen, die sich zwischen den Romanfiguren und den realen Autorinnen finden lassen. Zu hoffen ist jedoch, dass die Verfeindung zwischen den Geschwistern reine Fiktion ist, denn Heike und Nele nehmen überhaupt nicht am Leben der anderen teil. Heike ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und sorgt dafür, dass das Eigenheim stets picobello aussieht. Nele hingegen gilt eher als Partymaus, hat keinen Mann, wenn man von einer Affäre mit einem verheirateten Kerl absieht, und auch keine Kinder. Die beiden leben somit quasi in verschiedenen Welten, welche sich nie kreuzen. Als Nele jedoch einen Autounfall verursacht, bei dem Heike lebensgefährlich verletzt wird und ins Koma fallt, will Nele ihrem Schwager mit den drei Kindern helfen und wagt den Schritt in deren Familienchaos. Babygeschrei, Teenagergenerve, Putzfimmel - eine Menge neuer Erfahrungen für Nele.

Der Roman wird aus Neles Sicht geschildert und ab und an durch Tagebucheinträge aus Teenagertagen ergänzt. Manchmal fehlte mir Heikes Sicht der Dinge. Wie empfindet sie das Verhältnis zwischen ihrer Schwester, wie nimmt sie ihre aktuelle Situation wahr usw. Zum Teil werden diese Einblicke durch Neles Erfahrungen in Heikes Haushalt präsentiert, aber es gibt keinen direkten Einblick, der Heikes Gedanken 1:1 wiedergibt.

Für mich fällt „Die Sache mit meiner Schwester“ in die Schiene der Frauenromane, auch wenn dieses Buch erwachsener erscheint, als die sonstigen Anne Hertz Romane. Die Autorinnen spielen mit Klischees und es gibt vieles, was vorhersehbar ist. Für mich ist das aber sehr typisch bei Romanen dieses Genres. Die Handlung wirkt strukturiert, so wird auch nicht vergessen darauf einzugehen, wie die Kinder mit der häuslichen Situation und der Abwesenheit ihrer Tante umgehen. Außerdem, typisch für Anne Hertz, gibt es in den Situationen, die es zulassen, reichlich Humor.

Fazit: Dank des flüssigen Schreibstils lässt sich der Roman schnell lesen. Mit Nele und Heike prallen Stereotypen der „Übermutter“ und der „ungebundenen Singlefrau“ aufeinander. Teilweise werden Klischees genutzt, aber diese passen in die Geschichte hinein. Der Roman ist größtenteils vorhersehbar, aber auch das ist nicht ungewöhnlich für dieses Genre. Das Buch ist eine unterhaltsame Lektüre für Leser von Frauenromanen, bei denen es nicht um „wen bekommt sie am Ende ab“, sondern um etwas reifere Inhalte geht.

  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • Verlag: Pendo (10. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866123639
  • ISBN-13: 978-3866123632
  • Verlag:


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