Sonntag, 21. Juni 2015

[Rezension] Warga, Jasmine - Mein Herz und andere schwarze Löcher

Die Taten ihres Vaters haben dafür gesorgt, dass Aysels Herz ein gähnendes schwarzes Loch ist, dass sie ihr Leben nicht mehr lebt und dass sie dieses nun beenden möchte. Bisher hat sie jedoch noch nicht den Mut gehabt, dieses tatsächlich umzusetzen. Dann lernt sie Roman im Internet kennen. Ein Junge in ihrem Alter, aus ihrer Nähe. Es ist jedoch keine Dating-Seite - zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Auf dieser Seite trifft man sich, um einen Selbstmordpartner zu finden.

Aysel und Roman treffen sich nach wenigen Nachrichten im Internet persönlich, um zu schauen, ob sie sich gegenseitig bei ihrem Vorhaben unterstützen können, denn auch Roman will nicht mehr leben. Die Handlung wird aus Aysels Sicht geschildert und so bemerkt man, dass sich ihre Sicht der Dinge langsam verschiebt. Sie freut sich auf die Treffen mit Roman, etwas dass sie bereits seit Monaten nicht mehr verspürt hat. Ihr Herz fühlt sich nicht mehr so schwer und leblos an, das Leben erscheint ihr wieder lebenswert. Doch wie soll man um denjenigen kämpfen, der dieses in einem auslöst, wenn der Termin für den geplanten Doppelselbstmord immer näher rückt.

"Mein Herz und andere schwarze Löcher" hat mich sehr positiv überrascht. Der Großteil des Hörbuches dreht sich um Selbstmordgedanken und darum, wie sinnlos das Leben für die beiden depressiven Jugendlichen ist. Man spürt deren Leere, deren Sorgen, aber es erdrückt einen nie. Aysel hat eine ganz tolle Art an sich, sie ist unglaublich ehrlich und direkt, verliert aber auch nie ihren Humor und ihren Sarkasmus. Der Roman zeigt auf, dass Außenstehende nie wissen können, was in einer Person wirklich vorgeht, dass man sogar der eigenen Familie, mit denen man am Frühstückstisch sitzt, etwas vorspielen kann, aber er zeigt auch auf, dass es das eigene Leben entscheidend verändern kann, wenn man sich auf jemanden einlässt, wenn man jemanden in sein Herz lässt und sich nicht vor allem und jedem abschottet, denn zwischenmenschliche Beziehungen machen das Leben lebenswert, was Aysel und Roman vergessen hatten.

Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Sprache perfekt für junge Leser und Inka Löwendorf, die Sprecherin, macht einen großartigen Job. Ab und an fiel es mir schwer, die Stimmen von Nebencharakteren auseinander zu halten, aber mir gefällt ihre Stimmfarbe und die Art, wie sie die Emotionen aus dem Buch transportiert. Obwohl die ungekürzte Lesung über 430 Minuten lang ist, vergeht die Zeit wie im Flug. Das Ende ist dann doch vorhersehbar, aber es hat mich in diesem Fall nicht gestört. Die Geschichte durfte einfach nicht anders ausgehen.

Fazit: "Mein Herz und andere schwarze Löcher" ist ein kleiner Geheimtipp, falls er denn noch geheim ist. Warga hat es geschafft ein sehr ernstes, sehr trauriges Thema für Jugendliche gerecht aufzubereiten und auf eine lebensbejahende Art und Weise zu präsentieren. Keine leichte Aufgabe, die ihr jedoch absolut gelungen ist. Obwohl die Stimmung in diesem Buch nicht dafür sorgt, dass man als Leser selbst depressiv wird oder in Traurigkeit versinkt, verliert der Roman deshalb nicht an Glaubwürdigkeit. Im Gegenteil, so wird er sicherlich ein noch größeres Publikum unterhalten können.


 

 

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