Mittwoch, 29. Juli 2015

[Gastrezension] Armstrong, Sarah - Nachts schwimmen

Gastrezension von Starbucks



Schwimmer zwischen zwei Leben

Für mich ist Schwimmen das beste Mittel, um Problemen zu entfliehen, nachzudenken, sich gleiten zu lassen, für sich zu sein, schwerelos zu wirken... Schwimmen ist für mich alles, und im Sommer wie im Winter gehe ich so oft schwimmen, wie es mein Leben hergibt. So war für mich schon klar, dass Sarah Armstrongs „Nachts schwimmen“ das Buch für mich ist, zumal auch die anderen Themen im Buch mich sehr beschäftigen.


Zum Inhalt: Rachel verbringt die meiste Zeit bei ihrer todkranken Mutter in ihrem Heimatort, wo sie schon als Jugendliche nachts ins Schwimmbad einstieg und dort ihre Bahnen zog. So kann sie mit dem Schicksal ihrer Mutter besser umgehen. Doch dann kommt Quinn, der attraktive Arzt ihrer Mutter, der nur zeitweise im Ort seinen Dienst tut und am Wochenende zu seiner Frau fährt, auch auf die Idee, nachts schwimmen zu gehen, eine Romanze (oder sollte man es hier „Affäre“ nennen?) entwickelt sich, und es bleibt nicht dabei....Während Quinns Frau unter ihrer Kinderlosigkeit leidet, entfernt sich das Paar immer weiter voneinander, doch dann geschieht das so lang Erhoffte, vielleicht zur falschen Zeit...Und so schwimmt der Arzt nun im wahrsten Sinne des Wortes zwischen zwei Welten...

Meine Meinung: „Nachts schwimmen“ wartet gleich mit mehreren sehr emotionalen Themen auf: die Krankheit der Mutter, der bevorstehende Tod, Kinderlosigkeit bei einem überbordenden Kinderwunsch, eine Liebesbeziehung, die auf Lügen aufgebaut ist – die Protagonisten müssen mit vielen Schicksalsschlägen umgehen. Dies tun sie, aber sie tun es in „Nachts schwimmen“ meist mit einer großen Emotionslosigkeit, die mich erstaunt hat. Die Mutter stirbt, Rachel hat einen Unfall, eine Affäre beginnt, vielleicht eine große Liebe, eine Frau wünscht sich so sehr Kinder, dass sie und ihre Ehe daran fast zerbricht – aber ich als Leserin nehme das alles nur so hin, weil die Beschreibung der Ereignisse stets so neutral gehalten ist, dass man nicht mitleidet, nicht mitfiebert, sich nicht mit freuen kann...

So bleibt „Nachts schwimmen“ ein Roman, der mich nicht mitreißen konnte. Ich hatte keine große Spannung erwartet, sondern einen gut geschriebenen Roman, der mich bewegt. Dies hat er nicht, da er in Unbedeutsamkeit so dahinfließt. Die Übersetzung ins Deutsche fand ich auch an manchen Stellen fraglich. Die Schwimmenden gehen sicher nicht mit Taucherbrillen ins Wasser, sondern sicher mit „goggles“, die man doch hier eindeutig mit „Schwimmbrille“ übersetzen sollte. Auch an weiteren Stellen kam mir die Übersetzung nicht so gelungen vor, aber man kann auch darüber hinweg sehen.

Fazit „Nachts schwimmen“ kann man lesen, z.B. als Sommerlektüre, aber der Roman hat kaum Tiefe, kaum Überzeugungskraft. Das Ende ist jedoch gut, unspektakulär, aber sicher eines, das der von Quinn geschaffenen Situation gerecht wird. Das Buch würde von mir 3,5 Sterne bekommen; ich werde aber nur drei vergeben, weil ein emotionales Thema bzw. mehrere solcher Themen leider zu unbedeutend umgesetzt wurden Schade!

  • Broschiert: 448 Seiten
  • Verlag: Diana Verlag (27. Juli 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453290704
  • ISBN-13: 978-3453290709
  • Originaltitel: His Other House
  • Verlag:


1 Kommentar:

  1. Immer, wenn ich auf das Cover blicke, lese ich zunächst "Nacktschwimmen". :/ *lol*

    Im Allgemeinen denke ich, dass mir der Roman momentan auch zu viele Problemthemen beinhalten würde, so dass ich davon lieber erstmal die Finger lasse. (Vielleicht ist es ja aber auch extra deswegen so emotionslos geschildert, dass man als Leser nicht zu sehr mit so viel Schwierigkeiten belastet wird? Oder es sind auch einfach zu viele Gefühle beim Übersetzen futschgegangen. *grübel*)

    LG,
    Tanja

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