Dienstag, 7. Juli 2015

[Story hinter dem Buch] Wieners, Annette - Gesine-Cordes-Krimi (01) Kaninchenherz



heute:


Wieners, Annette - Gesine-Cordes-Krimi (01) Kaninchenherz

 


Eines Tages war ich auf einem schönen, alten Friedhof unterwegs und sah den Friedhofsgärtnern bei der Arbeit zu. Sie pflanzten Blumen, schweigend, in Ruhe, und ich fragte mich, wie es wohl einem von ihnen erginge, wenn er hier auf dem Friedhof nicht nur fremde Beete, sondern auch ein privates Grab zu versorgen hätte. Ein Grab, das ihm vielleicht persönliche Probleme bereiten würde. So große Probleme, dass er sich von diesem Grab am liebsten fernhalten möchte – während er die fremden Gräber umso sorgfältiger pflegt. Ich interessierte mich sehr für diese Person. Es waren die ersten Umrisse von Gesine Cordes, der Hauptfigur von „Kaninchenherz“.

Gesine ist eine ehemalige Kommissarin. Nach dem Tod ihres kleinen Sohnes bricht für sie alles zusammen. Sie verliert ihren Job, ihr Zuhause und den Rest ihrer Familie. Sie fängt an, ihre Tage auf dem Friedhof zu verbringen. Obwohl sie sich auch dort quälen muss: Sie schafft es nicht, an das Grab ihres Sohnes heranzugehen. Sie treibt sich in seiner Nähe herum, aber den direkten Anblick kann sie nicht ertragen. Ein netter Bestatter verschafft ihr schließlich einen Job als Friedhofsgärtnerin. Sie kann dadurch wieder Geld verdienen und außerdem auf dem Friedhof bleiben.

Zu dieser Figur und ihren Lebensumständen habe ich mir erst einmal einige Notizen gemacht. Ich legte sie in meinen Schreibtisch, wo sich noch viele andere Figuren und Romanfragmente tummeln und auf ihren Einsatz warten.

Einige Zeit später, es war Frühling, ging ich durch den Garten und sah den „Blauen Bergeisenhut“ aus der Erde sprießen, eine wunderschöne, aber sehr giftige Pflanze. 

Blauer Bergeisenhut, noch ohne Blüte

In diesem Moment setzte sich etwas zusammen. Ich lief zum Schreibtisch, nahm die Notizen zu Gesine Cordes und begann, „Kaninchenherz“ zu schreiben. Die Geschichte einer Kommissarin, die vollkommen ahnungslos den „Blauen Bergeisenhut“ in den Garten pflanzt. Ihr Sohn stirbt, weil er Blätter und Blüten isst. Als er das tut, kann sie nicht bei ihm sein. Aber ihre Familie ist in seinen Tod verwickelt.

Mir ist das Buch sehr wichtig, weil ich hier meinen Hang zu psychologischer Spannung ausleben konnte. Die Geschichte entwickelt sich aus den Figuren heraus. Je enger der Fall für Gesine Cordes wird, umso spannender wird er für uns.

Aber es ist auch eine Geschichte über den Verlust. Verschiedene Personen müssen Abschied nehmen und trauern, und letztlich muss sich jeder in einem neuen Leben bewähren. Ich wollte durchspielen, wie viele verschiedene Wege es gibt, mit einem Verlust fertigzuwerden.

Die schöne Akelei. Ebenfalls giftig!

geschrieben von
Annette Wieners


  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: List Taschenbuch (8. Juni 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 354861258X
  • ISBN-13: 978-3548612584




1 Kommentar:

  1. Das Buch liegt hier schon bereit - darf mit in den Urlaub :) Die Story hinter dem Buch hat mich jetzt auch richtig neugierig gemacht.

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