Mittwoch, 26. August 2015

[Gastrezension] Sabbag, Britta - Sanny (01) Stolperherz

Gastrezension von Verena-Julia

Die fünfzehnjährige Sanny Tabor ist kein gewöhnliches Mädchen, denn sie leidet an einer Herzkrankheit, die ihr Leben mitbestimmt. Ihr „Stolperherz“ schlägt nicht immer wie ein normales Herz. Ab und an gerät es einfach aus dem Takt und stolpert eben. Da kann es auch schon mal passieren, dass Sanny wegen ihres Herzens ein Ohnmachtsanfall bekommt, weswegen sie in der Schule nur „das Herzproblem“ genannt wird. Sie versucht daher eher im Hintergrund zu bleiben um nicht noch weiter aufzufallen und versteckt sich in ihrem Dasein als graue Maus. Ohne Freunde igelt sie sich zu Hause ein und liest lieber für ihr Leben gern. Doch auch Zuhause hat es Sanny nicht immer einfach, denn ihre übervorsorgliche Mutter Lisa versucht das Leben ihrer Tochter zu kontrollieren um ihr Herz bestmöglich zu schützen. Es gibt exakte Speisepläne, Listen mit Aktivitäten, die für Sanny zu aufregend sind und detaillierte Therapiepläne. Jahrelang hat Sanny bei allem mitgemacht, was Lisa geplant hat, doch nun ist Schluss damit und sie fängt an zu rebellieren. Die feuerroten neuen Haare sind da nur der Anfang um aus ihrem alten Leben auszubrechen und endlich frei zu sein, das zu tun, was sie will. Mit ihrer neuen Haarfarbe gewinnt Sanny langsam an Selbstvertrauen und so kommt es, dass sie von Greg, dem Bassisten der Schülerband Crystal und ihr heimlicher Schwarm, eingeladen wird die Band während der Sommerferien auf einer Tour durchs ganze Land zu begleiten. Das klingt natürlich viel besser als eine Kur für herzkranke Kinder und so macht sich Sanny mit den Jungs und ein paar anderen auf den Weg. Viele Abenteuer und neue Situationen warten auf sie. Plötzlich ist sie inmitten von Zickenkrieg, erster Liebe, Freundschaften und Fanta auf der Suche nach sich selbst und findet so viel mehr, wie sie geglaubt hätte. 

„Stolperherz“, gelesen von Uta Dänekamp, ist ein wunderbares Sommerhörerlebnis, welches mit vielen Facetten aufwartet. Mal leicht und lieblich, mal ernst und nachdenklich, immer jedoch herzerwärmend. Die Sprecherin hat eine erfrischende, freche und sympathische Stimme, auf Anhieb konnte ich mich so richtig fallen lassen und die Geschichte genießen. Ihr Erzählstil ist toll und mitreißend, was vor allem auch an den wunderbaren Worten liegt, die die Autorin Britta Sabbag hier gefunden hat. Wie gewohnt ist ihr Schreibstil fantastisch. Sie verzaubert den Leser mit Worten, die leicht daher kommen und den Leser sanft gefangen nehmen. Die Wellen der Geschichte tragen einen immer weiter und dabei schafft es Britta Sabbag auch viele wichtige und ernsthafte Themen anzusprechen ohne in Klischees zu verfallen, sich brachialer Wörter zu bedienen oder ihren Schreibstil zu verändern, geschweige denn den erhobenen Zeigefinger auszupacken um etwas zu vermitteln.

Auch die Figuren ihrer Geschichte hat die Autorin allesamt auf eine sehr realistische und plastische Art gezeichnet. In vielen Figuren kann sich der Leser wiederfinden und alle wirken so, als wären sie mitten aus dem Leben gegriffen. Sie harmonisieren perfekt miteinander, zu jeder Figur gibt es einen Gegenpart, sodass ein angenehmes Gleichgewicht entsteht. Besonders Sanny, die Protagonistin des Buches, ist Britta Sabbag gut gelungen. Anfangs wirkt sie sehr grau, zurückhaltend, genervt, aber auch ein wenig ängstlich. Sie ist total unerfahren und neugierig, hat es satt immer nur das zu tun, was andere sagen und will endlich über ihr Leben selbst bestimmen, dabei ist sie sehr sympathisch und beweist des Öfteren mal Mut und Stärke. Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte ist nicht immer einfach und geradeaus, aber doch sicht- und spürbar. Es ist so schön zu hören, wie sie mutiger wird, sich entfalten kann und auf der Tour endlich sich selbst findet. Das steckt an und als Hörer fiebert man mit, ob alles glatt läuft, wie sich ihr Schwarm entscheidet und was ihr Herz macht. Aber nicht nur Sanny ist Britta Sabbag gut gelungen, sondern auch die anderen Figuren überzeugen. Egal, ob es die Zicken der Schule sind, der Bassist Greg, der anfangs sehr reserviert und unnahbar scheint und doch immer für eine Überraschung gut ist oder ihre Mutter Lisa, die am liebsten alles dreimal kontrollieren würde, was Sanny macht, tut oder isst. Die Figuren wirken allesamt so echt, dass man als Hörer das Gefühl hat dabei zu sein und mit den Jungs auf Tour zu gehen. Unterstreicht wird das Gefühl durch die Ich-Perspektive, die von der Autorin hier ganz passend gewählt wurde. Sanny erzählt – und der Hörer kann sich in sie hineinversetzen, versteht ihre Gedankengänge und Reaktionen, fiebert mit und ist gespannt.

Fazit: Mit „Stolperherz“ ist Britta Sabbag ein tolles, emotionales Jugendbuch gelungen, was so viel mehr ist als nur eine Geschichte einer herzkranken Teenagerin. Uta Dänekamp macht mit ihrer mitreißenden und interessanten Stimme ein wahres Hörerlebnis draus, welches zum Genießen einlädt. Beste Unterhaltung, mit einem viel zu frühen Ende. Es fällt schwer Sanny loszulassen, nachdem man mit ihr mitgelitten, mitgefiebert und mitgehofft hat. Britta Sabbag schafft es wieder einmal sich in des Lesers Herz zu schreiben. Absolute Hörempfehlung und volle Punktzahl von mir. Ich freu mich schon auf „Herzriss“. Dort geht es nämlich mit der Geschichte von Sanny weiter…


  • Audio CD
  • Verlag: Rubikon Audioverlag (20. April 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3945986036
  • ISBN-13: 978-3945986035
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre



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