Montag, 24. August 2015

[Rezension] Arnold, David - Auf und davon

 
Mary Iris Melone (kurz Mim genannt) hat ihr aktuelles Leben satt. Nach der Scheidung ihrer Eltern muss sie bei ihrem Vater leben. Dieser zieht kurz nach der Trennung mit Mim und seiner neuen Freundin hunderte von Meilen weg, um sich ein neues Leben aufzubauen. Eins, in dem Mim jedoch nicht glücklich ist. Als sie erfährt, dass ihre Mutter schwer krank ist, beginnt ihr Roadtrip: 1.524 km per Greyhound Bus quer durch Amerika mit dem Ziel ihre Mutter zu unterstützen und für sie da zu sein.


Der Debütroman von David Arnold wird sehr ansprechend angepriesen. Es sei ein literarischer Roadmovie, der abenteuerlich und herzergreifend sei, sich ungeschönt, mit reichlich Wortwitz und außergewöhnlichen Charakteren präsentiere. Der Roman, der zu den US-Top 10 der Debütromane im Bereich Jugendbuch gehören soll, würde die zerklüftete Seelenlandschaft der Protagonistin behandeln. Dieses hat mich insgesamt sehr neugierig gemacht, da ich eh immer für Roadtrips durch die USA zu haben bin und dieser Roman ansprechend und auch niveauvoll klang.

Nun habe ich das Buch gelesen, sogar schon vor ein paar Tagen beendet, und das Bewerten fällt mir immer noch schwer. Viele der versprochenen Attribute habe ich vermisst. Es geht definitiv um die zerklüftete Seelenlandschaft (ein sehr gelungener Begriff dafür) von Mim und ihre Selbstfindung. Würde sie sich selbst mit einem Wort beschreiben müssen, würde sie „Anomalie“ wählen. So viel dazu. Der ganze Roman ist etwas skurril, teilweise wirr und ich habe einfach keinen richtigen Zugang zu der Figur der Mim gefunden.

Zwischendurch habe ich die Reise von Jackson (Mississippi) nach Cleveland (Ohio) ganz gerne gelesen, aber es ganz immer wieder Szenen, die mich komplett herausgerissen haben, die sehr irritierend sind oder sogar moralisch bedenklich. Die neue Freundin ihres Vaters versucht des Öfteren Mim zu erreichen, ein oder zwei Mal auch der Vater, ansonsten wird scheinbar nichts unternommen, obwohl die Tochter ohne erklärende Worte abgehauen ist. Auf der Reise stirbt ein Mensch bei einem Unfall, aber auch dort wird getan, als wäre nichts passiert und die Reise wird am nächsten Tag fortgesetzt. Der Autor geht außerdem sehr merkwürdig mit schwierigen Themen um. Sexuelle Belästigung wird wegen Zeitmangel einfach ad acta gelegt, bei psychischen Krankheiten sollen einfach blind Tabletten eingeworfen werden, an die man sich schon gewöhnen würde, und dass man einen behinderten Jungen lieber in eine Tierarztpraxis bringt, statt weiter nach einem geöffneten Krankenhaus zu suchen, und ihn zwischendurch als Kuscheltier bezeichnet ist auch grenzwertig.

Die Geschehnisse werden immer wieder durch Briefe unterbrochen, die Mim an eine Isabel schreibt, in denen sie sehr emotional und ungeschönt berichtet, was sich in ihrem Leben bisher abgespielt hat. Sehr actionlastig ist die Handlung nicht, sie zielt eher auf die verschiedenen Charaktere ab, aber wie gesagt, da gibt es schon einige Kuriositäten und das ist in diesem Falle leider nicht unbedingt positiv zu verstehen.


Fazit: Meinen Geschmack hat dieser Roman leider nicht getroffen. Mim war mir nicht wirklich sympathisch, die Erlebnisse waren teilweise zu skurril, einige Charaktere sehr gewöhnungsbedürftig und wichtige Themen werden zu flapsig behandelt. Dafür kann ich leider maximal 2,5 Sterne vergeben, die ich auf 2 abrunden muss, wenn ich es mit anderen 3-Sterne- Büchern vergleiche. Wer sich jedoch generell für die Story interessiert, der sollte einfach in die Leseprobe hineinlesen und einen eigenen Eindruck gewinnen.

  • Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
  • Verlag: Heyne fliegt (24. August 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453269837
  • ISBN-13: 978-3453269835
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Originaltitel: Mosquitoland
  • Verlag:



 

1 Kommentar:

  1. Ich kenne mich im Jugendbuch-Bereich nicht wirklich aus, daher kenne ich weder dieses noch viele der Autoren in dem Bereich, aber so, wie Du es beschreibst, würden mich vermutlich die gleichen Dingen "stören". Wenn man wichtigen Themen nicht genug Aufmerksamkeit schenkt und diese quasi in der Gesamthandlung untergehen, ist das für mich auch immer ein Kriterium, ein Buch nicht mehr so gut zu finden, insofern kann ich das absolut nachvollziehen. LG

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