Samstag, 15. August 2015

[Rezension] Lange, Alexa Hennig von - Die Welt ist kein Ozean

Eine psychiatrische Klinik für Jugendliche - nicht unbedingt der typische Ort für ein Schulpraktikum. Aber genau deshalb will Franzi dorthin. Etwas Abenteuerliches erleben und raus aus ihrem behüteten Zuhause. Doch schnell erkennt sie, dass in dieser Klinik die Uhren anders ticken. Es ist, als wäre sie in einer anderen Welt. Dort trifft die 16-Jährige auf den zwei Jahre älteren Tucker, der an totalem Mutismus leidet. Seit einem traumatischen Erlebnis spricht er kein Wort mehr, doch Franzi und Tucker scheinen sich dennoch zu verstehen. Innerhalb kurzer Zeit bauen sie eine zarte Verbindung zu einander auf und Franzi hat das Gefühl, er könnte DER Richtige sein. Dabei wollte sie doch in wenigen Tagen für ein Jahr ins Ausland gehen. Aber seit sie Tucker begegnet ist, weiß sie nicht mehr, was sie will und was das Richtige für sie ist.

Mit „Die Welt ist kein Ozean“ hat Alexa Hennig von Lange eine Fortsetzung um Sina aus „Ach wie gut, dass niemand weiß“ geschrieben. Sina spielt in diesem Roman jedoch eher eine Nebenrolle, aber es geht um die gleiche Familie und hauptsächlich um Franzi, Sinas jüngere Schwester. Ich habe den Roman „Ach wie gut, dass niemand weiß“ nicht gelesen. Es gab ein paar erklärende Rückblicke und somit hatte ich nicht das Gefühl, dass mir etwas zum Verstehen Essentielles fehlen würde. Franzi fand ich als Protagonistin sehr angenehm, da sie ein positiv eingestellter Mensch ist und Lebensfreude ausstrahlt. Trotzdem hat sie natürlich auch schlechte Tage, was sie im Gesamtkonzept authentisch und liebenswert erscheinen lässt.

Der Einstieg in die Geschichte fiel mehr sehr leicht und durch den flüssigen Schreibstil flog ich nur so durch die Seiten. Der Roman ist emotional, traurig und gleichzeitig fröhlich und teilweise tiefgründig. Geht es doch darum, ob Franzi sich tatsächlich Hals über Kopf in Tucker verliebt hat oder ob es einfach nur an ihrem Helfersyndrom liegt, dass sie sich den schwierigsten Fall heraus gesucht hat. Außerdem muss sie sich darüber klar werden, ob sie immer noch ins Ausland gehen will. Australien war ihr großer Traum seitdem sie sieben Jahre alt war, aber können sich Träume nicht auch im Laufe der Zeit verändern? Das alles Herauszufinden gehört nun einmal zum Erwachsenwerden dazu, auch wenn es zeitweise weh tut. Die Suche nach dem Glück ist nicht die einfachste, aber eine der wichtigsten und das lernt Franzi in diesem Roman.

Ein gewisser Tiefgang hat mir jedoch bei allem gefehlt, was die psychiatrische Klinik anbelangt. Der Alltag dort, die anderen Patienten, die Therapien im Allgemeinen oder Tuckers Behandlung im Speziellen kommen zu kurz. Außerdem ging es mir zu schnell, wie Tucker sich Franzi gegenüber geöffnet hat, nachdem er über ein Jahr in sich gekehrt war, und auch am Ende kam mir die Handlung zu abrupt vor. Dass manche Menschen besonderen Zugang zu anderen und somit auch schnelleren therapeutischen Erfolg erlangen können, glaube ich durchaus, aber hier geschah dieses innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes, damit die Story innerhalb eines zweiwöchigen Praktikums platziert werden kann.

Fazit: Die Story um Franzi und Tucker habe ich sehr gerne gelesen. Sie ist eine Mischung aus süß, bewegend und dramatisch. Für ein Jugendbuch werden durchaus schwierige Themen angesprochen und zum Teil tiefgründig behandelt. Lediglich der Aspekt der psychiatrischen Klinik kommt für meinen Geschmack zu kurz und hätte gerne intensiver im Roman ausgelebt werden können.


  • Broschiert: 352 Seiten
  • Verlag: cbt (27. Juli 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570162966
  • ISBN-13: 978-3570162965
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Verlag:
    http://www.randomhouse.de/cbt/


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