Dienstag, 6. Oktober 2015

[Die Story hinter dem Buch] Angelika Lauriel - Schwerelos mit dir


heute:
 

Angelika Lauriel - Schwerelos mit dir

 


Die Entstehung von „Schwerelos mit dir“
Diesen Roman begann ich bereits 2009, ursprünglich sollte er zweisprachig werden. Daher auch der Gedanke, die Protagonistin nach Frankreich reisen zu lassen. Die Grundbedingungen waren rasch klar: Ein junges Mädchen nutzt die Gelegenheit, in Frankreich einen Ferienjob anzunehmen, weil es vor dem Abitur seine Sprachkenntnisse unbedingt verbessern möchte. Außerdem denkt sie, dass sie in der Ferne schneller herausfinden kann, wie ernst und ehrlich ihre Beziehung zu Hendrik ist. Der ist ein großartiger, umschwärmter Junge und geht sein einiger Zeit mit Alena. Leider teilt er ihre Leidenschaft, die Musik, kein bisschen, und sie ist sich nicht sicher, ob es wirklich Liebe ist, die sie beide verbindet.

Wie viel „eigene Geschichte“ steckt in dem Roman?
Viel. Allerdings nicht im Plot, sondern nur in den Bedingungen. Ich selbst bin nach den ersten beiden Studiensemestern (ich war 20) für einen Monat in die Bourgogne gereist, um dort bei der France Télécom zu arbeiten. Ich wohnte im „Foyer des jeunes travailleurs“, und auch um mich kümmerte sich ein Angestellter der Télécom mit seiner Familie, die im Grünen wohnte. Wir verstanden uns alle wunderbar, aber eine Liebesgeschichte spielte sich nicht ab. Ich war damals mit meinem jetzigen Mann schon zusammen, unsere Beziehung war noch jung. Ich hätte keine Augen für einen anderen Jungen gehabt, weder einen Hendrik noch einen Dominik. 

Ich sitze auf der Terrasse des im Roman beschriebenen Hauses und esse selbstgemachtes Vanille-Eis.

Den Zwischenfall im Zug, bei dem Alena sexuell bedrängt wird, habe ich als Studentin auf einer anderen Bahnfahrt erlebt, und sie ging damals genauso glimpflich ab wie die Episode auf Alenas Reise. Echte sexuelle Übergriffe sind mir zum Glück aber erspart geblieben.

Worüber ich heute noch lachen muss
Über die Episode mit den „Andouilettes“, die im Roman erzählt wird. Die habe ich genau so erlebt. Es war mein erster Abend bei dieser französischen Familie, und ich musste so tun, als schmeckten mir diese Würstchen. Dabei kämpfte ich tapfer gegen den Brechreiz an. Danach konnte ich aber klar stellen, dass ich diese Andouilettes nicht mochte.

Ebenfalls in lustiger Erinnerung ist mir „Adèle“ geblieben, die Schäferhündin der Familie, auf deren Couch ich auch tatsächlich übernachtete. Sie hieß in Wirklichkeit „Ophélie“ und war eine sehr betagte Dame.

Adèle

Was mich an Alenas Geschichte am meisten berührt hat
Während des Schreibens war es mir ein Bedürfnis, die Musik in Sprache zu übersetzen und Alenas besondere Begabung greifbar werden zu lassen. Mit einem solchen Versuch lehnt sich jede/r Autor/in weit hinaus, denn damit gibt er/sie einen Einblick ins eigene Gefühlsleben. Wie werden die Leserinnen darauf reagieren? Im besten Fall tauchen sie mit mir ab in diese Emotion, im schlimmsten Fall werden sie es hassen.

Beim erneuten Überarbeiten in diesem Jahr ist mir aufgefallen, dass ich das Hin- und Hergerissensein von Alena ziemlich gut transportiere – zumindest ist es mir so vorgekommen. Das hat mich sehr berührt und auch gefreut. Ob die Leserinnen es auch so empfinden, muss sich dann natürlich noch zeigen.

mein Autorenfoto
Warum als e-Book, warum beim Verlag 26|books?
Dieses Buchprojekt existiert schon einige Jahre. Es war ungefähr mein fünftes Projekt überhaupt. Ich hatte mich damit bei mehreren Literaturagenturen beworben, und gemeinsam mit „Phantanimal: Die Suche nach dem Magischen Buch“ (Ulrich Burger Verlag 2015) öffnete es mir auch tatsächlich die Türen. Ich konnte zwischen vier Agenturen wählen und entschied mich dann für meine erste Literaturagentur. Die konnte das Buch jedoch nicht vermitteln – genau wie „Phantanimal“ übrigens -, und mein jetziger Agent sagte, er wolle sich lieber auf neue Projekte mit mir konzentrieren. Er sah für „Schwerelos mit dir“ (Arbeitstitel ursprünglich „Mein Sommer in Frankreich“ bzw. „Zut l’amour“) keine Chance auf Vermittlung an einen der größeren Verlage. Weshalb? Weil es, wie viele meiner Werke, die noch auf meiner Festplatte schlummern, nicht eingängig genug geschrieben sei, die Verlage griffen bei diesen tiefgründigen, manchmal schwermütigen und eher stillen Stoffen nicht zu. 

Da ich Christine Spindler, die Verlegerin, als Autorin bereits sehr gut kannte und außerdem ihre Bücher sehr mag, fragte ich sie, ob sie Lust darauf hätte, es mit dem Projekt zu versuchen. Ich habe nicht versucht, es anderen Verlagen anzubieten. Christine liebt diese Geschichte. Sie hat sie ganz zu Beginn schon einmal für mich gegengelesen. So rannte ich bei ihr offene Türen ein.

Inzwischen bin ich mehrfach gefragt worden, ob es das Buch auch als Printausgabe geben wird. Schön, dass so viele Menschen sich dafür interessieren. Im Moment ist eine solche Ausgabe nicht geplant, aber wer weiß, was die Zukunft bringen mag.

meine Bücher
„Schwerelos mit dir“ ist eines meiner ersten und meiner Herzensbücher. Ich habe es noch ohne die berühmte „Schere im Kopf“ geschrieben. Zwar hatte ich zu der Zeit längst mein Schreiben professionalisiert, aber man hatte mir noch nicht so oft gesagt, dass ich nicht „Mainstream“ genug schreibe. Mainstream war mir außerdem egal. Auch heute noch will ich nicht seichte Massenware abliefern. Aber doch Bücher, die auch beworben und verkauft werden. Nur für die Seele schreiben ist ein hehres Ziel, aber leider kann man davon nicht satt werden. ;-)

Vielen Dank, liebe Claudia, dass du mich die Geschichte hinter dem Buch hast erzählen lassen.


geschrieben von
Angelika Lauriel


  • Format: Kindle Edition
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 230 Seiten
  • Verlag: 26|books; Auflage: 1 (1. September 2015)






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