Freitag, 23. Oktober 2015

[Rezension] Macgregor, Virginia - Der Junge, der mit dem Herzen sah

Gastrezension von Starbucks


Ein Buch, das berühren soll

Virginia MacGregor hat mit „Der Junge, der mit dem Herzen sah“ Milo, einen Jungen geschaffen, der sein Augenlicht verlieren wird, der die Welt nur noch wie durch ein Nadelöhr wahrnehmen kann. Mit diesem Roman hat die Autorin ein Buch geschrieben oder schreiben wollen, dass den Leser sehr berührt – mich hat sie aber damit nicht ganz rühren können, und ich werde gleich noch beschreiben, warum nicht.


Zum Inhalt: Milo, der Junge mit dem Sehfehler, der sein Augenlicht verlieren wird, hat nur zwei Freunde: seine Uroma Lou, die er wie ein Erwachsener pflegt sowie sein Schwein Hamlet. Seine Familie ist zerrüttet, die Mutter dem Essen und Fernsehen verfallen. Da der Vater mit seiner Frau ausgewandert ist, hat Milo sonst niemanden. Als Lou ins Altenheim „abgeschoben“ wird – sie will aber der Familie nicht länger zur Last fallen – bemerkt nur Milo, dass in dem Seniorenheim etwas nicht stimmt. Sein Plan ist, die Uroma wieder nach Hause zu holen, und der syrische Heimkoch Tripi soll ihm dabei helfen...

Meine Meinung: Milo scheint hier eine etwas vielschichtige Persönlichkeit: Der Junge, der seine Großmutter sogar wäscht und pflegt, sieht meist nur, was ihm guttut, er versucht, seinen Willen zu bekommen. Seine Krankheit stört ihn kaum; im Gegenteil, er bekommt ja eigentlich alles mit. Manchmal sieht er allerdings verschwommen, manchmal kann er sogar Holzsplitter mit einer Pinzette entfernen, immer so, wie es gerade in die Geschichte passt. Milos Krankheit kann man also getrost hier vernachlässigen.

Auch der Verlauf der Geschichte ist nicht immer logisch: Milos Urgroßmutter muss ins Heim, und obwohl Milo schnell erkannt hat, dass es Gran nicht gut geht, darf sie nicht nach Hause zurück. Die lethargische Sandy, Milos Mutter, hilft nicht. Doch langsam füllt sich das Haus mit mehr und mehr „Untermietern“; sogar ein alter Mann aus dem Heim darf einziehen. Da darf sich der Leser schon fragen, warum all das scheinbar kein Problem ist, nur die Großmutter bleibt, wo sie ist, obwohl sie dort misshandelt wird. Hier habe ich mich manchmal nach der Logik der Geschichte gefragt.

Fazit: Die Figuren sind deutlich und gut charakterisiert und gezeichnet; sie haben aber mein Herz nicht wirklich erobert. Die ersten mindenstens hundert Seiten fand ich eher zäh und wenig spannend; oft habe ich das Buch weggelegt. Doch dann nimmt die Handlung etwas Fahrt auf, und als Fazit kann man auch sagen, dass das Buch einen klaren Aufbau, eine nette Geschichte und eine Entwicklung der Figuren aufweist. Trotz meiner Kritik hier fand ich „Der Junge, der mit dem Herzen sah“ gut lesbar und in sich sonst auch weitgehend schlüssig. Nur berührt hat es mich wenig. Ich kann aber immer noch knappe vier Sterne vergeben.

  • Broschiert: 416 Seiten
  • Verlag: Manhattan (31. August 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442547490
  • ISBN-13: 978-3442547494
  • Originaltitel: What Milo Saw


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