Freitag, 2. Oktober 2015

[Rezension] Raabe, Melanie - Die Falle

Nach dem Tod ihrer Schwester hat sich Linda Conrads sehr zurückgezogen. Seit nunmehr elf Jahren hat die Autorin ihr Haus nicht verlassen, sie hat kaum persönliche Kontakte zur Außenwelt und beschäftigt sich hauptsächlich damit einen Bestseller nach dem nächsten zu schreiben. Doch der grausame Mord ihrer Schwester lässt sich nicht abschütteln. Das Gesicht des flüchtigen Mörders verfolgt sie regelmäßig in ihren Träumen. Umso erschrockener ist sie, als sie genau dieses Gesicht eines Tages im Fernsehen wieder erkennt. Linda ist sich sicher, dass dieser Journalist der Mörder ihrer Schwester ist. Sie ist überzeugt, dass die Polizei ihr nicht glauben würde. Da sie außerdem ihr Haus nicht verlassen kann, gibt es nur eine Möglichkeit für sie: sie muss den Täter in ihr Haus locken und ihm eine Falle stellen.

Die Inhaltsangabe deckt sich bis hierhin thematisch mit sehr vielen Thrillern. Lediglich Linda Gebundenheit an ihr Zuhause ist eher ungewöhnlich. Das besondere Extra ist jedoch die Falle, die Linda aufstellt. Denn dafür schreibt sie einen Roman, in dem sie den Mord an ihrer Schwester als Grundidee nimmt und dafür sorgt, dass der Journalist ihre Geschichte zu lesen bekommt. Ich fand die Idee genial, wie sie damit den mutmaßlichen Täter aus der Reserve locken will und dass der Leser somit alles über die Ermordung, die damaligen Ermittlungen, und das soziale Umfeld durch Passagen aus Lindas neuem Buch erfährt. Das ist eine ganz neue Perspektive, die mir so bisher noch in keinem Roman begegnet ist.

Raabe bedient sich zumeist einer klaren Sprache und verwendet kaum Ausschmückungen. Stattdessen benutzt sie oft sehr kurze Sätze, die teilweise etwas abgehackt wirken. Emotionen tauchen erst später im Buch auf. Zunächst geht es um die Falle, die zu errichten ist und für die sich die Protagonistin intensiv informiert und möglichst gut drauf vorbereitet. Einige Wendungen in der Handlung waren vorhersehbar, anderes dagegen konnte mich tatsächlich überraschen.

Fazit: Ein Krimi mit einer tollen Erzählperspektive, in dem sich die Autorin einer anderen Autorin bedient, die Vergangenes durch ihren neuen Roman erzählt. Am Anfang lässt sich das Buch „lediglich“ gut lesen, später vermag der Roman zu fesseln. Gute 4 Sterne vergebe ich für dieses Krimidebüt.

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (9. März 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442754917
  • ISBN-13: 978-3442754915
  • Verlag:


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