Dienstag, 16. Februar 2016

[Die Story hinter dem Buch] Elke Pistor - 111 Katzen, die man kennen muss


heute:


Elke Pistor - 111 Katzen, die man kennen muss

 


Warum schreibt man ein Buch über 111 Katzen, die man kennen muss? Weil man nichts Besseres zu tun hat, oder weil man ganz einfach ein bisschen verrückt ist? Ersteres kann ich für mich definitiv ausschließen – das Krimischreiben macht eigentlich genug Arbeit. In den letzten fünf Jahren waren es immerhin acht Romane und etwas über zwanzig Kurzgeschichten.

Aber ich muss gestehen: Ja, ich bin verrückt. Katzenverrückt. Und das nicht nur ein bisschen. Seit mehr als 25 Jahren war ich nur eine Woche lang »ohne«. Mal bis zu vier, mal war es nur eine. Das lag aber dann nicht an mir, sondern an der Dame, die uns auf gar keinen Fall teilen wollte.

Dabei sind mir die 111 Katzen vor etwas mehr als einem Jahr sozusagen zugelaufen. Als ich an Tag X aus dem Haus ging, ahnte ich nichts davon, dass ich abends mit ihnen wieder nach Hause kommen würde. Die Idee dazu wurde in einem Nebensatz auf einem Krimifestival geboren, alle Beteiligten sahen zuerst sich, dann mich an und wir nickten gleichzeitig, weil sie uns allen auf Anhieb gefiel.

Herbert und ich
Barbara Hentschel

Dazu ist vielleicht ein wenig Hintergrundinformation notwendig. Der Emons-Verlag, in dem die 111 Katzen veröffentlicht werden, hat eine ganze Reihe der „111er“-Titel. In der Hauptsache beschäftigen die sich mit 111 Orten in einer Stadt, einer Region oder einem Land, die man gesehen haben muss. Das Konzept sieht pro Kapitel eine Seite Text und ein Foto vor. Die Titel der „111 Orte in XY“ sind fantastische Reiseführer, weil sie neben bekannten Locations auch Geheimtipps beinhalten. Und so sollten auch die Katzen werden. Bekannte Fellnasen aus dem wirklichen Leben, Büchern, Comics neben unbekannteren Samtpfoten, die durch erstaunliche Fähigkeiten überraschten. Katzen in der Geschichte, in der Kunst, in der Musik. Wichtig dabei war nur, dass es nicht um „die Katze von“, sondern um eigenständige Katzenpersönlichkeiten ging. So weit, so gut. 

Ich wusste, dass es mir nicht schwer fallen würde. Ich liebe Katzen. Sie sind faszinierend, schrecklich, elegant, tollpatschig, energiegeladen, faul, hoch konzentriert, entspannt, liebevoll, einzigartig, verschmust, kratzbürstig, treu, unabhängig, intelligent und stur. Kurz, ich finde sie einfach wunderbar.

Fräulein Sinner
Isa Lange, Universität Hildesheim
Also stromerte die Idee während der nächsten Wochen durch meinen Kopf, und die Liste auf meinem Schreibtisch mit den „Auserwählten“ wuchs langsam aber stetig. Das tollste daran war, dass ich endlich kein schlechtes Gewissen mehr haben musste, wenn ich stundenlang Katzenvideos und -fotos im Netz durchklickte. Legalisierte Prokrastination, die ich mir normalerweise beim Schreiben meiner Kriminalromane nur ab und an mal erlaube. (An dieser Stelle räuspert sich die Autorin vernehmlich) Je tiefer ich aber in die einzelnen Themen einstieg, umso mehr fesselte mich das Projekt. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, nach 25 Jahren als Katzenpersonal meiner insgesamt über die Zeit verteilten zehn Katzen, könnte mich nichts mehr wirklich überraschen. Weit gefehlt. Katzenbesitzer ahnen es bereits: Die Katze ist kein Tier wie jedes andere. Es gibt so viele außergewöhnliche, skurrile, lustige, traurige, rührende, unglaubliche und spannende Geschichten über die samtpfotigen Persönlichkeiten, dass man ein Buch darüber schreiben könnte. Was ich dann auch getan habe.

Zum Beispiel über Suki, die mit Perfektion Hundesport ausübt. Oder über Fräulein Sinner, der wohl einzigen Katze mit Universitätsstudium. Über Fritz, der Katze auf Helge Schneiders Katzeklo und Tiger, der Amerikas meistgesuchten Verbrecher überführte. Über Mr. Lee, dem vierbeinigen Starfotografen und Choupette Lagerfeld, die durch ihre Berufstätigkeit mehr Geld scheffelt als der Durchschnittsverdiener im Fürstentum Monaco. Oder über die Katze, die mit Marlon Brando am Set von „Der Pate“ Filmgeschichte schrieb.

Die Recherchen dazu haben mich – zumindest virtuell – um die ganze Welt geführt. Europa, Amerika, Asien, Afrika. Was nicht immer ganz einfach war, da ich zum Beispiel kein Wort Japanisch oder Russisch kann. Zum Glück hatte ich freundliche Menschen, die mir geholfen haben. Und zur Not gab es dann immer noch den Google-Übersetzer. Wobei ich bis heute fest davon überzeugt bin, dass die Besitzer von Maru, einem der japanischen Katzenstars, sich regelmäßig vor Lachen gebogen haben, wenn sie meine Mails bekommen haben. Aber es hat geklappt und ich habe nicht aus Versehen einen Bahnhof gekauft.

Nora
Burnell Yow!
Eines meiner wichtigsten Anliegen an die jeweiligen menschlichen Ansprechpartner, war die Bitte um eine Bildspende, da ein Teil des Erlöses des Buches an den Katzenschutz gespendet werden sollte. Es war eine wunderbare Erfahrung, wie viele sofort dazu bereit waren, mir die Bildrechte zu spenden. Vom berühmten Zeichner über Autorenkollegen, Künstlern, die selbst ebenfalls viel von dem Geld, das sie mit oder durch ihre Katzen verdienen, an den Tierschutz spenden. Museumskuratoren, Profifotografen, Musiker und vielen vielen anderen, die das Glück haben, ihr Leben mit einer ganz besonderen Katze zu teilen. Besonders interessant in diesem Zusammenhang war der Mailkontakt mit der Nachlassverwalterin von Freddy Mercury, der ja ein bekennender Katzenfan gewesen ist und mindestens immer drei oder vier Fellnasen um sich herum hatte. Seiner Lieblingskatze, die schließlich auch bei ihm auf seinem Sterbebett gelegen hat, hatte er sogar ein Lied geschrieben. Da muss man schon genau auf den Text lauschen um zu merken, dass es kein normales Liebeslied ist. Es war wirklich rührend, mit welcher Energie da in den Archiven, bei bekannten Starfotografen und fotografierenden Bekannten des Musikers nach einem Bild dieser Katze gefahndet wurde, damit sie in der Reihe der 111 Katzen ihren Platz einnehmen konnte Und ein besonderer Moment, als sie meinte, dass „ihm diese Idee des Katzenschutz gefallen würde“.

Der Spendenanteil, den wir durch das Buch für den Katzenschutzbund Köln zusammentragen werden, soll Kastrationen wild lebender Katzen finanzieren und private Pflegestellen unterstützen. Das Thema liegt mir wirklich am Herzen, weil ich es sehr wichtig finde, die unkontrollierbare Vermehrung in den Griff zu bekommen. Immer noch werden zu viele Katzen in zu großes Elend hineingeboren, weil viele aus Unkenntnis, Ignoranz oder falsch verstandener Tierliebe ihre Tiere nicht kastrieren lassen. Hier tut Aufklärung und praktische Hilfe dringend Not. 

Mit dem Schreiben des Buches bin ich zur Crazy-Cat-Lady unter den Krimiautoren mutiert und ich muss sagen, noch kein Buch vorher hat mir so viel Spaß gemacht, wie die 111 Katzen. Und bei keinem habe ich es so bedauert, als wir wirklich fertig waren und es in Druck ging.

Ich hoffe, dass ein bisschen von meiner Begeisterung und Faszination auch auf die Leserinnen und Leser überschwappt. Dass meine 111 Katzen und ich ihnen ein schnurriges Lesevergnügen bereiten.
Denn das Allerbeste habe ich ja noch gar nicht verraten: Die 111 Katzen sind absolut allergiefrei.
Miau.

geschrieben von
Elke Pistor


  • Broschiert: 240 Seiten
  • Verlag: Emons Verlag (25. Februar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3954518309
  • ISBN-13: 978-3954518302




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