Dienstag, 2. Februar 2016

[Die Story hinter dem Buch] Martens, Anna - Identität unbekannt


heute:


Martens, Anna - Identität unbekannt

 


Die Arbeit zu meinem Buch „Identität unbekannt“ hat damit begonnen, dass mir ein Artikel in die Hände fiel, der mich wirklich schockte. Darin ging es um „Baby-Shopping“. Menschenhandel wurde als Thema längst von den Medien aufgegriffen. Dass es aber im Untergrund auch einen „privaten“ Handel mit Kindern gibt, war mir nicht klar. Dort werden über Annoncen Kinder „angeboten“, beschrieben mit allen körperlichen und charakterlichen Eigenschaften. Bislang existiert dieses Phänomen vor allem in den USA, aber es ist nicht auszuschließen, dass es auch in Deutschland einen solchen Markt gibt. „Wie kann das sein?“, fragte ich mich und begann meine Recherchen. Sie reichten über Kindesmisshandlung, Menschenraub, illegale Adoptionen, bis hin zu den bedrückenden Daten der wirtschaftlichen Verhältnisse verschiedenster europäischer Länder – mehr möchte ich an dieser Stelle nicht sagen, um nicht zu viel über den Inhalt zu verraten.
© Susanne Krauss

Die grundlegenden Themen haben mich manches Mal zum Weinen gebracht. Ich fühlte mich hilflos. Oft genug war ich kurz davor, das Projekt abzubrechen, denn meine Recherchen zeichneten eine Welt, die mich wütend und fassungslos machte. Viele Videos und Reportagen musste ich tatsächlich abbrechen, weil ich den Inhalt nicht ertragen konnte. Aber die Bilder waren längst in meinem Kopf und so verarbeitete ich diese Erfahrungen während des Schreibens – und im Anschluss daran wurde ich Pate bei der Organisation SOS-Kinderdorf, um wenigstens einen kleinen Beitrag zu leisten.

Für den Roman schuf ich ein dörfliches Setting, mitten in der bayerischen Idylle. Das Thema direkt in unsere alltägliche Welt zu transportieren und damit nah und greifbar zu machen. Anbei ein Foto des Weihers, den ich im Winter 2013 bei einem Spaziergang entdeckte und in dem im Buch die Leiche eines kleinen Mädchens entdeckt wird, das keiner kennt.

© Anna Schneider

Danach habe ich überlegt, wie die Ermittlerfigur aussehen könnte und schuf eine etwas andere Heldin: Claudia Brandes, die keine klassische Polizeibeamtin ist, sondern als Kriminaljournalistin arbeitet und eigene Ermittlungen zu dem Fall durchführt. Auch das hat einen realen Hintergrund, denn gerade die neuesten Erkenntnisse in den Fällen „Peggy“ aus Deutschland und „Thomas Quick“ in Schweden sind Ergebnis journalistischer Recherchen.
Meine Polizeikontakte bestätigten mir, dass die Zusammenarbeit mit Journalisten oft sehr eng ist, gerade wenn sich die handelnden Personen über Jahre hinweg kennen. Von Zeit zu Zeit resultiert aus solchen beruflichen Kontakten auch eine enge persönliche Beziehung – wenn nicht gar eine Liebesbeziehung ...

Geschrieben habe ich das Buch in meinem Schreibzimmer – entweder in der Nähe von München oder in Nordholland, meiner zweiten Heimat. Auf dem Foto ist mein deutscher Schreibtisch zu sehen.

© Anna Schneider

Beim Schreiben, brauche ich viel Ruhe, einen Kaffee oder eine Tasse Tee und auch gerne etwas Süßes. Mein besonderer Dank im Nachwort zu „Identität unbekannt“ hätte dem „Bärentreff“ gelten müssen, denn während dieses Buches habe ich doch einige Tüten saure Cherry-Colaflaschen konsumiert ;)

Ursprünglich war das Buch übrigens als erster Teil einer Serie geplant – ob es dazu kommen wird, ist allerdings offen und hängt natürlich davon ab, wie die Heldin beim Leser ankommt.


geschrieben von
Anna Martens





  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 323 Seiten
  • Verlag: Midnight (30. November 2015)


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