Dienstag, 26. April 2016

[Die Story hinter dem Buch] Florian Herb - Maria, und das Ding mit dem Reinheitsgebot


heute:



Florian Herb - Maria, und das Ding mit dem Reinheitsgebot
 



Zum Buch: Ganz Ried im Allgäu fiebert frisch herausgeputzt und gut vorbereitet dem großen Festtag entgegen. Denn die Jubiläen, die es im April zu zelebrieren gilt, reihen sie wie die Perlen an einem Rosenkranz. Das Marktrecht jährt sich zum siebenhundertsten Mal, der Schützenverein und die Freiwillige Feuerwehr feiern ihr hundertfünfzigjähriges, der Trachtenverein sein hundertjähriges und die Landfrauen ihr siebzigjähriges Bestehen. Kein Wunder, dass sich bei so viel vorgelebtem Brauchtum, auch noch die bayrische Staatsregierung spontan mit dem internationalen Festakt anlässlich des Fünfhundertjährigen Bestehen des Reinheitsgebots, anschließt.

Kurzum, es könnte alles so schön sein. Wäre da nicht der ebenso trunksüchtige wie wankelmütige Dorfbraumeister Aloisius der Vierte mit seinem sagenumwobenen, süffigen und beliebten Bier, der „erHELLung“. Wer, und aus welchen Gründen auch immer, ihm im Rahmen der Vorbereitungen das Gesundheits- und Finanzamt auf den Hals gehetzt hat, sei dahin gestellt. Es tut in jedem Fall seine Wirkung. Aloisius wirft alles hin, verschanzt sich in seinem Anwesen und braut nicht mehr! Bei dem Gedanken daran, bei diesem dörflichen Jahrhundertereignis das Bier am Ende noch aus dem Nachbardorf Vucking importieren zu müssen, wird es nicht nur der Bürgermeistersgattin, Margarethe Mayer, ganz bang ums Herz. Es gilt zu Handeln.

Weder von Aloisius´ Frau, die mit dem Eisdielenbedarfsvertreter Frederico gen Italien durchgebrannt ist, noch von seinem Sohn Eusebius, den er an der Kunst und an München verloren hat, ist Hilfe zu erwarten. Jedoch von seiner Tochter Maria, die sich vor zwanzig Jahren von einem schmucken Hanseaten nach Hamburg entführen ließ, um aus der Enge des Dorfes zu gelangen. Also beschließen die Landfrauen kurzerhand in die Hansestadt zu reisen, um Maria zu überreden mit heimzukehren um ihren Vater zur Raison zu bringen. Doch schnell stellt sich heraus, dass dies Marias kleinste Problem sein soll…

Mein vierter Roman stößt auf eine wunderbare verwundbare Stelle der Bayern-Ehre und unterhält mit augenzwinkernder Beobachtung des Allgäuer Alltags. Und das obwohl - oder gerade deshalb - ich zu gerne Berliner Exilant im Voralpenland bin.


Wie es zu dem Buch kam: Meine Liebe zum Bayerischen kommt nicht von ungefähr, denn mein Vater ist einer. Ein waschechter Niederbayer, der in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Berlin strandete, wegen meiner Mutter dort blieb und seit meiner Geburt nicht müde wurde mir in seinem preußischen Exil vom eigentlichen Paradies auf Erden vorzuschwärmen. Und zwar in Form zweier Bücher. Zum einen die renitenten fast schon als anarchisch zu bezeichnenden `Lausbubengeschichten´ von Ludwig Thoma und aus der gleichen Feder stammende Kurzgeschichte `Der Münchner im Himmel´. In der der Dienstmann Nummer 172 - Alois Hingerl – nach seinem Ableben derartig im Jenseits mit seinem bayerischen Charakter aneckte, dass er vom lieben Gott höchstpersönlich als Bote zur bayerischen Regierung hinunter nach München entsandt wurde. Wo sich jedoch seine Spur im Hofbräuhaus bei einer Maß Bier verlor. Was für mich als Kind durchaus verständlich war, denn wer wollte schon den ganzen Tag auf einer Wolke sitzend vor sich hin frohlocken, dabei auf der Harfe spielen, um als einzige Nahrung am Abend ein Manna zu bekommen.

Die frühkindliche Prägung war erfolgreich, das Fundament gelegt. Fernsehsendungen wie das `Königlich Bayerische Amtsgericht´, der `Monaco Franze´ und `Irgendwie und Sowieso´, Kabarettistengrößen á la Karl Valentin und Gerhardt Polt, die Bayern 3-Radiosendung `Fritz got the Hits´ sowie die Fernsehsendung `Live aus dem Schlachthof´ vervollständigten meine positive Berliner Fernsicht auf das so oft belächelte Bundesland. Wer derlei Vielfältiges und Prosperierendes hervorbringt, kann nicht gänzlich falsch liegen. Und außerdem war die alljährliche Verwandtenbesuchsfahrt nach Metten in Niederbayern immer ein Highlight, obwohl ich dort kaum jemanden verstanden habe. Besonders meinen Opa nicht, der wiederum meinem Berlinerisch nicht folgen konnte. Aber wir verstanden uns auch ohne Worte, besonders beim Kartenspielen und Dampfnudelessen.

Es sollten noch etliche Jahre und Umzüge vergehen, bis ich mich in homöopathischen Schritten von Berlin nach Nesselwang - im Allgäu -vorgearbeitet habe. Der wichtigste Zwischenstopp dabei war Salamanca, in der Spanischen Hochebene unweit von Madrid gelegen. Dort habe ich von den Spaniern gelernt, dass es durchaus in Ordnung und einträglich ist, sein Heimatland, seine Region zu lieben, stolz auf sie und verbunden mit ihr zu sein. Und genau dieser Stolz, diese Verbundenheit brannte in mir auf, als ich der Liebe folgend ins Allgäu gezogen bin. Dort fand ich eine Naturlandschaft vor, die seinesgleichen auf der Welt sucht, mich erdete und mir endlich das Gefühl einer Heimat gab. Aber nicht nur die Landschaft prägte und erdete mich, sondern auch die unaufgeregte Dorfgemeinschaft, die einen mit einer natürlichen Neugierde aufnahm.

Und so war es nur noch eine Frage der Zeit, bis ich diese gesammelten Einflüsse humorvoll in einen Roman miteinander verstricken konnte, in dem die Allgäuer Landschaft wie deren Menschen gleichermaßen im Fokus stehen. Und welches Ereignis wäre da nicht als Aufhänger passender als das Jubiläum zum 500-jährigen Bestehen des Reinheitsgebotes gewesen.

geschrieben von
Florian Herb



  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (15. April 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 354828759X
  • ISBN-13: 978-3548287591



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