Dienstag, 5. April 2016

[Die Story hinter dem Buch] Pierre Lagrange (=Sven Koch) - Tod in der Provence


heute:



Pierre Lagrange - Tod in der Provence

 


Ich gebe zu: Über Pseudonyme hatte ich lange gar nicht nachgedacht. Aber Dinge entwickeln sich eben. Ich schreibe seit Jahren für Droemer/Knaur. Im April kommt mein siebtes Buch dort heraus. Nahezu zeitgleich, im Abstand von nur zwei Wochen, erscheint „Tod in der Provence“ bei Scherz/Fischer unter dem Namen Pierre Lagrange. Und es wird ein weiteres Provence-Buch geben, an dem ich bereits arbeite.

Die Idee, einen Roman zu schreiben, der in der Provence spielt, ist schon ein wenig älter. Meine Mutter hatte mit ihrem Mann in der Nähe von Avignon über zwölf Jahre hinweg ein kleines Hotel nebst Restaurant geführt - und natürlich bin ich in den Ferien häufig dort gewesen. Es befand sich in einem umgebauten alten Landgut und sah wirklich exakt so aus, wie man sich ein kleines Hotel/Restaurant in der Provence vorstellt. Und es ist etwas anderes, wenn man auf diese Weise die Provence erlebt und einen „Anker“ vor Ort hat - man ist mehr "drin" und lernt Land und Leute und die Geschichte des Landstrichs auf eine intensivere Art kennen und bekommt eine Menge Insiderkenntnisse. Ich habe mich nie so gefühlt, als würde ich dort Urlaub machen. Ich habe mich eher so gefühlt, als würde ich dort jeweils für ein paar Wochen leben. Und der Süden Frankreichs ist nicht nur eine Gegend voller Pracht, Kunst, überbordender Natur und süßem Leben. Es ist auch eine Gegend, die vor Historie nur so platzt und voller Mysterien steckt, in der unterschiedliche Kulturen schon immer aufeinander geprallt sind. Gleichzeitig ist der Süden voller Widersprüche: Franzosen finden die Provence sprichwörtlich provinziell, es gibt eine große Landflucht, die Gegend wirkt eher ärmlich, dörflich, und die Front National ist dort extrem stark. Wenn man hinter die Kulissen schaut, wirkt dort nicht nur eine Menge auf pittoreske Art und Weise verfallen und verlassen. Es ist vielmehr wirklich verfallen und verlassen.

Ebenfalls seit einiger Zeit schwebte mir eine Geschichte im Kopf herum, die vor allem einen bestimmten Protagonisten im Mittelpunkt hat: Einen Kommissar in Rente, der einfach nicht zum alten Eisen gehören will, der sich viel zu früh entstöpselt fühlt. Das ist sicher ein Zeichen des demografischen Wandels in unserer Gesellschaft. Wir reden viel von den jungen Alten, und eine Menge Menschen scheren aus dem Berufsleben aus, obwohl sie sich selbst immer noch in voller Blüte sehen und finden: Vieles ist noch unerledigt geblieben, das ich eigentlich hatte erreichen wollen. Dieser Widerspruch hat mich interessiert - und ich wollte dem Kommissar zudem einen Hund an die Seite geben. Auch das spukte mir seit langem im Kopf herum: Wir kamen einmal von der Nordsee zurück und trafen an einer Raststätte ein Paar mit drei großen Doggen und einem kleinen Jack Russell. Der hieß Tyson, und das fand ich im Kontrast zu den Doggen so großartig, dass es sich in meinen Kopf eingebrannt hat.

Vielleicht ist Albin Leclerc, so heißt mein französischer Kommissar nun, eben deswegen so groß und ein "normannischer Schrank" - weil ich die riesigen Doggen und den kleinen Hund so gut fand. Und Tyson ist ein Mops, weil: Möpse schauen immer so als wollten sie einem gerade etwas sagen, finde ich, und sind auch ein bisschen runzlig im Gesicht - eben wie ein alternder Kommissar. Dabei war mir von Anfang an klar: Beim Schreiben musst du aufpassen, denn das ist schon ein komisches Duo, da darf kein Klamauk passieren. Ich fand es gut, diesem Kommissar einen alten, ungelösten Fall anzudichten, der ihn einfach nicht loslässt. Das ist in diesem Fall das Verschwinden von rothaarigen Frauen in der Provence - und gerade, wo er im Ruhestand ist und raus aus dem Geschäft, ergibt sich ein entscheidender Hinweis. Okay, das ist mies - aber so läuft es nunmal... Gleichzeitig gefiel mir die Idee, dass sich der Traum von der Provence in einen Albtraum verwandelt. So ergab sich der andere Handlungsstrang von Hanna und Niklas, die in der Provence ein Chateau erben und endlich ihren Lebenstraum erfüllen wollen. Blöd nur, dass Hanna rothaarig ist und in eine Gegend zieht, in der ein Mörder es auf Frauen mit dieser Haarfarbe abgesehen hat.

"Tod in der Provence" erscheint unter dem Namen Pierre Lagrange bei Scherz/Fischer. Meine anderen Krimis erscheinen unter meinem echten Namen bei Droemer/Knaur. Warum? Als ich vor gut drei Jahren meiner Agentur vorschlug, die Geschichte zu machen, stellte sich rasch heraus, dass es eher bei einem anderen als meinem Hausverlag damit etwas werden wird, was unterschiedliche Gründe hatte. Tatsächlich waren einige große Verlage an dem Projekt interessiert, als meine Agentur das Projekt anbot - eine Agentur macht in solchen Fällen dann eine Auktion, bei der Verlage Angebote abgeben. Am Ende stand ein Best Offer von zwei Verlagen, das heißt: jeweils ein Maximalgebot. Ich war schwer begeistert, dass Fischer/Scherz darunter war, und für mich stand absolut fest, dass ich das Buch sehr gerne mit den renommierten Frankfurtern machen möchte. Allein der Gedanke, dass ein Buch von mir neben Tana French, Linda Castillo und anderen erscheint - wow... Und ich fand außerdem großartig: Klaus-Peter Wolf, der Godfather of Ostfriesenkrimis, erscheint bei Fischer. Naja, und ich schreibe halt auch Krimis, die an der Nordsee spielen… Das passte, und die Zusammenarbeit ist wirklich großartig, und ich fühle mich sehr gut aufgehoben.

Dass es für „ Tod in der Provence“ zu einem Pseudonym kommen würde, stand dabei sowieso von Anfang an fest. Für mich deswegen, weil ich gerne wollte, dass man meine Krimi-Serien in unterschiedlichen Verlagen auseinanderhalten kann: das eine ist Nordsee, das andere ist Frankreich. Und für die Verlage war das ebenfalls keine Frage, insofern waren sich alle einig, und Diskussionen waren unnötig. Es begann das - sehr lustige - Namensfinden, und meine Lektorin bei Fischer und ich haben zahllose Varianten ausprobiert, bis uns Pierre Lagrange gefiel. Ein Name, der auch eine Bedeutung und mit mir zu tun hat: In meinem Personalausweis steht der Doppelname Sven-Peter. Dazu passt Pierre (Peter) also ganz gut. Und ich stehe auf US-geprägte Rockmusik - und welcher Song wäre da klassischer als "La Grange" von ZZ-Top?

geschrieben von
Pierre Lagrange
(alias Sven Koch)


  • Broschiert: 448 Seiten
  • Verlag: FISCHER Scherz; Auflage: 1 (22. März 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3651025128
  • ISBN-13: 978-3651025127





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