Freitag, 29. April 2016

[Rezension] Engelmann, Gabriella - Wildrosensommer

Was bringt eine alleinerziehende Mutter zweier Mädchen dazu, das Zuhause, alle Freunde und das gewohnte Umfeld in München zu verlassen und in die Vier- und Marschlande nahe Hamburgs zu ziehen? In Aurelias Fall ist es eindeutig das Schicksal, das sie führt. Ihr Mann ist seit zwei Jahren spurlos verschwunden. Doch dann findet sie in einem Bildband eine Notiz von ihm und zwar auf der Seite eines Hausbootes. Ausgerechnet dieses Objekt steht zum Verkauf, was Aurelia wie ein Wink mit dem Zaunpfahl vorkommt. So zieht sie kurz entschlossen mit ihren Kindern und dem Familientiger vor die Tore Hamburgs.

Nachdem uns Gabriella Engelmann in den letzten Jahren sehr oft mit tollen Inselromanen verwöhnt hat, geht dieses Buch in eine andere Richtung. Ihrem Stil ist die Autorin jedoch treu geblieben. Es geht erneut um einen Neuanfang, eine starke Protagonistin, die sich dem Leben stellt und es ist mal wieder ein absoluter Wohlfühlroman.

Ich bin ja eigentlich kein Leser "dieser Unterhaltungsrichtung", aber bei Gabriella Engelmann mache ich regelmäßig eine Ausnahme, denn bisher wurde ich noch nie enttäuscht. Vor allem kann ich mir sicher sein, dass ich die Figuren liebe werde. Ich weiß nicht, wie die Autorin es schafft, aber bisher habe ich jedes Mal Zugang zu ihren Protagonisten gefunden und meistens selbst zu den Nebenfiguren. Aurelia, ihre beste Freundin und ihre Kinder waren mir alle sympathisch und wurden interessant ausgearbeitet.

Es war spannend zu erfahren, wie sich die Figuren in Norddeutschland einleben und besonders gereizt hat mich natürlich das Thema des verschwundenen Ehemannes. Statt Inselfeeling dreht sich dieses Mal der Roman eher um etwas, dass ich als Esoterik bezeichnen würde. Öle und ihre Wirkung in der Aromatherapie, Geister und Auren sehen usw. Als weiteres Themengebiet greift Engelmann die Natur auf, vor allem durch die anschaulichen Landschaftsbeschreibungen und die Erwähnung zahlreicher Blumen, die ebenfalls eine große Rolle spielen.

Für meinen Geschmack hätte es etwas weniger von der Esoterik sein können und auch mit den ganzen Blumen kannte ich mich nicht aus, da hat mich das Inselfeeling dann doch eher abgeholt, trotzdem habe ich den Roman absolut genossen, denn die zwischenmenschlichen Beziehungen waren fesselnd und die Esoterik ist kein dominierendes Thema. Engelmann hat sich gegen Ende auch nicht billig aus der Affäre gezogen sondern einen Aspekt geklärt, auf dessen Auflösung ich durchgängig gespannt war.

Fazit: Auch in "Wildrosensommer" sind die Charaktere authentisch und liebenswert, der Schreibstil flüssig und Engelmanns Beschreibungen sehr bildhaft. Es ist absolut ein Roman zum in der Couch versinken und wohlfühlen, obwohl durchaus ernstere Themen aufgegriffen werden. Das Ende ist sehr zufriedenstellend und nachdem man die letzte Seite gelesen hat, stellt sich einfach ein schönes Gefühl im Herzen ein. Typisch Engelmann eben!


PS: Das Einzige, was bei Engelmanns Büchern vielleicht noch als letztes i-Tüpfel zur absoluten Wohlfühlperfektion fehlen könnte, ist etwas Weihnachtscharme - zumindest für solche XMAS-Freaks wie mich *g* Aber auch dafür hat die Autorin bald etwas parat, denn "Wintersonnenglanz" erscheint im Oktober und ist ein Sylt-Weihnachtsroman kombiniert mit einem Wiedersehen der Figuren Larissa, Bea und Nele aus ihren Bestsellerromanen "Inselsommer" und "Inselzauber". *Vorfreude pur*


  • Broschiert: 400 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (2. Mai 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426518457
  • ISBN-13: 978-3426518458



1 Kommentar:

  1. Hallo Claudia,

    das mit den Charakteren liebe ich auch so in den Büchern von Gabriella. Man fühlt sich einfach wohl. Eine sehr schöne Rezension von dir.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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