Dienstag, 17. Mai 2016

[Die Story hinter dem Buch] Rhena Weiss - Das Böse in euch

Falls dich die Story hinter dem Buch neugierig machen sollte, dann schaue doch bei meinem aktuellen Gewinnspiel vorbei. Vielleicht zieht es dann bald bei dir ein!



heute:


 
Rhena Weiss - Das Böse in euch
 

 

Zunächst freue ich mich unheimlich, euch die Geschichte zur Geschichte meines neuen Romans „Das Böse in euch“ erzählen zu dürfen.

Meine Projekte entwickeln sich ja unterschiedlich. Mal ist zuerst die Grundhandlung da, die ich dann ausbaue, manchmal ein Thema, zu dem ich mir einen Plot ausdenke und manchmal drängen sich mir ganz unerwartet Figuren auf, die mit mit flirten oder mich anflehen, über sie zu schreiben – manchmal stalken sie mich nahezu und sind ständig in meinem Kopf präsent. So war es auch bei „Das Böse in euch“ (das ist übrigens auch schon mein Arbeitstitel gewesen und wurde zu meiner großen Freude vom Verlag übernommen).

© Berta Berger
Ich überlegte, dass es eine schöne Idee wäre, über eine weibliche Ermittlungsbeamtin zu schreiben. Als hätte sie darauf gewartet, sprang mich Michaela Baltzer an und lieferte gleich ihre ganze Hintergrundgeschichte mit. Nun gut, dachte ich, sie sollte ihre Chance bekommen.

Damit begann die Planung der eigentlichen Geschichte, dem Mordfall oder den Mordfällen, die Michaela lösen sollte, natürlich unter Druck und den privaten Problemen, die es mit sich bringt, wenn man sich plötzlich vom Singeldasein verabschieden muss, weil die 16-jährige Nichte bei einem einzieht.

Ich hatte eine ganz wunderbar durchdachte Story, knifflige Rätsel um zwei mumifizierte weibliche Leichen, einen durchgeknallten, aber intelligenten Bösewicht, eine Sekte, die ihn unterstützt, … also alles, was ein guter Thriller braucht. Fehlte also noch eine Leseprobe, die mein Agent Verlagen vorstellen konnte. Also schrieb ich die, schickte sie ihm, der sie wiederum an einen Verlag schickte, von dem er überzeugt war, dass der Stoff gut ankäme. Die Reaktion aus dem Lektorat kam verhältnismäßig schnell – der Stil und vor allem die Ermittlerin fänden sie gut, aber sie würden sich mehr Spannung wünschen, was übersetzt so viel hieß, wie mehr Blut und höherer Ekelfaktor.

Also gut, dachte ich, kein Problem für eine ambitionierte Autorin, schreib ich um. Allerdings stellte sich heraus, dass der Plot dann nicht mehr funktionierte – und meine Ermittlerin ganz unverschuldet quasi arbeitlos wurde. Also musste schnell eine neue Idee her.

An dieser Stelle muss ich meine Schwester erwähnen, deren Hilfe unbezahlbar ist. Ich fuhr zu ihr, wir wälzten Ideen, verwarfen viele, doch eine brauchbare blieb übrig, die ich schließlich ausarbeitete.

Danach folgte die nächste Runde Exposé und Leseprobe. Ich schickte beides wieder an meinen Agenten, der schickte wieder beides an den Verlag. Wieder kam recht schnell eine Rückmeldung – allerdings keine, die mich in Jubel ausbrechen ließ. Die Geschichte würde ihnen nun wirklich gut gefallen, aber sie hätten halt bereits eine Autorin, die so ähnliche Bücher schreibt und wollten ihr keine Konkurrenz machen. So weit, so nicht gut, aber es gab ja noch viele andere Verlage, denen mein Manuskript nun ebenfalls angeboten wurde. Diese Phase des Wartens ist für mich das allerschlimmste am Autorendasein. Nägelkauend überprüft man alle zwei Minuten die Mails, nimmt das Handy sogar mit aufs Klo und traut sich kaum, irgendwohin zu gehen, wo es kein WLAN gibt, weil man ja „die“ Nachricht verpassen könnte. Es grenzt an Folter, da werden mir die meisten Kollegen und Kolleginnen zustimmen. Dann kam sie endlich, die heißersehnte Mail meines Agenten. Aber noch immer gab es keine Freudentränen sondern nur Frustration für mich. Denn alle Verlage fanden zwar die Ermittlerin und die private Ebene richtig gelungen, allein der Fall, den sie lösen sollte, gefiel nicht. Für die einen war die Handlung zu vorhersehbar, für die anderen zu abgedreht.

Meine Schwester und ich in Köln.
© Berta Berger
Ich war schon nahe am Verzweifeln, vielleicht sollte es einfach nicht sein. Doch da meine Ermittlerin sich nicht so leicht geschlagen geben wollte, gestand ich ihr noch einen letzten Versuch zu. Eine Brainstormingrunde mit meiner Schwester wurde ausgemacht. Alles neu: Ein gänzlich neuer Fall mit einem ganz neuen Thema entstand. Ich schrieb wieder ein Exposé und eine Leseprobe und stellte mich auf eine weitere Runde Wartens ein – und diesmal wurde meine Geduld auf eine wirklich harte Probe gestellt, denn es tat sich Monate lang nichts.

Mittlerweile wären mir sogar Absagen recht gewesen, nur um zu wissen, ob ich noch hoffen durfte oder nicht, aber ehrlich gesagt, hatte ich dieses Projekt bereits abgeschrieben und war dabei, Michaela Baltzer geistig zu Grabe zu tragen. Man kann Dinge eben nicht erzwingen. Und dann klingelte das Telefon. Mein Agent war dran und fragte, ob ich mich über ein Angebot für „Das Böse in euch“ freuen würde.
Natürlich, sagte ich herzklopfend.

Dann müsse er mich leider enttäuschen, antwortete er – und fügte nach einer kleinen Pause hinzu – es gäbe nämlich gleich zwei interessierte Verlage.

Michaela Baltzer hat dann fiktiv am Abend mit meiner Familie und mir angestoßen – es war ja schließlich auch ihr Verdienst, dass ich nicht aufgegeben habe. Und am nächsten Tag stürzten wir uns beide in die Arbeit an „Das Böse in euch“.

Das Fertigschreiben hat mir großen Spaß bereitet. Es gibt ja Geschichten, die ein wenig herumzicken, den Autor nerven, sich sträuben und zieren – ich selbst kenne das auch gut. Aber dieses Projekt lief nach den anfänglichen Hürden glatt und problemlos und als ich damit fertig war und Michaela ihren Fall gelöst hatte, wusste ich auch, warum die vorherigen Plots keinen Anklang gefunden hatten: Sie waren für andere Figuren bestimmt. Eines Tages werden sie zu mir kommen und mir sagen: „Hey, Rhena Weiss, du bist doch die Autorin und hattest da mal so eine Idee über ein paar mumifizierte Tote. Lass uns daraus eine gute Story machen.“

geschrieben von
Berta Berger (alias Rhena Weiss)


  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (16. Mai 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442483212
  • ISBN-13: 978-3442483211


Kommentare:

  1. Hallöchen,

    das ist ja ein tolles Insiderwissen über das Entstehen eines Buches! Jetzt bin ich noch gespannter als vorher!

    Einen guten Wochenstart wünsche ich dir und liebe Grüße
    Barbara!

    AntwortenLöschen
  2. Hallo
    Da sieht man das eine gute idee nicht reicht sondern nochb ein rattenschwanz an Sachen dazu kommt ..... Ich würde auch so gerne schreiben können ... also Bücher :-)

    AntwortenLöschen
  3. also ich lass mich ja immer gerne überraschen und was man denn noch so alles tolles erfahren darf, ich bin gerne mit dabei und sage danke für deine tollen Beiträge
    LG Jenny

    AntwortenLöschen
  4. Also ich finde es immer wieder toll, wenn ich mehr Hintergrund über ein Buch lesen kann. Und hier finde ich es schön, dass die Autorin nicht aufgegeben hat und diese Geschichte immer wieder dem Verlag zugesandt hat, zwar immer wieder etwas anders, aber dennoch sicherlich in etwa so, wie es sein sollte. Und ich denke, die beiden Rohfassungen, die nicht angenommen wurden bekommen auch noch irgendwann ihre Chance. Ich jedenfalls möchte jetzt gerne die Endfassung lesen und erfahren in welcher Weise die Ermittlerin ermittelt.
    Gruß Gabi

    AntwortenLöschen
  5. Hallo liebe Claudia,

    das ist ja ne tolle Hintergrundstory. Ich kann mir vorstellen, dass die Autorin erst dachte, oh weh keiner will meinen Roman und dann kam die Überraschung. Ich mag auch gerne den Goldmann Verlag, da hat mich noch kein Buch enttäuscht bisher.

    Ganz liebe Grüße
    Jutta

    AntwortenLöschen
  6. Hallo,

    tolle Story. Jetzt bin ich noch neugieriger auf das Buch. :)

    LG
    SaBine

    AntwortenLöschen
  7. Dankeschön für die tolle Story, hat wieder viel Spaß gemacht zu lesen.

    Liebe Grüße,
    Daniela

    AntwortenLöschen
  8. hallo,

    toll das man jetzt auh mal hinter die kulisse des buches lesen kann und sieht wie nerven aufreibend es ist bis das buch gedruckt bzw von einem verlag angenommen wird. gruss sandra beck

    AntwortenLöschen
  9. Dankeschön, das wir hinter die Kulissen zum Entstehen deines Buches schauen konnten. War sehr interessant zu lesen und es machte sehr neugierig auf das Buch ;)

    Liebe Grüße
    Rebecca

    AntwortenLöschen
  10. Hihi, das klingt ja super interessant! 😊 Ich weiß, wie nervenaufreibend es sein kann, ein Buch zu schreiben, vor allem, wenn irgendwas einfach nicht passen möchte. Da ich mir den ganzen "Stress" und die Warterei nicht zumuten wollte, habe ich mich für den Weg des Self-Publishing entschieden - mal sehen, ob es klappt 😤
    Ich danke dir für den Einblick und bin super gespannt auf dein Buch!

    Alles Liebe
    Mel Hope

    AntwortenLöschen
  11. Hallo ,

    vielen Dank für den interessanten Beitrag über
    Entstehung des Buches . Ich bin neugierig
    geworden .

    Liebe Grüße Margareta Gebhardt
    margareta.gebhardt@gmx.de

    AntwortenLöschen
  12. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sorry, bitte "die Storys" wegdenken. Mein Handy und sein Autovervollständigen. ..

      Löschen
    2. Sorry, bitte "die Storys" wegdenken. Mein Handy und sein Autovervollständigen. ..

      Löschen
  13. Gott, was gäbe ich darum, dass DIE Figuren sich der lieben Rhena aufdrängen und die Storys endlich auch die Verlage einsehen, dass sie veröffentlicht gehören *lach* Also ich bin denn dabei!
    Toll, dass wir sowas auch mal aus erster Hand lesen dürfen!

    Liebe Grüße, auch an Rhenas tolle Schwester

    Bine
    ( Nilis_Buecherregal@web.de )

    AntwortenLöschen