Dienstag, 21. Juni 2016

[Die Story hinter dem Buch] Wieners, Annette - Gesine-Cordes (02) Fuchskind



heute:


Wieners, Annette - Gesine-Cordes (02) Fuchskind

 


Die Krimireihe um die Ex-Kommissarin und heutige Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes hat meine Arbeit als Autorin verändert. Es ist das erste Mal, dass eine Romanidee von mir „in Serie“ gegangen ist und dass ich meine Figuren nicht verlasse, sobald ein Buch erscheint, sondern ihren Lebensweg weiterverfolge. Außerdem gibt es viel Trubel um die Krimireihe, auch das kannte ich bisher nicht.

Ich schrieb die ersten Seiten von Band 2 „Fuchskind“, als Band 1 „Kaninchenherz“ gerade erst veröffentlicht wurde – und sich innerhalb weniger Wochen zu einem ziemlich erfolgreichen Buch entwickelte. Ich war überrascht und freute mich natürlich sehr, nur manchmal schoss mir die Sorge durch den Kopf, ob ich auch für „Fuchskind“ noch genügend Zeit und Konzentration finden könnte.

Zum Glück habe ich einen Schreibtisch, an dem ich alles von mir fernhalten kann. Wenn ich mich hinsetzte und an meine Hauptfigur Gesine Cordes dachte, war es, wie innerlich nach Hause zu kommen. Der Trubel wurde nebensächlich und ich war nur noch neugierig, was Gesines in „Fuchskind“ wohl erleben würde.

Das Buch sollte ein eigenständiges Werk sein, auch wenn es sich eng an „Kaninchenherz“ anschließt. Es sollte einen abgeschlossenen Kriminalfall und eigene Figuren neben dem bekannten Hauptpersonal bekommen. Man sollte nicht unbedingt „Kaninchenherz“ kennen müssen, um „Fuchskind“ zu verstehen. 

Doch würde das funktionieren? Würde sich die Hauptfigur Gesine Cordes den Lesern erschließen, mit allen Ecken und Kanten, ohne dass ich erneut ihre Lebensgeschichte erzählen und erklären könnte, so wie ich es in „Kaninchenherz“ getan hatte?

Gesine findet im Rhododendron hinter der Kapelle ein Baby: „Sie ging in die Hocke. Dunkle Blätter hingen lappig am knorrigen Holz und schluckten das Licht.“ („Fuchskind“, S. 10)

Gesine trägt ihr Herz nicht auf der Zunge. Sie ist eine Frau, die vom Schicksal arg gebeutelt wurde und dennoch den unbändigen Willen hegt, eigene Wege zu gehen. Oft wirkt sie schroff und sie hat auch nichts dagegen, als Einzelgängerin in ihrem Wohnwagen ihr Dasein zu fristen. Allerdings beobachtet sie die Menschen um sich herum sehr mitfühlend und hat keine Scheu, sich mit Haut und Haaren für jemanden einzusetzen. Zum Beispiel stellt sie sich wie eine Löwin vor ihre beiden kleinen Nichten. 

Eine Leserin hatte mir nach „Kaninchenherz“ geschrieben, Gesine verhielte sich nicht wie eine typische Frau, das sei irritierend, aber auch bewundernswert. Ich sehe das so: Gesine lässt sich nicht unterkriegen und sie hat gelernt, dass es nichts bringt, sich immer nur anzupassen. Sie hat eine Haltung angenommen, zu der eigentlich jeder gelangen kann. Sie tut nur das, wovon sie überzeugt ist, muss dabei aber täglich mit ihren Dämonen kämpfen.

Gesine ist beklommen zumute, als sie das Feld der Kindergräber betritt: „Efeu wie ein Nest aus dunklen Schlangen.“ („Fuchskind“, S. 103)

Die Leserinnen und Leser von „Kaninchenherz“ haben das Besondere an Gesine bestens aufgenommen und nachvollzogen. Sie haben die Freundlichkeit erkannt, die Gesine verborgen in sich trägt, und sie haben mir als Autorin alles Schöne tausendfach zurückgegeben.

Mit „Fuchskind“ machen wir nun weiter – und Gesine bewegt sich zaghaft auf bestimmte Mitmenschen zu. Sie wagt es, sich millimeterweise zu öffnen, denn der Kriminalfall greift erneut in ihr Privatleben ein.

Selbstverständlich ist auch Marina Olbert von der Kripo wieder mit von der Partie. Bei aller Strenge als Ermittlerin muss sie Stunden der Einsamkeit erleben. Außerdem gibt es noch Episoden-Figuren, die sämtlich versuchen, sich in Sicherheit zu bringen- allerdings vor verschiedenen Gegnern.

Viel Vergnügen damit! Und: Danke für alles, was bisher war.
Annette Wieners


  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: List Taschenbuch (17. Juni 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548612512
  • ISBN-13: 978-3548612515


Kommentare:

  1. der satz: "sie hat gelernt, dass es nichts bringt, sich immer nur anzupassen. Sie hat eine Haltung angenommen, zu der eigentlich jeder gelangen kann" ist ein wundervoller satz den man sicher auch so leben kann, und ein bisschen mich darin sehe!! ;-)
    LG Jenny

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  2. Hey :-)

    Die Idee und den Beitraf finde ich echt super! So lernt man etwas über die Bücher und die Autoren.

    Liebe Grüße
    Jenny
    Jenny

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