Mittwoch, 8. Juni 2016

[Gastrezension] Xinran - Kleine Kaiser: Geschichten über Chinas Ein-Kind-Generation

Gastrezension von Starbucks

Eine Entschuldigung für verwöhnte Kinder
„Kleine Kaiser“, Xinrans Untersuchung zu den Einzelkindergenerationen Chinas, habe ich wirklich verschlungen. Unglaubliche Erlebnisse und Fakten werden hier geschildert, die ganz sicher nicht alle darauf zurückzuführen sind, dass wir es hier mit Einzelkindern zu tun haben; wenn man dies beim Lesen für sich selbst einfach etwas in den Hintergrund rückt, erfährt man in „Kleine Kaiser“ allerdings sehr viel über China und seine jüngeren Generationen, die gezwungenermaßen eben meist Einzelkinder sind.

Zum Inhalt: Xinran ist eine Chinesin, die seit vielen Jahren in Großbritannien lebt. Sie hat bereits mehrere Bücher, z.B. über die Frauen oder die verlassenen Mädchen in China geschrieben. Sie hat nun insgesamt neun junge Leute aus China, die sie größtenteils zufällig kennengelernt hat, beschrieben und analysiert. Außerdem hat sie noch viele weitere Studenten aus China befragt. Sie wollte herausfinden, was für Menschen die Ein-Kind-Politik hervorgebracht hat.

Der Leser findet in diesem Buch vor allem sehr junge, sehr naive Chinesen und Chinesinnen, die nicht gelernt haben, allein zu (über)leben, da sie von der ganzen Familie wie kleine Kaiser verhätschelt worden. Das mag an der Ein-Kind-Politik liegen, hat aber sicher auch Ursachen in der Geschichte Chinas. Das heißt: Nicht alles sollte man nur mit der Ein-Kind-Politik des Landes erklären wollen.

Die Geschichten über die jungen Chinesen sind für den westlichen Leser fast unglaublich. Wer selbst schon in China war, wird aber feststellen, dass vieles zwar fast schockierend, aber dennoch sehr glaubhaft ist.

Man sollte das Buch vielleicht etwas weniger im Hinblick auf die Ein-Kind-Politik lesen, sondern sehen, was die gesamte, oft grausame, Politik des Landes über Jahrzehnte mit den Menschen gemacht hat. Warum fahren die 5% der sehr reichen Chinesen ins Ausland und decken sich unverschämt unfreundlich in Läden mit Markenkleidung ein, während wir schon wieder daran denken, unseren materiellen Lebensstil zu minimieren? Auch auf solche Fragen findet der Leser hier Erklärungen, und gerade da wird das Buch interessant.

Die Geschichten der jungen Chinesen selbst sind oft ähnlich, die Diskussionen über China aber hochinteressant. Auch die Anhänge mit näheren Erläuterungen, z.B. eben zur Ein-Kind-Politik, finde ich sehr gut.

Fazit: Ich habe dieses Buch regelrecht verschlungen und werde es in mein Behalt-Regal stellen. Beim nächsten Chinabesuch werde ich vielleicht ein wenig mehr Verständnis für einige Dinge haben, obwohl man wirklich nicht verstehen kann, warum ein junger Chinese z.B. noch nicht einmal seinen Koffer selbst packen kann.

Ich habe großes Interesse, die anderen Bücher der Autorin auch zu lesen und habe sie schon auf meine Wunschliste gesetzt. Das Buch, das sicher auch kleine Schwächen hat, bekommt von mir auf jeden Fall fünf Sterne!



1 Kommentar:

  1. Danke für diese interessante Buchvorstellung, das Buch kommt sofort auf meine Leseliste!
    Lg Lara

    AntwortenLöschen