Freitag, 22. Juli 2016

[Stefanies Rezension] Eltahawy, Mona - Warum hasst ihr uns so?: Für die sexuelle Revolution der Frauen in der islamischen Welt

Gastrezension von Stefanie


Wo bleibt dabei die Liebe?
Mona Eltahawys „Warum hasst ihr uns so? - Für die sexuelle Revolution der Frauen in der islamischen Welt“ schockiert, desillusioniert und regt zum Nachdenken an. Es ist kein Buch, das man so nebenbei liest, doch es ist ein Sachbuch, das spannender nicht sein könnte. Die Autorin liefert eine Mischung aus Fakten, aus Gesetzen, wahren Begebenheiten und Plädoyers für die Frauen in der islamischen Welt, aber auch für die „Beobachter“ aus der westlichen Welt, die gern mit der Begründung im Kulturrelativismus alles so lassen möchten, wie es ist.

Zur Autorin: Mona Eltahawy hat selbst in Saudi-Arabien und Ägypten gelebt. Sie hat neun Jahre lang das Kopftuch getragen und sich dabei in den letzten acht Jahren versucht, davon zu befreien. Sie ist sexuell belästigt worden und hat für die Freiheit der Frauen gekämpft. Schließlich ist es ihr gelungen, auch ihre eigene sexuelle Befreiung zu vollbringen, wobei man sagen muss, dass die Autorin nicht mehr in einem islamischen Land lebt.

Zum Inhalt: Das Buch ist – wie bereits erwähnt – eine Mischung aus Fakten und wahren Geschichten der Frauen in Bedrängnis in der islamischen Welt. Es ist gegliedert in sechs eigentliche Kapitel und beleuchten

- das Kopftuch/das Verhüllen
- die Gewalt gegen Frauen
- die Jungfräulichkeit
- die Situation zuhause
- die Wege „durch die Wüste“
- eigene Erfahrungen

Dabei bringt die Autorin in allen Kapiteln auch immer wieder ihr Plädoyer für die Befreiung der Frau in der islamischen Welt an. Man bekommt immer wieder einmal das Gefühl, die Autorin verliere den roten Faden, was aber für dieses Buch nicht schlimm ist. Zu schockierend sind die Geschichten der Frauen, die hier gesammelt sind. Auch, wenn man vieles schon gehört hat, so darf man als Laie immer noch staunen, wie verachtend die Gesetze mehr oder weniger in allen arabischen Ländern mit den Frauen umgehen.

Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, ob es hier überhaupt echte Liebe geben kann. Die Frauen werden quasi alle zuhause eingesperrt und müssen dann heiraten. Wenn sie dann auch noch genitalverstümmelt sind, bleibt sowieso keine Lust mehr. Gibt es also die echte Liebe überhaupt in der arabischen Welt, wenn die Möglichkeiten dazu fast bei Null liegen? Und werden damit alle Frauen dort unterdrückt? Die Männer werden in diesem Buch quasi durchweg als Monster dargestellt.

Es bleibt das Fazit: Sollte man als Frau in der islamischen Welt also doch einen Mann lieben, so muss man vorgeben, man sei von ihm vergewaltigt worden, denn dann muss er die Frau heiraten. (meine Idee, nicht die Idee der Autorin!)

Wirkliches Fazit: Ich habe durch „Warum hasst ihr uns so?“ noch viel Neues über die Frau in islamischen Ländern gelernt. Ich wusste einiges, die anderen Fakten kann ich alle kaum glauben. Das Buch informiert und schockiert. Die Begebenheiten sind aber alle so geschehen und lassen sich nachprüfen. Es wird Zeit, dass sich hier etwas ändert, und daran muss wohl auch die westliche Welt teilhaben. Der Aufruf der Autorin lautet u.a. auch, dass die Toleranz der westlichen Welt hier fehl am Platz ist. Und so rüttelt das Buch hoffentlich auf, damit sich bald etwas ändert....


  • Broschiert: 208 Seiten
  • Verlag: Piper (11. Mai 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492056075
  • ISBN-13: 978-3492056076
  • Verlag:


Kommentare:

  1. ich muss ja ehrlich sagen das ich mich an solche bücher nicht getraue und mir irgend wie nicht so wichtig erscheinen-vielleicht auch weil ich eben einfach nicht gläubig bin.....VLG Jenny

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  2. Liebe Jennifer, um den Glauben geht es hier eher weniger, eher um die Stellung der Frau in vielen Ländern - ich finde, das geht uns alle an. Sonst müsste man auch sagen, der Hunger in Afrika (als Beispiel) ist deren Sache. Die Autorin will gerade aufrütteln, damit man nicht sagt, diese Länder können machen, was sie wollen. Es ist die klare Unterdrückung der Frau. - Leider.

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    1. Ich wollte nicht anonym sein, sondern bin die Verfasserin der Rezension!

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    2. Hallo,

      das kann und will ich nicht unkommentiert stehen lassen, da mich das Thema mehr oder weniger betrifft. Mein Freund ist Araber, so wie meine Freunde. Nie ist mir einer unangenehm aufgefallen im Umgang mit Frauen. Die syrischen Männer distanzieren sich mitunter auch von arabischen Männern aus anderen Ländern. Ohne die Hilfsbereitschaft meiner Freunde wäre mein Leben sehr viel schwerer. Wenn Not am Mann ist, finden sich immer hilfsbereite Helfer.

      Mit meinem Freund lebe ich seit vier Monaten zusammen, und muss sagen, dass ich mich nicht im Geringsten unterdrückt fühle. Anfangs gab es in unserer Beziehung doch die ein oder andere Hürde, die es zu überwinden galt, doch die Liebe versetzt bekanntlich Berge. Und auch arabische Männer haben meist ein Herz und vermissen ihre Frauen, die sie zurücklassen mussten. und auch unter einem Kopftuch versteckt sich nicht unbedingt eine unterdrückte, sondern mitunter eine selbstbewusste Frau.

      Jeden Tag wird mir wieder bewusst, weshalb ich mich für meinen, viel jüngeren, Freund entschieden habe: Es ist seine liebevolle Art, seine Warmherzigkeit, Zuverlässigkeit und die Aufmerksamkeit, die er mir tagtäglich schenkt - sei es ein Anruf in der Pause, ein Candlelight-Dinner oder ein Mitbringsel für mich, wenn er vom Einkaufen kommt. Und statt "ich" heißt es "wir".

      Leider gibt es aber dann doch auch die Situationen, wie die Autorin sie schildert. Saudi Arabien ist ein hartes Land, gefährlich und für Frauen oft ein Gefängnis, aus dem es kein Entkommen gibt. Die Eltern und Geschwister meines Freundes leben dort. Doch wenn sich Mama und Papa meines Freundes melden, dann geht mir das Herz auf, so liebevoll und herzlich unterhalten sie sich. Schade, dass so ein Buch, das die Schattenseiten aufzeigt, leider zugleich den Eindruck erweckt, so gut wie alle arabischen Männer würden ihre Frauen nicht lieben, sondern nur unterdrücken, doch Tatsache ist, dass es oft die im Land herrschenden Gesetze sind, die für diese Missstände verantwortlich sind.

      Übrigens haben meine Freunde mich auch schon gefragt, weshalb so viele Deutsche ein so kaltes Herz hätten. Und wenn ich den Umgang der syrischen Männer untereinander sehe, dann verstehe ich genau was sie damit gemeint haben - man hilft sich, ohne den anderen misstrauisch zu beäugen, und wenn man in Geldnot ist, wird ganz selbstverständlich geholfen, was in Deutschland leider nicht immer der Fall ist, wie ich leider auch schon erfahren musste.

      LG,
      Heidi

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    3. Hallo Heidi,
      ich habe das Buch ja nicht gelesen, da es eine Gastrezension ist, aber ich denke, dass man (wie in allen Bereich) nicht alle und jeden über einen Kamm scheren kann. Da gibt es solche und solche. Aber generell ist es schon ein spannendes Thema.

      LG und alles Gute für euch beide <3
      Claudia

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    4. ...danke, aber mitunter entsteht eben ein negativer Eindruck, wenn man so wie die Autorin es schildert, nur schlechte Erfahrungen gemacht hat. Und manches lässt sich eben nicht schönreden.Ist eben schade, dass sich Aufregbücher besser verkaufen als Bücher mit Lobeshymnen.Vor allem weil der Islam einen so schlechten Ruf hat. Wo Licht ist, ist auch Schatten, es gibt schlechte Christen, schlechte Deutsche, aber eben immer auch gute Menschen.

      Wir hatten auch einen etwas schwierigen Start, weil es eben unterschiedliche Kulturen und Sprachen sind, die aufeinandertrafen, und als wir zusammengezogen sind, sprach mein Freund noch überwiegend arabisch und kein englisch. Aber da sind gemeinsame Träume, gleiche Ansichten, und ich muss sagen, dass sich das Thema Islam kaum im Alltag bemerkbar macht. die Arbeiten im Haushalt werden gemeinsam erledigt, und so gut wie immer herrscht Gleichberechtigung. Wir hatten gewusst, es würde Probleme geben, aber beide gesagt, wir müssten aufeinander zugehen und vor allem miteinander reden. Jetzt, da es mit der deutschen Sprache recht gut klappt, wird man zusehens entspannter und die Missverständnisse weniger. Und vielleicht schreibt doch mal jemand ein Buch über die positiven Seiten arabischer Menschen.

      LG,
      Heidi

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