Dienstag, 9. August 2016

[Die Story hinter dem Buch] Martina Sahler - Die Hureninsel


heute:



Martina Sahler - Die Hureninsel

 



Vom Planen und Loslassen

Das historische Bordellschiff Lady Juliana segelte sinnbildlich auf mich zu, als ich für meinen Russlandroman „Weiße Nächte, weites Land“ zu Schiffsreisen im 18. Jahrhundert recherchierte. Das außergewöhnliche Thema fesselte mich von der ersten Sekunde an: Nach der ersten Flotte mit den Sträflingen, die die englische Kolonie in Australien 1786 gründeten, schickte England zwei Jahre später die Lady Juliana mit gefallenen Mädchen auf die Reise. Die Frauen sollten mit den Kolonisten Familien gründen. Während der einjährigen Überfahrt durften sich die Seefahrer unter ihnen Gefährtinnen auswählen, in den Häfen lief auf dem Schiff der Bordellbetrieb. Kinder kamen zur Welt.

Von Anfang an war mir bewusst, dass ich Band 1 nicht zu einem klassischen Happy End führen konnte. Wie auch, wenn auf die wegen Nichtigkeiten verurteilten Frauen nach der Überfahrt ein Sträflingslager wartete? Insofern setzte ich alles daran, um einen Folgeband planen zu können, mit dem ich die mir lieb gewordenen Figuren in eine bessere Zukunft führe. Das Hurenschiff erschien 2014 als Taschenbuch, nun ist auch Die Hureninsel überall im Handel. Bei Weltbild gibt es Hardcover-Ausgaben beider Romane.

Collage beider Romane
© Martina Sahler

Ist Die Hureninsel nun ein klassischer Folgeband, den man ohne Kenntnis des ersten Bandes nicht versteht? Nein, gewiss nicht, wie mir zahlreiche Leserinnen versicherten. Sämtliche Figuren werden ausführlich vorgestellt. Aber natürlich hat man einen Mehrwert, wenn man Band 1 kennt.

Mir fiel es schwer, nach der Ankunft des Hurenschiffs in Sydney Cove Abschied von Molly, Hannah, Dorothy und all den anderen zu nehmen und loszulassen. Ganz bewusst habe ich die weiblichen Figuren so angelegt, dass alle sowohl Schwächen als auch Stärken haben. Ich mag keine Schwarzweißmalerei. Es gibt nicht nur Gut und Böse, sondern vielfältige Abstufungen dazwischen. Vielleicht sind mir deswegen die Schicksale der Frauen so nahe gegangen, weil ich sie – unter Einbeziehung der historischen Fakten - so realistisch wie möglich gestaltet habe.
Manche Szenen haben mich sehr aufgewühlt und bis in meine Träume verfolgt. Die beste Entspannung, die ich mir beim Schreiben wünschen kann, wenn es allzu hoch hergeht in der Dramatik, ist das Kuscheln mit unseren Katzen Luke und Lola.

© Martina Sahler

Das große Thema für mich in Die Hureninsel sind die Beziehungen unter Frauen. Molly und Hannah waren in Band 1 beste Freundinnen, aber in Band 2 treten ihre unterschiedlichen Auffassungen vom Leben zutage: Für Molly ist die Freiheit das höchste Gut, für Hannah zählt nichts mehr als die Liebe. Ich fand es ausgesprochen spannend, diesen Konflikt auszutragen.
Die Figur der Laurie Hodginson dagegen hat ein Eigenleben entwickelt und wollte sich partout nicht auf einen smarten Seemann einlassen, den ich ursprünglich für sie ausgewählt hatte. Obwohl ich meine Romane vor dem Schreiben gut durchplane, lasse ich mich auch gern überraschen und lockere die Zügel, wenn ich merke, dass die Figuren ihren eigenen starken Willen haben.

Überarbeitung am Schreibtisch
© Martina Sahler

Ich bin sehr froh darüber, dass ich diesen zweiten Roman über die Frauen der Lady Juliana schreiben durfte. So etwas ist ja immer vor allem eine Verlagsentscheidung, die sich an Verkaufszahlen orientiert. Zum Glück haben die Leser Band 1 mit großer Begeisterung aufgenommen!
Nach dem Elend, in dem ich meine Ladies im ersten Roman zurücklassen musste, war es eine Wohltat, sie ihre Zukunft mit allen Kräften gestalten zu lassen. Ob das in jedem einzelnen Fall das ganz große Glück bedeutet, bleibt dennoch fraglich. Das Leben mit all seinen Facetten, im Damals und im Jetzt, das liegt mir als Schriftstellerin am Herzen.
www.martinasahler.de

© franzhamm.de
geschrieben von
Martina Sahler



  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. August 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342651754X
  • ISBN-13: 978-3426517543




1 Kommentar:

  1. da muss ich sofort an die wanderhure denken ;-)
    klingt aber Story mäßig wirklich interessant
    LG Jenny

    AntwortenLöschen