Dienstag, 2. August 2016

[Die Story hinter dem Buch] Susanna Ernst - So wie die Hoffnung lebt



heute:


  Susanna Ernst - So wie die Hoffnung lebt

 


Manchmal wird unser Leben, das sich für gewöhnlich auf recht ebenen Alltagsrouten abspielt, von mehr oder weniger starken Erdstößen erschüttert.

Schicksalshafte Höhepunkte oder Tiefschläge ereilen uns meist vollkommen unverhofft. Irgendwo zwischen Routine und Alltäglichkeit erwischen sie uns, geben uns Rückenwind, lassen uns fliegen … oder zwingen uns für unbestimmte Zeit in die Knie. So oder so werfen sie uns aus der Bahn, bewirken, dass sich unsere scheinbar schon vorgetrampelten Pfade neu verästeln, dass sich plötzlich Abgründe vor uns auftun, über die wir uns nicht so leicht hinwegheben können, oder neue Horizonte, deren Existenz wir zuvor nicht einmal erahnt hätten.

Ich denke, jeder von uns kennt sie, jene intensiven Ereignisse, die sich wie Blitzschläge in unsere Seelen einbrennen, deren Spuren wir fortan tief in uns tragen, die unser Bewusstsein verändern … kurzum, die uns prägen.

Für mich ereignete sich ein solcher Moment vor ziemlich genau 15 Jahren, im Sommer 2001.

Damals kehrte ich nichtsahnend aus einem sehr erholsamen Familienurlaub in Süditalien zurück. Ein wenig erschöpft von der langen Autofahrt, stieg ich vor dem Haus meiner Schwester, mit der ich gefahren war, aus deren Wagen. Meine Nichte (nur zweieinhalb Jahre jünger als ich) war ein paar Tage vor uns abgereist und erwartete uns dementsprechend bereits. Sie kam auf uns zu, um uns beim Ausladen des Kofferraums zu helfen. Dabei bemerkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Als ich sie darauf ansprach, brach sie prompt in Tränen aus und berichtete mir von einer Tragödie, wie ich sie bis zu diesem Zeitpunkt nur aus den Nachrichten kannte:

Ein Mann aus dem Nachbarort, den wir beide gut gekannt und sehr gemocht hatten, hatte seine beiden kleinen Kinder und anschließend sich selbst umgebracht. Nur seine Ehefrau, die Mutter der Kinder, hatte das Familiendrama körperlich unbeschadet überlebt.

Dieses Ereignis hat mich nie losgelassen.



Unzählige Male habe ich mich seitdem gefragt, wie es der armen Frau wohl inzwischen gehen mag, die auf so tragische Art und Weise innerhalb weniger Minuten alles verlor?

Gibt es überhaupt die Möglichkeit, sich von einem derartig einschneidenden Schicksalsschlag zu erholen? Irgendwann wieder nach vorne zu schauen – und vielleicht sogar zu verzeihen?

Damals kam ich mir schrecklich hilflos und auch ein bisschen verloren vor, weil ich diesem Mann eine solche Tat nie im Leben zugetraut hätte. Aber das Schreiben war schon immer mein persönliches Ventil. Alles, was mich wirklich bewegt und beschäftigt, verarbeite ich früher oder später, indem ich schreibe, meiner Fantasie dabei freien Lauf lasse, Theorien aufstelle, sie mithilfe von Protagonisten zu einem gewissen Ende spinne … und schließlich loslasse. Weil ich es dann kann!

So auch im Falle meines Romans „So wie die Hoffnung lebt“, der seine Inspiration in jenem traurigen Ereignis des Sommers 2001 fand.

Allerdings wäre es mir aufgrund der realen Tragödie anmaßend vorgekommen, hätte ich mich in meinem Buch mit einer Mutter auseinandergesetzt, die etwas dermaßen Schreckliches durchleben musste.

Und überhaupt konnte ich erst vor zwei Jahren damit beginnen, mir den Schock dieses Ereignisses vom Herzen zu schreiben.

Zuvor waren die Protagonisten des Romans, Katie und Jonah, über einen Zeitraum von fast anderthalb Jahrzehnten vollkommen unbewusst in mir herangereift.

Heute fühle ich für die beiden, als wären sie sehr, sehr gute Freunde. Nicht zuletzt, weil ich durch sie inzwischen der festen Überzeugung bin, dass es für jeden Menschen die Chance auf einen neuen Horizont gibt – ganz egal, wie dunkel die Wolken auch sein mögen, die unseren Himmel verhängen.

Solange nur die Hoffnung nie vollständig erlischt.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen von „So wie die Hoffnung lebt“.

Eure Susanna


  • Broschiert: 480 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. August 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426519054
  • ISBN-13: 978-3426519059



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