Dienstag, 20. September 2016

[Die Story hinter dem Buch] Carin Müller - Tage zwischen Ebbe und Flut


heute:



Carin Müller - Tage zwischen Ebbe und Flut

 




"Tage zwischen Ebbe und Flut" ist mir aus zwei Gründen besonders wichtig. Zum einen schlägt der Roman die Brücke zu meinem bisherigen absoluten Herzensprojekt "Gefühlte Wahrheit", ohne jedoch eine Fortsetzung zu sein, zum anderen erzählt er die bislang persönlichste Geschichte von mir. Auch wenn der Plot komplett frei erfunden ist, das zentrale Thema Alzheimer ist mir leider sehr vertraut, da mein Vater vor sechs Jahren mit dieser grauenvollen Krankheit diagnostiziert wurde. Mir war wichtig, das Thema aus der Betroffenheitsecke herauszuholen und es auf meine ganz eigene Art zu beleuchten.

Alzheimer ist schrecklich. Der Mensch verliert sich selbst, Stück für Stück und unwiederbringlich. Das ist für die Betroffenen ein extrem schmerzhafter psychischer Prozess – aber auch für Angehörige und Freunde eine Herausforderung, die manchmal weit über das Erträgliche hinausgeht. Dazu kommt die Tatsache, dass Demenz nach wie vor gesellschaftlich stigmatisiert wird, was insofern erstaunlich ist, dass doch praktisch jeder von uns im engeren oder weiterem Umfeld mindestens einen Alzheimer-Fall hat. Es ist eine Volkserkrankung, die viele betrifft, die aber am liebsten ängstlich totgeschwiegen wird. Als würde Ignoranz vor Demenz schützen. Schön wär’s, oder?

Menschen mit Alzheimer verändern sich. Viele verändern sich sogar dramatisch und es ist tatsächlich nicht besonders angenehm, damit konfrontiert zu sein. Ihr Verhalten überfordert unseren "normalen" Geist und triggert unseren Fluchtreflex. Dabei vergessen wir (man beachte das Wortspiel!), dass ein Alzheimer-Patient nach wie vor vor allem eines ist: ein Mensch!

Ein Mensch mit Bedürfnissen. Und auch wenn der intellektuelle Austausch immer schwieriger wird, emotional funktioniert es lange noch sehr gut. In manchen Fällen sogar besser als zu gesunden Zeiten. Also sollten wir unseren Mitmenschen neben Respekt vor allem mit Gefühl begegnen. Eine Umarmung, ein Händedruck, ein einvernehmlich schweigsamer gemeinsamer Spaziergang – diese kleinen Dinge sind so viel wert und verhindern (oder mildern) die Isolation, in die viele Patienten rutschen.

Ich würde mir wünschen, dass man offen über Alzheimer spricht. Dass sich auch die engsten Angehörigen trauen, schon früh Hilfe zu suchen. Warum scheuen sich so viele auszusprechen, dass ein Elternteil oder der Partner erkrankt ist? Ein offener Umgang hat – zumindest meiner Erfahrung nach – nur Vorteile: Das Umfeld wird zu Komplizen. Denn erstaunlicherweise können die meisten Menschen eben doch recht gut damit umgehen, wenn sie hören: »Wundern Sie sich bitte nicht, wenn mein Mann manchmal seltsam reagiert. Er meint das nicht böse, er hat Alzheimer.« So eine Aussage nimmt allen Beteiligten den Druck.

Ich wünsche meinen Lesern, dass sie nie persönlich mit Alzheimer konfrontiert werden, doch ziemlich sicher wird es etliche erwischen. Wäre es dann nicht schön, ein verständnis- und liebevolles Umfeld zu haben?

Trotz allem ist mein Roman keine traurige Geschichte – ganz im Gegenteil! Die Reise von Felix und seinen Frauen ist eine durch und durch humorvolle Angelegenheit, mit einigen berührenden und nachdenklichen Momenten.

Hier der Klappentext:
Felix ist 70 Jahre alt. Er spricht aus, was niemand zu sagen wagt, und tut, was sonst niemand tun würde. Seine Erinnerungen sind wie Wellen in seinem Kopf, wogend, nicht festzuhalten. Denn Felix hat Alzheimer.
Um ihm einen Herzenswunsch zu erfüllen, machen seine Ehefrau Ellen, seine Tochter Judith und seine Enkelin Fabienne mit ihm eine Kreuzfahrt. Doch während Felix die Reise als wunderbares Abenteuer erlebt, wird für die drei Frauen die Seereise zu einer Seelenreise durch schwere Gewässer, aber mit Kurs auf sonnige Gefilde.

Mein Verlag Droemer Knaur schreibt dazu: 
In ihrem ebenso warmherzigen wie humorvoll überspitzten Roman "Tage zwischen Ebbe und Flut" zeigt die Journalistin Carin Müller eine Familie im emotionalen Ausnahmezustand. Basierend auf eigenen Erfahrungen lässt die Autorin ihre liebevoll gezeichneten Charaktere, allen voran den an Alzheimer erkrankten Felix sowie seine Ehefrau, seine Tochter und seine Enkelin, auf einer Mittelmeer-Kreuzfahrt aufeinanderprallen. So entsteht ein bewegender, dabei sehr ehrlicher und oftmals herrlich komischer Reise- und Familienroman über eine der Volkskrankheiten unserer Zeit, wie man damit lebt, was sie mit sich bringt - an Verlusten, aber auch neuen Erfahrungen und Chancen. Quelle: Droemer Knaur

Noch ein paar Facts zu mir und meinen Büchern:
In meinen offiziellen Autorenprofilen steht: "Carin Müller schreibt seit man es ihr 1978 in der ersten Klasse beigebracht hat." Geschichten erfinde ich aber schon länger – es hat mir einfach immer Spaß gemacht, mir tolle Dinge auszudenken. Wenn man es so betrachtet, blicke ich inzwischen auf eine fast 30-jährige Autorenkarriere zurück. Dafür ist der Output von bislang sechzehn veröffentlichten Titeln zugegebenermaßen eher dürftig, das schaffen andere Kollegen in einem Bruchteil der Zeit. Doch auch ich selbst habe in den letzten zwei Jahren deutlich mehr Gas gegeben, als vorher.

© Inès Pietz Photography

Meine Brötchen und das Futter meines Hundes verdiene ich allerdings schon seit 1999 mit Schreiben – vorwiegend als freiberufliche Journalistin und Texterin. 2016 habe ich den, für mich sehr mutigen, Schritt gewagt, mich (fast) ausschließlich auf das belletristische Schreiben zu konzentrieren. Immerhin springt dabei gelegentlich für Terrier Toni ein saftiger Knochen raus und für Frauchen eine Kugel Eis. Ich werde also weitermachen!

© Carin Müller

Wenn ich mal Pause von meinen Protagonisten brauche, aber trotzdem schreiben möchte, dann pflege ich meine beiden Blogs. Auf www.11spielerfrauen.de geht’s um Fußball – und das schon seit 2010. Unter dem Titel "Einsichten aus dem Kiosk" blogge ich auf www.carinmueller.de über alles andere: Problemzonen, Reisen, Hunde, Männer und das Autorendasein – wobei es dabei häufig erschütternde Überschneidungen gibt.

Außer Lesen, Schreiben, Fußball, meinen Hund und meinen Mann (die Rangfolge ändert sich laufend), liebe ich vor allem das Reisen – idealerweise ans oder aufs Meer. Wenig hat für mich eine derart beruhigende Wirkung wie Wellen. Und inspirierend ist so ein Ozean allemal. Zwei meiner Romane ("Gefühlte Wahrheit" und "Tage zwischen Ebbe und Flut") spielen auf dem fiktiven Segelkreuzfahrtschiff Flying Cloud.

© Carin Müller

Anfang 2015 habe ich mir übrigens noch ein Pseudonym zugelegt. Als Charlotte Taylor mache ich Ausflüge in Richtung horizontaler Literatur. Dabei wollte ich zunächst lediglich mal ausprobieren, ob ich "Erotik kann", denn bis dahin habe ich immer diskret abgeblendet, wenn sich die Helden näherkamen. Was soll ich sagen? Es ist herausfordernd, aber machbar. Und die "Hot Chocolate"-Serie erfreut sich so großer Beliebtheit, dass es wohl noch ein Weilchen weitergehen wird.

geschrieben von
Carin Müller


  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. September 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426519739
  • ISBN-13: 978-3426519738




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