Dienstag, 27. September 2016

[Die Story hinter dem Buch] Rebecca Michele - Gestorben wird früher


heute:



Rebecca Michele - Gestorben wird früher

 




Mindestens einmal jährlich zieht es mich nach Cornwall – nicht nur als Besucherin und Reiseleiterin, sondern auch literarisch. Von insgesamt 33 Romanveröffentlichungen spielen 20 ganz oder teilweise in Cornwall, meiner literarischen Heimat.

 

„Gestorben wird früher“ ist der nunmehr sechste Band einer Cornwall-Krimi-Reihe in deren Mittelpunkt die sympathische, resolute pensionierte Krankenschwester Mabel Clarence und der kauzige, oft menschenscheu Tierarzt Victor Daniels stehen. Wem Doktor Daniels seine Freundschaft jedoch geschenkt hat, dem ist er treu wie Gold ergeben und man kann sich zu einhundert Prozent auf ihn verlassen. Mabel und Victor stolpern immer wieder über Leichen und unaufgeklärte Verbrechen, bei denen besonders Mabels ausgeprägter Spürsinn und ihre Kombinationsgabe und Intelligenz gefragt sind.
Wie es zu dieser Reihe kam und mehr über Cornwall durfte ich in diesem Portal beim letzten Band „Mord vor Drehschluss“ bereits schildern: [Die Story hinter dem Buch] Rebecca Michele - Mord vor Drehschlus.

Bucht St. Ives

Blick über St. Ives

In ihrem neuen „Fall“ gerät Mabel in eine Seniorenresidenz in St. Ives. Als Hauthandlungsort wählte ich dieses zauberhafte, romantische Städtchen im Westen Cornwalls, da Mabel und ihre detektivischen Tätigkeiten in der Umgebung von Lower Barton inzwischen bestens bekannt sind und es ihr unmöglich ist, unerkannt Ermittlungen anzustellen.

So könnte die Terrasse von Kernow Manor aussehen.

Ursprünglich ein kleines Fischerdorf, entwickelte sich St. Ives im 19. Jahrhundert zu einer Künstlerkolonie für Maler, Bildhauer und Schriftsteller aus ganz Europa. Ob William Turner, Ben Nicholson, Barbara Hepworth oder Heinz Ohff – sie alle kamen nach St. Ives und so manche blieben für immer. In St. Ives wird jeder von einem ganz speziellen Flair gefangen genommen, das auch den unglaublichen Lichtverhältnissen und fünf goldgelben Sandstränden zu verdanken ist.

Weile ich in Cornwall, besuche ich St. Ives jedes Mal, auch wenn ich dort inzwischen jede Straße und jeden Winkel kenne. Die Atmosphäre nimmt mich aber immer wieder aufs Neue gefangen, St. Ives bietet auch sehr gute Einkaufsmöglichkeiten von Töpferware und Kunst jeglicher Art. Allerdings sei angemerkt, dass die Unterkünfte (Hotels, Bed & Breakfast, Holiday Cottages) in und um St. Ives zu den teuersten von Cornwall zählen.

Hafen St Ives

Zum ersten Mal wird Mabel bewusst, dass auch an ihr die Zeit nicht stehengeblieben ist, auch wenn sie sich geistig und körperlich wesentlich jünger fühlt und in einem „Altenheim“ nun wirklich nichts zu suchen hat. Allerdings gibt sind in Kernow Manor Menschen gestorben, die die örtliche Polizei als natürliche Todesfälle behandelt – gerade das weckt Mabels Interesse, der Sache auf den Grund zu gehen. Natürlich erhält sie auch in St. Ives Unterstützung ihrer Freunde Victor Daniels, dem Anwalt Alan Trengove und sogar Chefinspektor Randolph Warden zieht es in den Westen. Und da ist noch der charmante Lord William, in dessen Gegenwart Mabel sich trotz ihres Alters als attraktive und begehrenswerte Frau fühlt, denn Victor hat Mabel deutlich zu verstehen gegeben, dass sie nur Freunde sind …

In diesem wunderschönen Pub spielt eine Szene.

Die Idee, Mabel in einer Seniorenresidenz ermitteln zu lassen, hatte sich schon länger, ebenso, dass Mabel ihren Wohnort Lower Barton verlässt und sich ans andere Ende von Cornwall begibt. In früheren britischen Kriminalromanen, z.B. Miss Marple, Hercule Poirot und auch Sherlock Holmes, bleiben die Ermittler alterslos, eine Weiterentwicklung ihres privaten Umfeldes erfolgt nicht, bzw. deren Privatleben wird nur selten, wenn überhaupt, erwähnt. Obwohl diese Romane immer noch die großartigsten in der britischen Kriminalliteratur sind, hat sich das Verhalten zahlreicher Leser gewandelt. Heute verfolgen diese auch das „Älterwerden“ der Protagonisten und möchte erfahren, wie es auch privat mit diesen weitergeht.

Zahlreiche Leserpost zu den bisherigen Cornwall-Krimis haben wir gezeigt, dass die Leser sich eine Weiterentwicklung von Mabel und Victor wünschen. Und da beide doch stramm auf die siebzig zugehen, ist es nicht verwunderlich, dass Mabel sich mit den Gedanken trägt, was werden soll, wenn sie sich vielleicht nicht mehr selbst versorgen kann und auf Hilfe angewiesen sein wird. Da kommt ihr sehr gelegen, dass sie gebeten wird, sich einem ungeklärten Todesfall in der Seniorenresidenz anzunehmen.


Auch dieser Roman ist, wie die ganze Reihe, ein sogenannter Cosy-Krimi. Auf detaillierte Beschreibungen von Mordmethoden, allzu viel Blut und Grausamkeiten verzichte ich bewusst. Im Mittelpunkt stehen detektivische Köpfchenarbeit, eine Portion britischer Humor und skurrile Figuren. Das Letztere ist nicht übertrieben, denn die Engländer – und ganz besonders die „Cornishmen“, die die Einwohner Cornwalls genannt werden, sind in vielen Bereichen ganz eigene Charaktere, wie man sie sonst in Europa nirgends findet. Traditionen werden nach wir vor hochgehalten, Unterstatement ist das Ah und Oh, berühmt ist deren bedingungslose Liebe zu ihrer Kultur und der Landschaft. Ich glaube, daher funktionieren Cosy-Krimis auf der Britischen Insel am besten.


geschrieben von
Rebecca Michele
für alle Fotos gilt: © Rebecca Michele


  • Broschiert: 300 Seiten
  • Verlag: Dryas Verlag; Auflage: Taschenbuchausgabe. (20. September 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940258636
  • ISBN-13: 978-3940258632




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