Freitag, 7. Oktober 2016

[Gastrezension] Monferat, Benjamin - Der Turm der Welt

Gastrezension von Melanie von Nessis Bücherregal

Wir schreiben das Jahr 1889 in Paris. Die Weltausstellung geht gerade zu Ende und das Schicksal der ganzen Welt scheint mit diesem Ereignis in Zusammenhang zu stehen. Selbst die brisante politische Lage scheint für einen Moment vergessen.

Plötzlich werden zwei Ermittler der französischen Geheimdienstes tot aufgefunden und die zentrale Frage ist: Waren sie einer Verschwörung auf der Spur? Nicht nur Frankreich rückt in den Mittelpunkt der Ermittlungen, nein, ganz Europa scheint eine wichtige Rolle zu spielen, denn verschiedene Charaktere verhalten sich auffällig: Eine französische Adlige muss um die Aufdeckung ihres streng gehüteten Geheimnisses bangen und ein deutscher Offizier gerät ins Kreuzfeuer der Großmächte, während ein Fotograf seine Seele verkauft, um seiner Geliebten näher zu kommen. Aber ist diese schöne junge Frau überhaupt, was sie vorgibt zu sein? Oder ist sie gar eine Spionin? Niemand ist wirklich sicher und der Wettlauf gegen die Zeit hat längst begonnen …

Zunächst einmal muss ich diesen grandiosen Roman mit einem Wort zusammenfassen: Wow! Hier ist dem Autor wirklich ein einzigartiger Roman mit lebhaften Bildern und authentischen Charakteren gelungen. Ein historisches Meisterwerk!

Am meisten hat mich die Sprache beeindruckt, die der Autor bei diesem Buch eingesetzt hat. Zum einen ist sie schon fast poetisch, auf der anderen Seite aber auch sehr fesselnd. Hier wird regelrecht mit den Worten gespielt und so tolle Bilder erschaffen. Gerade die Umgebungsbeschreibungen sind einfach fantastisch, ich konnte mir zu jeder Zeit vorstellen, wie die Orte aussehen, an die ich entführt wurde. Düstere Gassen, prunkvolle Räumlichkeiten und elegante Gesellschaften.

Monferat schafft es, individuelle Protagonisten zu erschaffen. Dabei zieht er einen Querschnitt durch alle Schichten der Gesellschaft und es ist egal, ob wir eine Adlige oder einen armen Fotografen kennenlernen, jede Person hat ihr Päckchen zu tragen und wird so zu jemand echten, jemandem, den man auch direkt vor der Haustür auf der Straße treffen könnte. Ich gebe zu, dass es mir zu Beginn der Geschichte etwas schwer gefallen ist, diese ganzen Persönlichkeiten unter einen Hut zu bekommen, da man erst ziemlich spät erfährt, worauf das ganze eigentlich hinausläuft (was ich gut finde). Mit der Zeit kann man die Namen und Orte aber sehr gut auseinanderhalten und sich darauf einlassen, dass man eben nicht die üblichen beiden Protagonisten hat, sondern mit weit mehr Personen die Geschichte erleben darf.

Selbst bei den noch so unwichtig erscheinenden Nebencharakteren achtet der Autor auf Details, sodass sie nicht nur kurz einen Auftritt haben, sondern nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Mir hat die Darstellung der Personen äußerst gut gefallen, weil ich tatsächlich das Gefühl von etwas Besonderem hatte. 

Die Spannung ist kaum zu überbieten. Trotz des Historischen Settings bekommen wir es immer wieder mit Elementen eines Krimis bzw. Thrillers zu tun, was unglaublich fesselnd ist. Man möchte nicht nur wissen, wie die Einzelschicksale der betreffenden Personen voranschreiten, sondern auch, wie der Gesamtzusammenhang in Verbindung steht. Durch die permanenten Orts- und Personenwechsel wird die Spannung noch zusätzlich hoch gehalten. Gerade das Ende hat es dann in sich, denn das letzte Viertel musste ich in einem Rutsch verschlingen.

Fazit: Für mich das Buch des Jahres bisher. Beste Unterhaltung im Stil von Ken Follett, spannend, packend, elegant, prunkvoll und doch düster – „Der Turm der Welt“ überzeugt vollkommen durch sein Charakterdesign, Setting und perfide ausgearbeitete Story.

  • Gebundene Ausgabe: 704 Seiten
  • Verlag: Wunderlich; Auflage: 1 (26. August 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3805250932
  • ISBN-13: 978-3805250931
  • Verlagsgruppe:




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