Dienstag, 13. Dezember 2016

[Die Story hinter dem Buch] Clark, Janet - Black Memory


heute:



Clark, Janet - Black Memory

 



Wie alles begann ...
Zunächst war da diese furchtbare Radiomeldung. Auf einem Rastplatz wurde ein Auto mit den Leichen einer Familie gefunden. Ich fuhr gerade nach Florenz und die Meldung ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Was ist dieser armen Familie passiert? In Florenz wohnte ich in einem alten, zum Hotel umfunktionierten Herrenhaus mit labyrinthähnlichen, dunklen Gängen. Mein erster Gedanke: Das perfekte Setting für mein Buch! Nun saß ich dort auf einer Parkbank, nach wie vor die Radiomeldung im Kopf, und begann zu plotten.

Herrenhaus in Florenz
© Janet Clark

Wie ich auf die Idee zu Black Memory kam ...
Nein, es war nicht diese furchtbare Radiomeldung - auch wenn sie ihren Platz in dem Buch bekommen hat. Der wahre Auslöser für den Plot war die Frage nach unserer Erinnerung. Wo sitzt sie und wie zuverlässig, bzw. manipulierbar ist sie? Und vor allem: Was passiert mit den Trilliarden an Eindrücken, die wir im Laufe unseres Lebens wahrnehmen, aber weder im Kurz- noch Langzeitgedächtnis abspeichern? Verpuffen sie oder sind es diese bewusst nicht abrufbaren Eindrücke, die unser Bauchgefühl ausmachen? Woher kommen die unglaublichen Fähigkeiten der sogenannten Savants (Menschen mit herausragenden Inselbegabungen)? Wenn vereinzelt Menschen Bücher nach einmal Lesen auswendig aufsagen können, das Gehör einer Fledermaus oder den Geruchssinn eines Aals besitzen, müssten diese Ausnahme-Fähigkeiten dann nicht in uns allen schlummern?

Herrenhaus in Florenz
© Janet Clark

Woher dieses Interesse ?
Bei meiner dritten Schwangerschaft, einer Hochrisikoschwangerschaft, hatte ich große Angst um mein ungeborenes Kind. Daher riet mir eine Freundin, meine Angst "abzugeben". Das tat ich, in dem ich meinem verstorbenen Vater die Verantwortung abgab. Bald fragte mich mein Mann, warum ich von dem Foetus nur noch als Mädchen spreche, und erst da wurde mir bewusst, dass ich immer ein ganz bestimmtes Bild vor Augen hatte, wenn ich meine Angst "abgab": Mein Vater, an der Hand ein kleines Mädchen mit langen blonden Haaren.
Ich hatte zu dem Zeitpunkt zwei Söhne, einer schwarz-, einer braunhaarig wie ich selbst. Mein drittes Kind ist ein Mädchen. Mit langen blonden Haaren ... Zufall?
Die Frage, wie ich in der zehnten Schwangerschaftswoche wissen konnte, dass ein hellblondes Mädchen in mir heranwuchs, ließ mich nicht los ...

© Janet Clark

Gab es Probleme beim Schreiben?
Oh ja! Ich hatte mich in der Wahl der Perspektive vertan und es ging einfach nichts mehr voran! Schließlich musste ich das Buch komplett umschreiben!

Warum der Roman nicht in Deutschland spielt ...
Wie bei allen meinen Büchern spielt die Geschichte dort, wo sie hingehört: in diesem Fall bedeutet das ein kurzes Intermezzo in Indonesien, gefolgt von London und Florenz.
Ich bin extra nach England geflogen, um Orte abzufahren (die dann Großteils wieder aus der ersten Fassung verschwanden :-) ) und habe mir in London die Füße wund gelaufen, bis ich für meine Heldin die richtige Bleibe gefunden hatte. 

© Janet Clark

Was war die größte Herausforderung?
Abgesehen von der immensen (aber hochspannenden) Recherchearbeit, war es die Perspektive. Clare, die gerade versucht, ihre Erinnerung wieder zu finden und sich in einer hochdramatischen Situation befindet, führt uns als Ich-Erzählerin im Präsens durch die Geschichte. Sie weiß zu jedem Zeitpunkt nur so viel wie der Leser, was einerseits eine hohe Intensität erzeugt, andererseits für den Autor eine echte Herausforderung ist.

geschrieben von
Janet Clark

Inhalt:
Ein vermisstes Mädchen mit einer einzigartigen Inselbegabung.
Eine Ärztin, die sich an jedes Detail ihrer Ausbildung erinnern kann, aber nicht an ihren Namen und auch nicht an das Verbrechen, das sie begangen haben soll.
Als Clare orientierungslos auf einem Boot vor der indonesischen Küste erwacht, wird sie verhaftet. Sie soll ein kleines Mädchen entführt haben. Nur durch den Einsatz eines Mannes, mit dem sie angeblich verheiratet ist, kommt sie frei.
Zurück in London begreift sie, dass der Schlüssel zu dem Schicksal des vermissten Mädchens in ihrer Erinnerung vergraben ist. Doch diese ist verschüttet - von einem Trauma, so extrem, dass sich Clare mit einem völligen Blackout schützt.
© Heyne Verlag



  • Broschiert: 448 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (12. Dezember 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453418336
  • ISBN-13: 978-3453418332






1 Kommentar:

  1. Hallo Claudia,
    spannende Einblicke in die Entstehung einer Geschichte. Da ich "Black Memory" grade angefangen habe, sehe ich es jetzt vielleicht noch aus einem ganz anderen Blickwinkel - bis jetzt liest es sich übrigens sehr spannend :-)

    LG
    Tina

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