Dienstag, 20. Dezember 2016

[Die Story hinter dem Buch] Martens, Anna - Blinde Schatten


heute:



Martens, Anna - Blinde Schatten

 


http://midnight.ullstein.de/autor/anna-martens/

Die Idee zu meinem dritten Anna Martens-Buch kam mir beim Friseur. Während die Tönung einzog, las ich in einer Frauenzeitschrift einen Artikel über eine Frau, die Opfer eines gewaltsamen Übergriffs geworden war und deren Leben auch Jahre später nicht wieder ins Lot gekommen ist. Dieser Artikel hat mich stark erschüttert und noch Tage später dachte ich darüber nach, wie unsere Gesellschaft mit Opfern umgeht. Denn um diese wird es nach den Verbrechen meist still, während über die Täter immer weiter berichtet wird.

Durch diesen Artikel entstanden meine ersten Entwürfe zu meinem neuesten Buch, das zunächst den etwas sperrigen Titel „Was nach der Tat bleibt“ trug. Die Sichtweise des Opfers einzunehmen, demjenigen eine Stimme zu verleihen, der zutiefst traumatisiert und erschüttert ist, war eine echte Herausforderung für mich. Zunächst schrieb ich das Buch, wie ich es bisher immer getan hatte, in der dritten Person. Doch das nahm dem Ganzen ein Stück der Spannung, der Abstand zu meiner Protagonistin blieb zu groß und man erlebte alles nur indirekt. Ich versuchte es aus der Ich-Perspektive und schon funktionierte die Geschichte für mich besser. So entstand mein erstes Buch, das ich beinahe komplett aus dieser Erzählperspektive geschrieben habe. Interessanterweise rutschte ich während des Schreibens immer wieder in die unpersönliche Form und zwar immer dann, wenn es für Johanna, meine Heldin, schwierig wurde. Vermutlich, weil es mir so schwerfiel, mich komplett in ihre Rolle zu schlüpfen. Ich habe mehrere Anläufe dazu gebraucht. Schließlich habe ich mir zeitweise den Arm in eine Schlaufe gelegt, um ihre Motorik besser nachzuempfinden. In ihre Ängste konnte ich mich leichter hineinfühlen, da ich selbst schon einmal angegriffen wurde und in dieser Zeit Tagebuch geführt habe, wenngleich die Situation nicht mit der von Johanna vergleichbar war.

©  Traumstoff

Die Zeitspanne, in der das gesamte Buch spielt, ist recht kurz. Eigentlich erleben wir nur wenige Tage in Johannas Leben. Daten und Zeiträume habe ich allerdings im gesamten Roman bewusst nicht genau bestimmt. Aus einem simplen Gefühl: Weil alles, was sie erlebt und erleidet, die Ängste und Zweifel, die sie aussteht, noch lange in ihr arbeiten werden. Während ihre äußerlichen Blessuren sie im Laufe der Handlung immer weniger behindern, sie Wege findet, damit umzugehen, gelingt es ihr nur schwer, mit den inneren Wunden klar zu kommen. Und das, obwohl sie eigentlich dankbar sein müsste. Weil sie mit dem Leben davon gekommen ist.

Dabei scheint für Johanna nichts mehr so, wie es vorher war. Sie hinterfragt ihre persönlichen Beziehungen zu ihren Freunden. Ihre berufliche Zukunft ist ungewiss, aber am schlimmsten wiegt, dass sie nicht weiß, ob sie ihren Angreifer wiedererkennen würde, wenn er vor direkt vor ihr stünde...

Ich hoffe, ich konnte euch neugierig auf das Buch machen, das am 2. Dezember 2016 unter dem Titel „Blinde Schatten“ als Ebook bei Midnight Ullstein erscheint. Über eine Rückmeldung, wie es euch gefallen hat, würde ich mich natürlich wie immer sehr freuen. Im Nachwort werde ich entsprechend meine E-Mail-Adresse angeben.

Eure Anna Martens
http://midnight.ullstein.de/autor/anna-martens/




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