Dienstag, 17. Januar 2017

[Die Story hinter dem Buch] Ulrike Renk - Das Lied der Störche


heute:


Ulrike Renk - Das Lied der Störche
 


Nun schreibe ich schon das dritte Mal die Story hinter dem Buch für Claudia, wie schön. 

Diese Geschichte hat allerdings Rücken … aber wir fangen vorne an.
Ich bin ja im Verein der 42erAutoren eV, den es schon einige Jährchen gibt. Unser Vereinssitz ist in Putlitz, in der Prignitz, und das verdanken wir meinem großartigen Kollegen Tom Liehr. Der fuhr nämlich vor Jahren öfter an der Ausfahrt Putlitz vorbei und hatte die geniale Idee, einen Putlitzerpreis auszuschreiben. Lange Geschichte, kurzer Sinn – seitdem schreiben die 42erAutoren den Putlitzer Kurzgeschichtenpreis aus und im Juni ist immer die Preisverleihung. Wo? Natürlich in Putlitz.
Es ist nicht ganz einfach, dorthin zu kommen, die Verkehrsanbindungen sind eher bescheiden, und es gibt dort auch nicht so viele Übernachtungsmöglichkeiten. 

Als ich das erste Mal dort war, es muss 2013 gewesen sein, durften wir (einige Vereinskollegen, mein Mann und ich) in der Ferienwohnung der Schirmherrenfamilie übernachten.
Und dann lernte ich endlich den Schirmherren unseres Vereins kennen: Gebhard Gans Edler zu Putlitz.
Ein wahrer Gentleman, ein Adeliger, wie er im Buche steht, große Klasse, sehr herzlich und mit der nötigen Portion hanseatischem Humor gesegnet.
Ich nahm an der Stadtführung teil, auch wenn es eher ein Dorf ist, erfuhr viel über die Gans Edlen und Putlitz. Übrigens ist es kein Schreibfehler – die Gans ist nicht nur das Wappentier der Familie, es ist auch der Adelszusatz seit irgendwann ganz früher. Man kann das alles nachlesen. 

© Ulrike Renk
Jedenfalls saßen wir nach der Preisverleihung und der Spargelsuppe im Pfarrgarten und der Gans Edle erzählte aus seiner Lebensgeschichte und der seiner Familie. Das war höchst spannend.
Wir beschlossen, in Kontakt zu bleiben. Und das taten wir auch – allerdings eher sporadisch, weil ich damals gedanklich in Australien und den Weltmeeren unterwegs war.
Im Jahr darauf fuhren wir wieder nach Putlitz. Diesmal mit unserer Knutschkugel, unserem Miniwohnwagen, und dem Hund.
Wieder lauschte ich den Geschichten der Gans Edlen. Diesmal blieb ich an einigen Details hängen, nämlich daran, wie sein Vater starb. Das war eine ziemlich berührende Geschichte, weil … naja, to make a long story short … ich fand es so faszinierend, dass ich fragte, ob ich nicht über die Familie ein Buch schreiben dürfe. 

Sie sagten nicht NEIN, im Gegenteil, in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren intensivierte sich der Kontakt und ich bekam eine Fülle an Informationen.
Ich schrieb ein Expose, mein Verlag, der Aufbau Verlag, war begeistert und schon hatte ich den Buchvertrag. Da schrieb ich aber noch an „Die australischen Schwestern“ und hatte, nachdem das Buch beendet war, so viel Geschichte über, dass ich noch ein drittes Buch schreiben wollte. Auch das fand mein Verlag plausibel und kaufte das dritte Buch „Das Versprechen der australischen Schwestern“. Nur hätten sie es gerne direkt nach dem zweiten Buch und die Putlitzgeschichte erst anschließend.
Kein Problem. Das machen wir doch mit links. 

Dann aber recherchierte ich und recherchierte und bekam weitere Informationen von der Familie. Sogar ein gebundenes Buch, in dem der Gans Edle zu Putlitz seine Erinnerungen hatte drucken lassen, wurde mir geschenkt. Eine wirklich schöne, feste Ausgabe.
Inzwischen schrieb ich an „Das Lied der Störche“ und stellte fest, dass mein Material gewachsen war, seit ich das Expose geschrieben hatte, und das sich auch meine Einstellung veränderte. Es gab soooooo viel zu erzählen, denn die Geschichte der Familie ist unglaublich spannend. Wie sollte ich das in ein Buch pressen? 

Also rief ich meine Lektorin an und schilderte ihr mein Elend. Sie fackelte nicht lange und bald stand fest – es werden zwei Bände.
„Das Lied der Störche“ erzählt die Geschichte von Frederike von Weidenfels - das ist ein fiktiver Name, aber es ist tatsächlich die Geschichte der Mutter des Gans Edlen zu Putlitz. Sie spielt zur Zeit der Weimarer Republik. Die Geschichte ist wahr und ich liebe sie!
Der zweite Teil wird dann in der Zeit des Nationalsozialismus spielen und etwas darüber hinaus. Ich mag nicht zuviel verraten.

Wieso hat diese Geschichte aber Rücken?
Manchmal habe ich Rücken. Das ist in meinem Alter schon mal so. Als ich das Buch schrieb, waren wir ein paar Tage in Dänemark in einem wirklich entzückenden Ferienhaus. Allein – die Betten war durch. Zumindest das von meinem Mann und mir. Es war eh ein französisches Bett und es hatte in der Mitte eine tiefe Kuhle. Ich finde Kuscheln, vor allem im Urlaub, ja immer schön, aber jede Nacht und ständig gemeinsam in dieser Kuhle zu landen, das war nichts für meinen Rücken. Nach der dritten Nacht saß ich heulend in der Küche. Da fiel mein Blick auf die „Erinnerungen“ des Gans Edlen zu Putlitz. DinA 4. Stabil. Einen Versuch war es wert. Ich schob es unter die Matratze und die nächsten Nächte schlief ich wie ein Baby. Herrlich. 

© Ulrike Renk

Ihr seht also – ich verdanke den Gans Edlen zu Putlitz ziemlich viel. Und ich hoffe, die Geschichte begeistert die LeserInnen genauso wie mich.

geschrieben von
Ulrike Renk

  • Taschenbuch: 512 Seiten
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (19. Januar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746632463
  • ISBN-13: 978-3746632469




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