Dienstag, 14. Februar 2017

[Die Story hinter dem Buch] Oliver Ménard - Das Hospital


heute:


Oliver Ménard - Das Hospital

 


Sound der Großstadt

Als eine Wasserleiche ohne Lippen in der Spree gefunden wird, folgt Christine der Spur des Killers. Ihre Recherche führt sie in die Gesellschaft der Superreichen und ihres Handlangers, genannt »der Eismann«. Vor Publikum inszeniert der Unbekannte seine Morde. Nach einer Verfolgungsjagd durch Luxusvillen und ein verfallenes Hospital kommt es zur Konfrontation zwischen Christine und dem Killer. Zwischen den beiden beginnt ein knallhartes Psychospiel. Doch der Eismann hat einen Plan ...
Quelle: Droemer Knaur Verlag

Sie trauen der Kriminalpolizei wohl wenig zu – oder warum sonst setzen sie auf Journalisten als Ermittler?
Weil es spannender ist. Ein Journalist hat keinen Polizeiapparat hinter sich, keine Forensiker, keine Kriminaltechniker. Er ist allein da draußen und muss um Informationen betteln, sich Vertrauen erkämpfen. Alles ohne die Autorität einer Dienstmarke. Am Ende vom „Hospital“ erleben wir dann auch einen dramatischen moralischen Konflikt zwischen Journalist und Polizist. Der Leser muss sich für eine Seite entscheiden. Da gibt es kein Vielleicht.

Ihr Showdown spielt in einem verfallenen Hospital. Existiert das Gebäude auch in der Realität?
In Berlin stehen an jeder Ecke Ruinen rum. Die Abhörstation auf dem Teufelsberg, der Spreepark, die ehemalige irakische Botschaft - und natürlich das verfallene Hospital in Weißensee. Es hat mir als Vorlage für mein Hospital gedient. Ein gruseliger Ort. Ich habe mich gefragt: Was wäre, wenn sich ein irrer Mörder so ein Gebäude als Wirkungsstätte für seine Taten aussuchen würde? Auf 416 Seiten gibt es die Antwort.

Sie sind als Autor bekannt, der gerne alles selbst ausprobiert.
Bis zu einem bestimmten Punkt - ja. Für „Das Hospital" habe ich in meiner Lieblingsfleischerei mehrere Tage in einer Kühlkammer verbracht, um die Praktiken meines Mörders zu überprüfen. Danach hatte ich drei Wochen eine fiese Erkältung.

© Helmut Henkensiefken/finepic
Zum Vergrößern bitte draufklicken.

Und die Sache mit dem Kontrabasskoffer?
Also ... eine Freundin hat sich in einem Musikfachgeschäft in einen solchen Kontrabasskoffer einsperren lassen. Mein Mörder transportiert so seine Opfer ab. Ich musste überprüfen, ob das möglich ist – mitten im Hochsommer in glühender Hitze. Zwanzig Minuten hat sie durchgehalten. Dann klopfte sie. Die Leute in dem Geschäft waren auch sehr an dem Experiment interessiert. Berlin ist eben Berlin. Absolut einmalig.

Sie arbeiten selbst als Journalist beim Fernsehen. Kommt Ihre Freude an der Recherche daher?
Aber natürlich. Ein Journalist will es immer ganz genau wissen. Ein Zuschauer oder Leser merkt ganz genau, wenn etwas in einer Story nicht stimmt. Das geht einfach nicht. Vor einer Weile hätte ich fast einen Polizeieinsatz ausgelöst. Ich wollte überprüfen, ob es möglich ist einen Menschen über die Dächer zu entführen. Ich wurde zwischen zwei Schornsteinen von einem Mieter entdeckt, der mich für einen Einbrecher hielt. Aber die Flucht gelang. Was für ein Riesenglück. Manchmal muss man seine Grenzen kennenlernen. Aber nur manchmal.

im Interview:


  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Februar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426519720
  • ISBN-13: 978-3426519721




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