Dienstag, 4. April 2017

[Die Story hinter dem Buch] Gabriella Engelmann - Strandfliederblüten


heute:


Gabriella Engelmann - Strandfliederblüten

 



Strandfliederblüten – The Story behind

© Gabriella Engelmann

Inmitten der Schafsherde fühle ich mich wie im Vorspann der Serie MORD MIT AUSSICHT: Umzingelt und ratlos.
Denn mein guter Freund Wolfgang und ich sind nicht auf der Hamburger Hallig wegen eines Film-Drehs, sondern um für meinen Roman Strandfliederblüten zu recherchieren. Doch das ist gar nicht so einfach, denn hier haben Schafe Vorfahrt, nicht der schnelle Flitzer, mit dem wir unterwegs sind. Sanftes „Schschhh“ meinerseits, dezentes Hupen, wildes Mit-den-Armen-wedeln – das alles interessierte die wolligen Vierbeiner kein Stück.
Neugierig schauen sie durch die Fensterscheibe, oder in den Seitenspiegel.
Erst sanftes, vorsichtiges Anrollen des Autos bringt sie dazu, gemächlich beiseite zu trotten, um sich dann dem Genuss des zarten Grases hinzugeben, das von leuchtend-lilafarbenem Strandflieder, auch Halligflieder genannt, durchsetzt wird. Hier ticken die Uhren eindeutig anders, und mir fällt der Spruch Ich habe keine Zeit, mich zu beeilen, ein.
Dieser Besuch ist der erste von zwei wichtigen Stationen, die ich ohne Auto nur sehr schwer erreicht hätte. Halligen sind kapriziöse Diven, denen man kann sich nicht einfach nähern kann, wann es einem passt.

© Gabriella Engelmann

Ursprünglich wollte ich Langeneß und Oland besuchen – und hatte zu diesem Zweck auch schon ein Fährticket der Hauke Haien in der Tasche, die mich im Mai 2016 von Föhr nach Langeneß bringen sollte. Eine Woche lang glich die Nordsee einem Spiegel, doch genau an diesem Sonntag entschied sich der Wind zum Schaumschläger zu werden, und hohe Wellenberge vor sich aufzutürmen. In meinem Bauch brummelte und gurgelte es vor Aufregung. Ich bin überhaupt nicht seefest, zudem eine kleine Angsthäsin, war aber bereit, mich der Buch-Recherche wegen zu opfern, und trotzdem zu fahren.
Bevor ich zum Hafen Alte Mole ging, kam mir jedoch eine Eingebung: Ich würde Buchhändler Jürgen Huß, allen Föhrern und Liebhabern der Insel besser bekannt als Bubu, fragen, was er von meinen Plänen hielt. Bubu, der im Winter kurze Hosen trägt, und sich mit Vorliebe an Bord von Containerschiffen über die rauen Weltmeere schippern lässt.
Den, wie man so sagt, nix erschüttern kann.
Doch eben jener Bubu rief spontan aus: „Bist du irre? Willst du keine Bücher mehr schreiben?“ Somit war mein Plan gestorben – ein neuer musste her, und der hieß: Hamburger Hallig: bequem mit dem Auto zu erreichen, bis auf die Schafsherden wenig „bedrohlich“, und wunderbar mit meinem nächsten Ziel zu verbinden: dem Leuchtturm Westerheversand.

© Gabriella Engelmann

Sollte mir nach dem Lesen des Romans schließlich keiner sagen, ich hätte nie im Leben so viele Stufen auf einmal erklommen (157, um genau zu sein), und wüsste gar nicht, wie schlimm sich der Muskelkater in den Oberschenkeln einen Tag später anfühlt.
Zum Glück war der Aufstieg der insgesamt neun Stockwerke nicht ganz so dramatisch, wie Wolfgang und ich befürchtet hatten, denn unser privater Führer hielt auf jeder Plattform an, um uns von den Besonderheiten des Turms, und seiner Arbeit als ehemaliger Leuchtturmwart zu erzählen. Auf dem „Balkon“ der obersten Plattform angekommen, musste ich das Bild, das ich bis dahin von einem 41,5 m hohen Bau hatte, jedoch entscheidend korrigieren.
Ganz soooooo hoch, wie ich es im Roman beschrieben hatte, war es dann doch nicht – aber windig, sehr, sehr beeindruckend, und wunderschön. Von hier aus hatte man eine gigantische Aussicht auf alles, was ich an der Nordsee und Nordfriesland so liebe – gefühlt auch auf meine nächsten Recherche-Ziele Husum und Friedrichstadt. Am nächsten Tag musste ich die bereits geschriebene Szene umarbeiten. So ist das, wenn man ERST schreibt und DANN recherchiert ;-)

Nach Husum begleitete Wolfgang mich ebenfalls, aber nicht, weil ich sein Auto brauchte, sondern weil er – genau wie ich – Weihnachten liebt, und neugierig auf das Weihnachtsmuseum war, welches das ganze Jahr über geöffnet hat. An einem sonnigen Septembertag staunend vor unterschiedlich geschmückten Weihnachtsbäumen zu stehen, der sanften Melodie von Spieluhren zu lauschen, und Wunschzettel an den Weihnachtsmann zu lesen, ist schon seltsam. Aber auch wunderschön. Der Besuch des Husumer Schlosses (und natürlich seines Cafés) brachte uns anschließend wieder in die spätsommerliche Realität zurück, genau wie das Flanieren über den bunten Markt am Hafen.

© Gabriella Engelmann

© Gabriella Engelmann

Das Holländerstädtchen Friedrichstadt habe ich allein besucht, und jede einzelne Sekunde genossen. Assoziationen wie „Puppenstubenstadt“, „Filmkulisse“ und „niedlich“ drängten sich mir förmlich auf, als ich die hübschen Häuser sah, deren Eingänge häufig von Rosen umrankt waren. Die Klappbrücken, die ich bislang nur aus dem Alten Land kannte, ermöglichen es den zahllosen Booten über die Treene zu fahren, und Fußgängern, von der einen Seite des Ufers zur anderen zu gelangen. Eine Grachtenfahrt sollte jeder unternehmen, der hierherkommt. Am besten „oben ohne“, also in einem offenen Boot der Reedereiflotte. Und – wenn möglich – zur Zeit der Seerosenblüten, ab Mitte Juli.

© Gabriella Engelmann

 © Gabriella Engelmann

Das Fest Rosenträume, Anfang Juli, ist in der malerischen Kleinstadt ein ebenso großes Highlight, wie das Lampionfest, Ende des Monats.

Was aber keine wirklich gute Idee ist: Nach der Hallig Fliederoog zu suchen.
Denn die existiert nur in meiner Fantasie.

Und im Roman Strandfliederblüten …

geschrieben von
Gabriella Engelmann

  • Broschiert: 384 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (3. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426520710
  • ISBN-13: 978-3426520710








Liebe Grüße,
Claudia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen