Mittwoch, 31. Mai 2017

[Stefanies Rezension] Goerz, Anja - Wenn ich dich hole 

Gastrezension von Stefanie


So viele unglückliche Umstände, die verhindern, dass die Eltern von Lewe im Schneesturm zum Haus kommen können, in dem der Neunjährige allein mit seinem Hund Albert auf die Rückkehr der Eltern wartet. Dennoch ist alles, was in diesem Hörbuch passiert, extrem glaubwürdig. Wie die Autorin von „Wenn ich dich hole“, Anja Goerz, das macht, weiß ich nicht genau, aber sicher mit einer guten Beobachtungsgabe für die Details des Alltags.


Ich habe das Hörbuch von „Wenn ich dich hole“ gehört. Dies ist erschienen im DAV (Der Audio-Verlag) in einer Lesung von Stefan Kaminski und Lotte Ohm. Die 5 CDs in der Papp-Plastik-Hülle haben eine Laufzeit von 5 Stunden und 12 Minuten. Es handelt sich dabei um eine ungekürzte Lesung.

Zum Inhalt: Während Lewe mit dem Hund allein zuhause ist und ein Schneesturm einsetzt, wartet der Junge auf Mutter und Oma, die nur einkaufen wollten und nicht zurück kehren. Sein Vater Bendix ist beim Stopover in London auf dem Weg zurück von den USA nach Nordfriesland. Der Junge bekommt Angst; sein Vater versucht, möglichst schnell nach Hause zu kommen, denn von den beiden Damen des Hauses fehlt jede Spur. Aber so viele unglückliche Umstände sorgen dafür, dass der Junge noch lange allein bleibt und dann auch noch völlig unerwünschten Besuch bekommt...

Mehr soll hier nicht verraten werden, obwohl dies kein Rätselkrimi ist und die Lage bald klar ist. Aber darum geht es hier auch nicht, sondern dies ist ein extrem spannender Krimi mit schnellem Verlauf, der den Hörer/Leser auch oft schmunzeln lässt. Der Autorin ist hier eine tolle Mischung gelungen. Ich konnte das Hörbuch kaum weglegen, musste länger aufbleiben und dann erstmal Haushaltstätigkeiten erledigen, bei denen ich weiter hören konnte.

Vom ersten Moment an in den Flughafenszenen hat mir die treffsichere Schilderung der Passagiere und Geschehnisse so gut gefallen, dass das Hörbuch eigentlich schon 'gewonnen' hatte. Auch bei der Schwiegermutter, die Diabetikerin ist und nicht an ihre Medikamente kommt, wird ganz genau hingeschaut, ebenso bei der Betrachtung der Reisenden im Zug oder bei Bruno, dem Polizisten, und seiner Frau.

Die Lesung selbst ist perfekt gelöst mit einer weiblichen und einer männlichen Stimme, wobei die weibliche Stimme nur die eine Rolle übernimmt, also hier nicht in weiblich/männlich eingeteilt wird. Die Stimmen sind mit den Dialekten und Färbungen auch sehr gut getroffen, besonders die Stimme von Bruno.

Fazit: Wenn man gar nicht mehr aufhören kann, ein Hörbuch zu hören, so hat es ganz sicher fünf Sterne verdient. Das Ende ist nicht spektakulär, aber logisch. In diesem Buch/Hörbuch lagen die Schwerpunkte ganz sicher auch anders. Die Autorin hat hier ihren ersten Krimi abgeliefert; ich kannte bisher nichts von ihr (nur ihren Namen). Jetzt werde ich mir mal ihre humorreichen Vorgängerbücher anschauen und warte auf den nächsten Krimi aus dem hohen Norden, falls da etwas geplant sein sollte.

  • Audio:  5 CDs - ca. 5h 12min
  • Verlag: Der Audio Verlag (7. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3742400061
  • ISBN-13: 978-3742400062
  • Verlag:
    http://www.der-audio-verlag.de/


Liebe Grüße,
Claudia

Dienstag, 30. Mai 2017

[Rezension] Poznanski, Ursula - Kaspary & Wenninger (03) Stimmen

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich für diese Rezension Teil 1 und 2 als bekannt voraussetze. Somit können für Leser, die "Fünf" oder "Blinde Vögel" noch nicht gelesen haben, Spoiler vorhanden sein.

Die Kommissare Beatrice Kaspary und Florin Wenninger werden zu einem schwierigen Fall gerufen: ein Arzt wurde in einer Psychiatrie getötet. Da es sich um eine geschlossene Abteilung handelt, muss der Täter dort angestellt oder ein Insasse sein. Die beiden Ermittler stoßen jedoch auf Widerstand bei den Befragungen. Als dann auch noch eine Patientin ermordet wird, ist plötzlich das Leben aller in Gefahr.


Nachdem ich Band eins und zwei um Beatrice Kaspary und Florin Wenninger jeweils kurz nach dem Erscheinen gelesen hatte, aber nicht komplett überzeugt wurde, habe ich vor wenigen Wochen Band vier als Hörbuch gehört, welches mir viel mehr Spaß gemacht hat. Daher habe ich nun auch den dritten Band nachgeholt - erneut als Hörbuch.

Poznanski hat sich für den dritten Band um ihr Ermittlerduo ein tolles Setting einfallen lassen: eine Psychiatrie. Als dort ein Mord geschieht, beginnen schwierige Ermittlungen, denn die Ärzte wollen an ihrer Schweigepflicht festhalten und bei den Patienten gibt es welche, die überhaupt nicht sprechen und bei anderen weiß man nicht, was am Gesagten wirklich dran ist.

Die österreichische Autorin hat sich u.a. eine tolle Möglichkeit der Kommunikation überlegt, die verschiedenen Handlungsstränge gut verknüpft und das Privatleben der Ermittler in einem vernünftigen Rahmen einfließen lassen. Gelesen wird das Hörbuch von Andrea Sawatzki und es hat mich erneut sehr gut unterhalten.

Fazit: Nachdem ich nach Band zwei die Reihe beinahe beendet hatte, bin ich nun sehr froh, dass ich dem sympathischen Ermittlerduo eine zweite Chance mit den Hörbüchern zum Roman eingeräumt habe, denn diese haben mich bisher beide sehr gut unterhalten. Tolle Kriminalfälle, toller Schreibstil und die mittlerweile liebgewonnen Ermittler. Ich werde die Reihe nun gerne weiter verfolgen, aber dabei stets zum Hörbuch greifen.

  • Audio: 6 CDs - ca. 7h 46 min
  • Verlag: Argon Verlag; Auflage: 2 (6. März 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839813824
  • ISBN-13: 978-3839813829
  • Verlag:
    http://www.argon-verlag.de


PS: Die bisherigen Teile in der Übersicht:





Liebe Grüße,
Claudia

Montag, 29. Mai 2017

[Stefanies Rezension] Barrie, David - Sextant: Die Vermessung der Meere

Gastrezension von Stefanie



Die Geschichte der großen Seefahrer

Im ersten Teil von David Barries „Sextant – Die Vermessung der Meere“ habe ich mich wirklich schwer getan. Das Buch konnte mich einfach nicht packen. Zu wenig verstehe ich auch vom Umgang mit einem Sextanten, als dass ich wirklich den Erklärungen und Berechnungen hätte folgen können. Doch mit ein wenig Durchhaltevermögen und Dranbleiben beim Lesen entwickelt sich das Buch doch noch zu dem, was ich mir vorgestellt hatte: Es ist im Prinzip die Geschichte der großen Entdecker, Vermesser und Seefahrer, die ja früher alle mit Sextanten arbeiten mussten. Außerdem hat der Autor gut recherchiert und dem Buch noch einen eigenen, persönlichen Rahmen gegeben. Ein Glossar und ein Quellennachweis runden das Buch ab.

Zum Inhalt: David Barrie kam schon als Kind mit dem Segeln und dem Sextanten in Berührung. Als Jugendlicher hatte er dann 1973 die Gelegenheit, mit zwei weiteren Seglern den Atlantik von USA/Kanada nach Großbritannien zu überqueren. Das GPS war noch nicht auf dem Markt, die Segler navigierten mit Sextant und Astronavigation. Diese Reise ist der Rahmen für das Buch „Sextant“, in dem der Autor sich mit der Geschichte der Astronavigation und der Geschichte der Navigation auf dem Meer im Allgemeinen auseinandersetzt. Größtenteils ist dies dann aber auch die Geschichte der großen Vermesser und Seefahrer wie Captain Cook, Bougainville, La Pérouse, Flinders, Vancouver, Shackleton, Joshua Slocum und vieler anderer.

Das Lesen fiel mir anfangs sehr schwer, da ich selbst nicht segele und ich mir einige Dinge schwer vorstellen kann, vor allem die Methoden der Berechnungen. Mich interessieren mehr die Fahrten der große Seemänner, die Entdeckungen, die Härte ihrer Überfahrten und ihr Überlegen trotz aller Widrigkeiten. Ohne den Sextanten jedoch wären alle diese Fahrten kaum möglich gewesen. Nachdem man ca. ein Drittel des Buches gelesen hat, kommen dann diese großen Männer ins Spiel, und obwohl man vieles über sie schon weiß, wenn man sich etwas für das Thema interessiert, fand ich die Zusammenstellung in diesem Buch sehr interessant. Bei Shackleton am Schluss wird es sogar dann mal richtig spannend, obwohl ich auch schon wusste, wie das Abenteuer der Männer im Packeis ausgehen würde. Vorstellen kann man sich das kaum.

Meine Bewunderung gilt den großen Männern, die so viel auf sich genommen haben, um die Welt zu entdecken und dem Fortschritt zuzuarbeiten. Sicher war dies nicht für alle positiv, aber besonders fällt auch auf, dass das Leben fast aller dieser Männer auch kein gutes Ende nahm.

Das Buch ist ein Sachbuch, das vom Autor exzellent recherchiert wurde. Es mutet etwas an wie eine wissenschaftliche Arbeit. Der Autor selbst ist ebenso ein sehr interessanter Schriftsteller, der nicht nur Segler, sondern auch Schmetterlingsforscher und sich u.a. auch in der bildenden Kunst engagiert.

Fazit: Insegesamt ist „Sextant – Die Vermessung der Meere“ ein sehr gutes und umfassendes Buch, das unbedingt fünf Sterne verdient. Ich habe mich anfangs schwer getan und kann deshalb nur 4,5 Sterne vergeben. Am besten fasst der Klappentext zusammen, was dieses Buch eigentlich ist: „Eine faszinierende Mischung aus Wissenschaft und Heldentaten und zugleich eine Liebeserklärung an das Meer.“

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: NG Taschenbuch (1. Februar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492406122
  • ISBN-13: 978-3492406123


Liebe Grüße,
Claudia

Donnerstag, 25. Mai 2017

[Trailer-Thursday] Heidi Rehn - Das Haus der schönen Dinge


Hallo ihr Lieben,

heute habe ich euch einen Buchtrailer zu diesem Roman mitgebracht:


  • Taschenbuch: 656 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (2. Mai 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426519372
  • ISBN-13: 978-3426519370




Viel Spaß beim Schauen!


Liebe Grüße,
Claudia

Dienstag, 23. Mai 2017

[Die Story hinter dem Buch] Andreas Föhr - Schwarzwasser


heute:



Andreas Föhr - Schwarzwasser

 




Letztes Jahr habe ich an dieser Stelle meinen Anwaltskrimi „Eisenberg“ vorgestellt. Dieses Mal ist es wieder ein Tegernsee-Krimi mit den Polizeiprotagonisten Wallner und Kreuthner – „Schwarzwasser“. Mit meinem Verlag (Droemer Knaur) habe ich vereinbart, dass es im jährlichen Wechsel immer einen Wallner/Kreuthner und einen Eisenberg geben wird.

Worum geht´s?

In einem abgelegenen Haus findet man die Leiche eines älteren Mannes (Klaus Wartberg). Er wurde in seinem Bett erschossen. Im Haus trifft die Polizei auch auf eine junge Frau (Lara Evers). Sie hat die Tatwaffe in der Hand und feuert sogar einen Schuss auf Kreuthner ab. Evers ist verwirrt und weiß nicht mehr, was passiert ist – oder behauptet das jedenfalls. Anscheinend hat sie Wartberg getötet. Die Frage ist: warum?

Und noch etwas erweist sich als äußerst merkwürdig: Der Tote selbst. Wartberg scheint kein Vorleben gehabt zu haben. Er tauchte vor etwa 10 Jahren wie aus dem Nichts im Landkreis auf, kaufte das Haus und lebte seitdem als unauffälliger Bürger. Es gibt aber weder Verwandte noch Freunde. Der Mann hat auch nicht studiert und in keine Rentenkasse eingezahlt. Als Wallner der Sache auf den Grund geht, stellt sich heraus, dass ein Klaus Wartberg nie existiert hat. Das Mordopfer war jemand anderer. Aber wer? Und warum nahm er eine falsche Identität an?

Die Ermittlungen führen Wallner und seine Leute zurück in das Jahr 1996 zu einem Wirtschaftsskandal in Berlin. Damals ging die Immobilienfirma Schwarzwasser auf spektakuläre Weise bankrott.

Daneben gibt es natürlich auch eine Menge Neues von Kreuthner und Wallners Opa Manfred. Und – Wallners Vater Ralf kommt zurück in die Heimat, fast vierzig Jahre nach seinem Verschwinden.


Warum diese Geschichte?

Was den privaten Strang mit Wallners Vater angeht, so fand ich es im siebten Band der Reihe an der Zeit, dass sich Vater und Sohn endlich begegnen. Wallners Vater Ralf war 1977 auf Montage nach Venezuela gereist und seither hat man nichts mehr von ihm gehört. Zu der Zeit war Wallner acht Jahre alt. Erst 2014 in „Wolfsschlucht“ erfährt Wallner auf Umwegen, dass sein Vater noch lebt, aber offenbar keinen Kontakt mit dem Rest der Familie haben will. Ich war selbst gespannt, was bei diesem Zusammentreffen passieren würde. Was sagst du zu deinem Vater, der vor fast vierzig Jahren einfach aus deinem Leben verschwunden ist? Und was war der Grund für das Verschwinden?

Genauso spannend fand ich die Vorstellung, einen Toten zu finden, den es eigentlich gar nicht gibt. Jemanden, der eine andere Identität angenommen hat, und die Polizei muss erst herausfinden, wer der Tote in Wirklichkeit war. Diese wahre Identität wird natürlich der Schlüssel zur Lösung des Falles sein. Auch in Schwarzwasser gibt es, wie oft in meinen Büchern, eine ausführliche Backstory. Vorliegend geht es um einen Anwalt im Berlin des Jahres 1996, der sich mit einem Kriminellen enger einlässt, als er sollte. Als der Anwalt die Notbremse zieht, ist es zu spät. Hier kommt ein bisschen Autobiographisches zum Tragen. Nicht dass ich mich in meinem Leben als Anwalt mit Verbrechern eingelassen hätte (obwohl der Hauptmandant der Kanzlei tatsächlich später für mehrere Jahre ins Gefängnis musste). Aber man ist sich als Anwalt natürlich dessen bewusst, dass man es nicht nur mit braven Normalbürgern zu tun hat. Vor allem als Strafverteidiger nicht. Da besteht das Gros deiner Klientel naturgemäß aus Kriminellen. Es ist oft ein Balanceakt, die Interessen dieser Mandanten zu vertreten, ohne in ihre Machenschaften hineingezogen zu werden. Selbst in Zivilverfahren war ich da manchmal schon hat an der Grenze. Wäre ich Anwalt geblieben – wer weiß, ich welche Gewissenkonflikte ich noch geraten wäre. Der Anwalt in Schwarzwasser gerät freilich nicht nur in Gewissenskonflikte, sondern ihm droht die berufliche und physische Vernichtung. Das ist die normale anwaltliche Konfliktsituation ins Extreme weitergedacht. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es ähnliche Fälle durchaus gibt.

Ich hoffe, meine Leser werden wieder einige spannende (und auch lustige) Stunden mit Wallner, Kreuthner, Manfred & Co. verleben. Inzwischen sitze ich schon mal am zweiten „Eisenberg“.

geschrieben von
Andreas Föhr



  • Broschiert: 400 Seiten
  • Verlag: Knaur HC (1. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426654210
  • ISBN-13: 978-3426654217





Liebe Grüße,
Claudia

Samstag, 20. Mai 2017

[Stefanies Rezension] Healey, Emma - Elizabeth wird vermisst

Gastrezension von Stefanie


Sehr authentisch

Emma Healey, die Autorin von „Elizabeth wird vermisst“ muss wohl selbst mit einer dementen Mutter oder anderen Person zusammengelebt haben. Ein solcher Roman wäre ihr sonst vermutlich nicht gelungen. Ihr Roman sollte von allen gelesen werden, die mit dementen Personen zu tun haben, denn er hilft ganz sicher, Demenz und Demenzkranke besser zu verstehen.

Ich habe das Hörbuch von „Elizabeth wird vermisst“, erschienen im Lübbe Audio Verlag als gekürzte Lesung und gelesen von Katharina Thalbach, gehört und werde somit auch das Hörbuch bewerten. Dazu sei vorab zu sagen, dass die Sprecherin, die eindeutig die Stimme einer älteren Dame hat, das Hörbuch sehr treffend und glaubhaft liest. Oft ist die Verzweiflung einer dementen Frau, der keiner glaubt und die ihre eigenen Probleme hat, genau zu spüren. Das Hörbuch gefällt mir daher sehr gut.

Zum Inhalt: Maud ist dement. Sie kann nicht mehr allein wohnen und wohnt nun bei ihrer Schwester. Die Veränderungen kann Maud nicht verstehen, und verstehen kann sie auch nicht, dass ihre beste Freundin Elizabeth spurlos verschwunden ist. Sogar eine Suchanzeige gibt Maud daher auf. Während die demente, liebenswürdige alte Dame jeden Tag Pfirsichkonserven kauft, erinnert sie sich auch an ihre Schwester, die vor langer Zeit verschwunden zu sein scheint, und immer sucht sie Elizabeth...

Das Buch hilft, die Denkweisen und die Verzweiflung dementer Menschen zu verstehen. Wer sich oft fragt, was in ihnen vorgeht, der scheint hier Antworten zu bekommen. Man kann wirklich mit Maud empfinden, was sie so handeln lässt, wie sie es tut, warum sie immer das Gleiche kauft, warum sie verloren geht... Jeder, der demente Menschen kennt, kann Maud verstehen oder versehen lernen. Die Autorin hat die Demenz so authentisch eingefangen, dass es nur wahrscheinlich ist, dass sie lange mit einer dementen Person Umgang hatte oder noch hat.

Insgesamt ist durch die Endlosschleife des Suchens nach Elizabeth sowie die etwas wirre Sichtweise von Maud aber der Handlungsverlauf etwas eintönig. Am Schluss gibt es noch gute Wendungen, aber vorher zieht sich die Verzweiflung der Protagonistin doch etwas in die Länge. Es ist mehr als nachvollziehbar, dass ein Leben mit Demenz und mit Dementen ganz genau so abläuft, und es ist eine Meisterleistung, wie die Autorin diese Krankheit hier beschrieben und verständlich gemacht hat, indem sie die Demente hier sprechen lässt, aber für den Zuhörer zieht sich der Handlungsverlauf dadurch etwas.

Fazit: Ich habe selbst schon mit Dementen zu tun gehabt und bin daher sehr dankbar für dieses Hörbuch. Ich denke außerdem, dass hier ein gutes und wichtiges Werk entstanden ist. Wie die Krankheit selbst ist aber der Handlungsverlauf oft lang und natürlich auch etwas wirr. Ich hätte mir dieses Hörbuch, das bereits gekürzt ist, etwas kürzer gewünscht. Daher gibt es einen Stern Abzug.

  • Audio CD
  • Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Audio) (13. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3785749376
  • ISBN-13: 978-3785749371
  • Verlag:

Liebe Grüße,
Claudia

Donnerstag, 18. Mai 2017

[Trailer-Thursday] Hendrik Berg - Küstenfluch


Hallo ihr Lieben,

heute habe ich euch einen Buchtrailer zu diesem Roman mitgebracht:


  • Taschenbuch: 320 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (20. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442485568
  • ISBN-13: 978-3442485567




Viel Spaß beim Schauen!


Liebe Grüße,
Claudia

Mittwoch, 17. Mai 2017

[Rezension] Barr, Emily - Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden

Flora ist siebzehn Jahre und leidet seit ihrem zehnten Lebensjahr unter Amnesie. Sie kann sich noch an Dinge vor dem Unfall erinnern, aber ihr Kurzzeitgedächtnis verliert sie alle paar Stunden. Sie versucht mit einem Notizbuch, vielen Post-its und Notizen auf ihren Händen durchs Leben zu kommen, aber sie leidet darunter, dass sie keine neuen Erinnerungen besitzt. Das ändert sich, als sie auf einer Party einen Jungen küsst. Diesen hat sie nicht vergessen, aber leider ist er am nächsten Tag in die Arktis geflogen. Sie möchte ihn unbedingt wiedersehen, denn er hat etwas in ihr ausgelöst, was sie seit sieben Jahren nicht erlebt hat - eine neue Erinnerung wurde gespeichert. Also begibt sich Flora auf eine Abenteuerreise.

Der Roman hat mich zwiegespalten. Es gab Dinge, die fand ich ganz toll, andere wiederum haben dazu geführt, dass ich für das Buch fast zwei Wochen zum Lesen gebraucht habe.

Das Beste am Roman ist meiner Meinung nach die Protagonistin Flora Banks. Authentisch präsentiert die Autorin, wie Flora lebt, wie es sich für sie anfühlt, wenn ihr Gehirn immer wieder zurückgesetzt wird, wie sie auf Veränderungen reagiert, an die sie sich nicht erinnern kann, und dass sie sich immer noch wie ein zehnjähriges Mädchen fühlt. Auch die Reaktion auf ihre neue Erinnerung war glaubhaft, auch wenn die Reise ans Ende der Welt schon sehr viel Mut erfordert. Aber genau das ist Flora: mutig. Eigentlich müsste sie verängstigt und eingeschüchtert sein, aber sie hat Lust die Welt zu entdecken und versucht alles, um den Jungen zu finden, der etwas in ihrem Gehirn ausgelöst hat. Sie möchte ihr Leben selbst bestimmen und nicht von der Krankheit dominieren lassen.

Ich kann nicht sagen, ob ich den Schreibstil mochte oder nicht. Die Autorin arbeitet mit vielen kurzen Sätzen und muss sich ständig wiederholen, da die Handlung in der Ich-Form erzählt wird und man als Leser somit jedes Gehirn-Reset mitbekommt und Flora dabei beobachtet, wie sie erneut Informationen sammelt, die sie verloren hat. Durch die Art erhält man wirklich ein Gefühl dafür, wie Flora sich fühlen muss. Manchmal ist es jedoch auch etwas anstrengend, da sich eben sehr vieles wiederholt.

Auch die Handlung hat mich hin- und hergerissen. Es gab Passagen, die ich total klasse fand, dann aber wieder Teile, die mir nicht zugesagt haben. Die erste Auflösung fand ich zum Beispiel nicht so toll, aber dann hat mich die Autorin am Ende noch überrascht und dieses fand ich dann wiederum spannend und gut gelöst.

Fazit: Mit diesem Buch war es wirklich ein Hin und Her. Ich habe Flora lieb gewonnen, auch wenn mir nicht alles am Roman zugesagt hat. Ich vergebe daher 3,5 Sterne, die ich ganz, ganz knapp noch auf 4 Sterne aufrunde.

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: FISCHER FJB; Auflage: 1 (23. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 384144007X
  • ISBN-13: 978-3841440075
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Verlag:


Liebe Grüße,
Claudia

Dienstag, 16. Mai 2017

[Die Story hinter dem Buch] Sophie Bonnet - Provenzalisches Feuer


heute:



Sophie Bonnet - Provenzalisches Feuer

 



„Provenzalisches Feuer“ ist der vierte Band der Serie um Ermittler Pierre Durand. In seinem neuesten Fall werden zwei Menschen ermordet, ein Autor und ein Journalist, die einen tiefen Einblick in die okzitanische Unabhängigkeitsbewegung hatten.

Das Thema Okzitanien ist mir vor zwei Jahren wortwörtlich ins Auge gesprungen, während einer Recherchereise zu seinem Vorgängerband.


Am Anfang stand ein Schild

© Sophie Bonnet
Ich war gerade in der Provence, um mich in den Seifenfabriken und Lavendeldestillerien über die Hintergründe zur Herstellung der berühmten Savon de Marseille zu informieren, die Schwerpunkt des dritten Bandes „Provenzalische Intrige“ ist. Dabei wohnte ich in der Nähe von Saint-Rémy-de-Provence, einer pittoresken Kleinstadt am Fuß der Alpillen. Während meiner Spaziergänge durch den Ort fiel mir ein gelbrotes Schild auf, auf dem der okzitanische Straßenname abgebildet war. Da ich immer auf der Suche nach geeigneten Motiven für meine Lesungen bin, machte ich ein Foto und vergaß es dann wieder. Erst bei der Sichtung des Bildmaterials fiel es mir erneut ins Auge. Ich wusste, wie schwer es die Minderheitensprachen in Frankreich haben, und wie hartnäckig sich die Kommunen gegen ein Vergessen sträuben. Seit der französischen Revolution im Jahr 1789 versucht der französische Staat, sämtliche Dialekte aus dem öffentlichen Leben zu vertreiben. Einzige Amtssprache ist das Französisch, als Zeichen der nationalen Einheit. Das Okzitanische (zu dem auch das Provenzalische gehört), Elsässische, Bretonische, Katalanische und Baskische drohten auszusterben. Bis sich Teile der Bevölkerung auflehnten und gegen die Unterdrückung zur Wehr setzten.


Die okzitanische Hymne „Se canta“

© Wikipedia
Ich erinnerte mich an ein Video, das ich vor zwei Jahren gesehen hatte. Es ist die Aufzeichnung der okzitanischen Hymne, unterlegt mit verwackelten Bildern demonstrierender Menschen mit rotgelben Fahnen. Eingestellt von einem Mann, der für die okzitanische Unabhängigkeit kämpft. Einer Bewegung, die mit den Abspaltungsbestrebungen Kataloniens an Fahrt aufnimmt und längst auch die Provence erfasst hat. Auch kulturelle Veranstaltungen erleben seit einigen Jahren einen neuen Zulauf – von den traditionellen Feux de la Saint-Jean bis hin zu Festivals mit okzitanischen Rockbands. Und plötzlich wusste ich, wie ich den Plot gestalten wollte, die Idee zum Buch „Provenzalisches Feuer“ war geboren!


Was hat Okzitanien mit der Provence zu tun?

Okzitanien bezeichnet einen historischen Sprach- und Kulturraum im Süden Frankreichs. Er reicht von Katalonien über die Provence bis in das Piemont hinein und ist damit um ein Vielfaches größer als die gleichnamige, 2016 neu gebildete Verwaltungsregion. In der Provence entstand 1854 der erste Widerstand gegen die Unterdrückung der Sprachkultur. Der Literat und Nobelpreisträger Frédéric Mistral gründete gemeinsam mit sechs Kollegen die Félibrige. Ihr Ziel war es, die vielen okzitanischen Dialekte zu einer Literatursprache, dem Provençal, zu vereinen und zu neuer Bedeutung zu verhelfen. Diese Vereinigung gibt es noch heute. Gemeinsam mit dem Institut d’Estudis Occitans bildet sie die Basis der okzitanischen Sprachbewegung.

für eine größere Ansicht bitte anklicken
© Sophie Bonnet


Was bleibt

Die Recherchen zu Pierre Durands vierten Fall haben mir neue Einblicke in die provenzalische Seele gebracht. Seither sehe ich den Begriff „Identität“ mit neuen Augen. Ich habe gelernt, dass es illusorisch ist, kulturelle und sprachliche Identitäten ignorieren zu wollen, da diese Teil des Selbstbewusstseins sind, in jeder Kultur dieser Welt.

Natürlich gibt es in diesem Band auch einige heitere Themen. Köchin Charlotte steht vor der Eröffnung ihrer Epicérie, Assistent Luc ergießt sich in Templergeschichten und die älteren Bewohner von Sainte-Valérie planen eine kleine Revolution. Und auch die herrliche Landschaft spielt wieder eine ganz besondere Rolle – Pierres Recherchen führen durch den Luberon bis zu den Alpillen.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern eine unterhaltsame Reise in das alte Okzitanien und viel Vergnügen mit Pierres viertem Fall!

Herzlich,
Sophie Bonnet


  • Broschiert: 320 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Verlag (22. Mai 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 376450613X
  • ISBN-13: 978-3764506131





Liebe Grüße,
Claudia

Sonntag, 14. Mai 2017

[Stefanies Rezension] Koch, Krischan - Flucht übers Watt

Gastrezension von Stefanie


Es ist leider nicht Thies Detlefsen

Nachdem ich begeistert alle Nordsee-Krimi-Hörbücher von Krischan Koch um den klischeebehafteten Polizisten Thies Detlefsen gehört habe, hatte ich mich sehr auf das Nachfolgehörbuch „Flucht übers Watt“ von Krischan Koch gefreut. Tatsächlich ist das Hörbuch, das gerade im DAV (der Audio-Verlag) erschien, jedoch ein Hörbuch zu Kochs gleichnamigem Debütroman. Das Hörbuch ist erschienen als mp3-CD mit fast 8 Stunden Spieldauer und wird gelesen von Jürgen Holdorf.


Harry Oldenburg ist ein begnadeter Kunstdieb und Kunstfälscher. Es gelingt ihm fast mit Leichtigkeit, einige Noldes aus dem berühmten Nolde-Museum in Seebüll zu entwenden, u.a. auch die berühmten „Feriengäste“. Aber seinen besten Freunden, die dem illegalen Geschäft ebenso zugetan sind, entgeht Harrys Coup nicht. Harry flüchtet nach Amrum, findet ein tolles Versteck frü die drei Damen und den Mann mit der Schirmmütze, muss das Bild aber schließlich zurück lassen. 18 Jahre später möchte er sein Werk vollenden, und er hat seine amerikanische Freundin und Komplizin mitgebracht. Aber „Die Feriengäste“ sind nicht mehr dort, wo Harry sie zurückgelassen hat...

Das Hörbuch ist amüsant und kurzweilig und gut hörbar, aber es bleibt ohne Höhen und Tiefen. Es gibt ein paar Morde, und es ist ganz witzig, wie Harry immer wieder mit mehr Glück als Verstand seinen Weg geht. Vergleiche ich aber mit Thies Detlefsen aus der anderen Nordsee-Reihe von Krischan Koch, so liegt „Flucht übers Watt“ um Längen zurück, da es nicht mit dem Humor der anderen Reihe mithalten kann, aber als normaler Krimi dann vielleicht doch zu wenig Spannung aufweist. Wäre es ein Folgebuch von der Detlefsen-Reihe, so wäre ich enttäuscht. Als Debütroman von Krischan Koch kann man „Flucht übers Watt“ aber gelten lassen.

Fazit: Hier ist ein gut gelesenes, kurzweiliges Hörbuch entstanden, das aber keine Besonderheiten aufweist. Es ist wirklich ganz gut, aber man muss es nicht gehört haben. Wenn der zweite Roman um Harry Oldenburg als Hörbuch umgesetzt wird, würde ich es auf jeden Fall hören wollen, vor allem auch, um zu sehen, wie sich Harry entwickelt hat. Wer aber Krischan Koch noch nicht kennt, sollte lieber anfangen mit „Rote Grütze mit Schuss“.

  • MP3: 1 CD - 7h 58min
  • Verlag: Der Audio Verlag (7. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 386231989X
  • ISBN-13: 978-3862319893
  • Verlag:
    http://www.der-audio-verlag.de/


Liebe Grüße,
Claudia

Samstag, 13. Mai 2017

[Neuerscheinungen] Juni 2017


für den Monat

Juni

für die Klappentexte klickt bitte auf die Cover, dann gelangt ihr zu Amazon

Föhr, Andreas - Wallner-&-Kreuthner (06) Schwarzwasser
Musso, Guillaume - Das Mädchen aus Brooklyn
Herrmann, Jutta Maria - Amnesia
Marie Matisek -  Mirabellensommer
Nicole Steyer - Die Gaukler und die Tänzerin
 Winslow, Don - Corruption
Coben, Harlan - Mickey Bolitar ermittelt: Das dunkle Haus
Berg, Ellen - Ich schenk dir die Hölle auf Erden: (K)ein Trennungs-Roman
Morgan, Sarah - Ein Sommergarten in Manhattan
Ohlsson, Kristina - (Martin Benner (02) Bruderlüge
Beck, Zoë - Die Lieferantin
Clarke, Lucy - Die Bucht, die im Mondlicht versank


Auf welchen Roman freut ihr euch am meisten?

Liebe Grüße,
Claudia