Samstag, 20. Mai 2017

[Stefanies Rezension] Healey, Emma - Elizabeth wird vermisst

Gastrezension von Stefanie


Sehr authentisch

Emma Healey, die Autorin von „Elizabeth wird vermisst“ muss wohl selbst mit einer dementen Mutter oder anderen Person zusammengelebt haben. Ein solcher Roman wäre ihr sonst vermutlich nicht gelungen. Ihr Roman sollte von allen gelesen werden, die mit dementen Personen zu tun haben, denn er hilft ganz sicher, Demenz und Demenzkranke besser zu verstehen.

Ich habe das Hörbuch von „Elizabeth wird vermisst“, erschienen im Lübbe Audio Verlag als gekürzte Lesung und gelesen von Katharina Thalbach, gehört und werde somit auch das Hörbuch bewerten. Dazu sei vorab zu sagen, dass die Sprecherin, die eindeutig die Stimme einer älteren Dame hat, das Hörbuch sehr treffend und glaubhaft liest. Oft ist die Verzweiflung einer dementen Frau, der keiner glaubt und die ihre eigenen Probleme hat, genau zu spüren. Das Hörbuch gefällt mir daher sehr gut.

Zum Inhalt: Maud ist dement. Sie kann nicht mehr allein wohnen und wohnt nun bei ihrer Schwester. Die Veränderungen kann Maud nicht verstehen, und verstehen kann sie auch nicht, dass ihre beste Freundin Elizabeth spurlos verschwunden ist. Sogar eine Suchanzeige gibt Maud daher auf. Während die demente, liebenswürdige alte Dame jeden Tag Pfirsichkonserven kauft, erinnert sie sich auch an ihre Schwester, die vor langer Zeit verschwunden zu sein scheint, und immer sucht sie Elizabeth...

Das Buch hilft, die Denkweisen und die Verzweiflung dementer Menschen zu verstehen. Wer sich oft fragt, was in ihnen vorgeht, der scheint hier Antworten zu bekommen. Man kann wirklich mit Maud empfinden, was sie so handeln lässt, wie sie es tut, warum sie immer das Gleiche kauft, warum sie verloren geht... Jeder, der demente Menschen kennt, kann Maud verstehen oder versehen lernen. Die Autorin hat die Demenz so authentisch eingefangen, dass es nur wahrscheinlich ist, dass sie lange mit einer dementen Person Umgang hatte oder noch hat.

Insgesamt ist durch die Endlosschleife des Suchens nach Elizabeth sowie die etwas wirre Sichtweise von Maud aber der Handlungsverlauf etwas eintönig. Am Schluss gibt es noch gute Wendungen, aber vorher zieht sich die Verzweiflung der Protagonistin doch etwas in die Länge. Es ist mehr als nachvollziehbar, dass ein Leben mit Demenz und mit Dementen ganz genau so abläuft, und es ist eine Meisterleistung, wie die Autorin diese Krankheit hier beschrieben und verständlich gemacht hat, indem sie die Demente hier sprechen lässt, aber für den Zuhörer zieht sich der Handlungsverlauf dadurch etwas.

Fazit: Ich habe selbst schon mit Dementen zu tun gehabt und bin daher sehr dankbar für dieses Hörbuch. Ich denke außerdem, dass hier ein gutes und wichtiges Werk entstanden ist. Wie die Krankheit selbst ist aber der Handlungsverlauf oft lang und natürlich auch etwas wirr. Ich hätte mir dieses Hörbuch, das bereits gekürzt ist, etwas kürzer gewünscht. Daher gibt es einen Stern Abzug.

  • Audio CD
  • Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Audio) (13. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3785749376
  • ISBN-13: 978-3785749371
  • Verlag:

Liebe Grüße,
Claudia

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