Dienstag, 27. Juni 2017

[Die Story hinter dem Buch] Ivo Pala - Die Tote im Räucherofen

heute:



Ivo Pala - Die Tote im Räucherofen

 


„Die Tote im Räucherofen“ ist eine Küstenkrimi-Komödie und der erste Teil einer von mir geplanten Serie mit dem Titel „Ein Fall für Fuchs & Haas“. Das Buch – wie auch die kommende Serie – spielt hier oben in meiner neuen Heimat, der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns.

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich in verschiedenen Genres zu Hause fühle. Ich schreibe Thriller, Fantasy für Erwachsene, Jugendliche und Kinder und auch Regionalkrimis. Das hat zum einen mit meiner Vergangenheit als Drehbuchautor für das Deutsche Fernsehen zu tun. Hier ist genreübergreifende Flexibilität in hohem Maß gefordert. Zum anderen aber will ich schreiben, was ich selbst gern lese. Hätte ich mehr Zeit, würde ich zweifelsfrei auch Horror, viel mehr Historie, Science-Fiction und Abenteuerromane schreiben. Außerdem würde ich zu den meisten meiner bestehenden Romane auch noch die Drehbücher fertigen. Ich schreibe einfach für mein Leben gern. 

© Ivo Pala
Aber warum jetzt auch noch eine Küstenkrimi-Komödie? Auch hierfür kann ich auf Anhieb zwei Gründe nennen. Grund eins: Krimi-Komödien werden schon immer gern gelesen. Grund zwei: Ich habe eine ganze Weile lang Fantasy und Jugend- und Kinderbücher geschrieben, um mich mit ihnen von der teilweise doch recht erschreckenden Recherche zu meinen mehr realistischen Thrillern abzulenken. Dann aber kam die „Dark World Saga“, deren ersten beiden Teile „Schwarzer Horizont“ und „Schwarzer Sturm“ bei Knaur Fantasy erschienen sind. Die waren jetzt wiederum so düster und in der historischen Recherche so verstörend, dass ich wiederum Abwechslung und Ablenkung von ihnen brauchte. Und so ist das Projekt „Ein Fall für Fuchs & Haas“ entstanden. 

Aber es gibt außerdem einen dritten, einen noch um einiges schwerer wiegenden Grund: Ich lebe jetzt hier an der Küste, und ich will die Geschichten dieser Küste erzählen. Heitere und doch zugleich melancholische Geschichten. Geschichten im Spannungsfeld zwischen Moderne und uralter Zeit, Mystik und knallharter Realität. Ich will von dem ganz besonderen Menschenschlag erzählen, der hier zu Hause ist; vom Humor dieser Menschen, dem Pragmatismus, der Fähigkeit fortwährend sehnsuchtsvoll verträumt und gleichzeitig schon fast brachial bodenständig zu sein.

© Ivo Pala
Aus diesem Wunsch heraus ist auch das Ermittler-Duo entstanden – Bodo Fuchs und Gisa Haas. Erzählt wird der Krimi dabei von Bodo, mit seiner ganz eigenen Stimme in der Ich-Form. Als Schriftsteller versuchst Du natürlich immer, ganz besondere Charaktere zu erschaffen; mit außerordentlichen Ausprägungen, Ecken und Kanten. Mit vielen Facetten und Farben. Bei Bodo Fuchs habe ich das in vollem Bewusstsein auf die Spitze getrieben, was ihn zu einem recht unkonventionellen Charakter macht. Zumindest im literarischen Sinne – dabei ist er sehr viel realistischer und authentischer gelungen als viele der „Kommissar-Schablonen“, die man so kennt. Das war mir ein Anliegen; auch wenn mir durchaus bewusst war, dass es LeserInnen geben mag, deren Akzeptanz hier herausgefordert wird. Ich konnte und wollte einfach nicht anders, als ihn so zu zeichnen, wie ich ihn gezeichnet habe. Ich habe mich dabei auch eher als Chronist gefühlt, weniger als Erfinder. Bodo, der Charakter war plötzlich da und hat mir vorgegeben, wie ich ihn präsentiere. Einiges an ihm und auch an seinem Handeln innerhalb des Buchs ist unbequem und für einen Teil der Leserschaft schwer verdaulich. Aber abgesehen davon, dass ich als Kunsthandwerker gar keine andere Wahl hatte, ihn so darzustellen, wie er sich mir präsentiert hat – unter anderem auch, weil „Weichspülen“ einfach nicht in mein Glaubens-Konzept passt –, ist mit ihm eine Figur gelungen, die einem gerade wegen ihrer authentischen Markanz lange in Erinnerung bleibt. Und dadurch, dass Bodo so wunderbar skurril ist, kann auch seine Partnerin, die Haas, weit über die Grenzen herkömmlicher Ermittler-Figuren hinaus wachsen. Daran habe ich bei den Stories um die beiden den größten Spaß.

Ebenso kurios-bizarr wie die beiden Ermittler ist dann auch schon der erste Fall, den sie miteinander lösen müssen: Die Tote im Räucherofen. Auch hier war meine Hauptorientierung das Spannungsfeld zwischen knallharter Realität und der Mystik der Küste. Ein Teil dieser Realität, den man hier oben in Mecklenburg-Vorpommern ganz deutlich erlebt, ist die auch wirtschaftlich enorme Polarität zwischen Otto-Normal-Bürgern und Millionen schweren Investoren; dem Wunsch, dass die Dinge so heimelig bleiben wie sie einmal waren, auf der einen Seite, und der Besessenheit, alles zu modernisieren, was nur geht, um so viel Profit wie nur möglich aus dem boomenden Tourismus zu schlagen, auf der anderen. Dem gegenüber stehen dann noch Aberglaube und die uralten Gesetze des Nordens. Da hatte ich was zum Austoben, und ich habe mir große Mühe gegeben, diese Gegensätze – dieses Aufeinanderprallen von Alt und Jung – nicht nur zum Leitthema den Buches zu machen, sondern sie auch in wirklich jedem einzelnen Kapitel auf allen erdenklichen Ebenen widerzuspiegeln.
Ich überlasse es der geneigten Leserschaft, zu urteilen, ob mir das auch wirklich gelungen ist.

geschrieben von
Ivo Pala

  • Format: Kindle Edition
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 346 Seiten
  • Verlag: Likedeeler; Auflage: 1 (23. Februar 2017)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch




Liebe Grüße,
Claudia

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen