Dienstag, 12. September 2017

[Die Story hinter dem Buch] Lilli Beck - Wie der Wind und das Meer


heute:


Lilli Beck - Wie der Wind und das Meer

 



Die Ausgangsidee zu dieser Geschichte tauchte bereits 2014 auf, als ich für Glück und Glas, meinem ersten zeitgeschichtlichen Schicksalsroman, recherchierte, und bei diesem Roman waren sie besonders aufwühlend. Teilweise brachten mich die Berichte und Dokumentationen zu den Waisenkinder immer wieder an den Rand der Tränen und ich musste oft unterbrechen, um den nötigen Abstand zu gewinnen, ohne den ich viele der tragischen Ereignisse nicht hätte beschreiben können. Nie war ich so dankbar für meine relativ gesicherten Lebensumstände, wie während der Arbeit an diesem Roman.

Wie auch im ersten Roman beginnt die Handlung wieder mit dem Ende des 2. Weltkriegs, bei dessen Ende schätzungsweise eine halbe Million Kinder ihre Eltern verloren hatten und zu Vollwaisen geworden waren. Darunter unzählige traumatisierte Kleinkinder, die nicht wussten, wer ihre Eltern sind, noch ihren richtigen Namen oder ihr Geburtsdatum kannten.

Krieg ist die schlimmste von Menschen gemachte Katastrophe, die ein Volk treffen kann. Doch am grausamsten trifft es die Kinder, die unschuldig sind und doch die Konsequenzen dieses Irrsinns mitzutragen haben. Ganz besonders tragisch sind Schicksale von Waisenkindern. Heute scheint es uns unvorstellbar, und wir fragen uns, wie das überhaupt möglich war. Wieso hat niemand bemerkt, dass sie allein durch die Trümmerwüste irrten, sich in irgendwelchen Kellerlöchern versteckt oder sogar im Wald gelebt haben?
Ich habe mich gefragt, wie sie überleben konnten? Hat sich irgendjemand ihrer angenommen, sie versorgt, oder kamen sie schließlich in Waisenhäusern unter? Inzwischen kursieren massenhaft Erlebnisberichte von überlebenden Kindern, die nie erfahren haben, wer sie sind und woher sie kamen.
Einige Glückliche wurden adoptiert, und das war ein weiterer aufregender Punkt. Denn das damalige Adoptionsgesetz, wer Kinder aufnehmen durfte und warum, unterschied sich doch sehr zum heutigen Gesetz. Das hat die Story nachhaltig beeinflusst.
Des weiteren waren die ersten Nachkriegsjahre von Entbehrungen und Hunger geprägt. Es fehlte vor allem an Lebensmitteln und Wohnungen. Die Münchner Innenstadt war zu 90% zerstört und 300.000 Bewohner obdachlos. Einige Experten wollten München gar dem Erdboden gleichmachen und am Starnberger See neu aufbauen. In Berlin waren von über 1,5 Millionen Wohnungen nur noch knapp 400.000 sofort wieder bewohnbar. Experten hatten für den Wiederaufbau der Städte unfassbare 40 bis 50 Jahre geschätzt. Wenn man diese Zahlen hört, kann man sich vorstellen, dass ganz Deutschland ein einziges Trümmerfeld war und jeder sich durchkämpfen musste. Inmitten dieser zerstörten Städte als Kind ohne Eltern zu überleben, kam einem Wunder gleich. Nicht wenige dieser Kinder schlossen sich zu Banden zusammen, hausten in Kellerlöchern, suchten in den Trümmern nach Verwertbarem und schlugen sich mit kleinen Diebstählen durch. Niemand kümmerte sich um sie, jeder war mit den eigenen Nöten beschäftigt.

Trotz aller Recherche fehlte mir noch der richtige Einstieg in die Geschichte. Da kam mir der Zufall zu Hilfe, als ich meiner neunzigjährigen Mutter beim Umzug half. Dabei entdeckte ich auf dem Dachboden einen alten Lederkoffer, der Fotos, Dokumente und einen Ahnenpass enthielt.




Für eine größere Darstellung bitte auf das Bild klicken.
für alle Fotos gilt:
© Lilli Beck

Solche Funde sind ja immer spannend. Leider konnte sich meine Mutter nicht erinnern, woher der Koffer stammt und wer auf den Fotos abgebildet ist. Vielleicht wollte sie auch nicht darüber reden. Und da ich finde, dass jeder ein Recht auf seine Geheimnisse hat, habe ich auch nicht weiter nachgehakt, aber den Koffer samt Inhalt mitgenommen.

Die nächste Inspirationsquelle war dann eine alte, ziemlich ramponierte mit Sägemehl gefüllte Puppe, die ich auf dem Flohmarkt entdeckte.

© Lilli Beck

Diese „Zutaten“ ergaben den Beginn der Geschichte, und zusammen mit den Widrigkeiten der Nachkriegsjahre entstand die Story, vor dem Hintergrund der Entwicklung Deutschlands.


Klappentext
München, im April 1945:
Nach einem verheerenden Fliegerangriff irrt der elfjährige Paul mit einem Koffer durch die Trümmerlandschaft. Auf der Suche nach einem Versteck trifft er auf ein kleines Mädchen. Sie heißt Sarah, hat wie er ihre Familie verloren – und sieht Pauls Schwester verblüffend ähnlich. Um in der verwüsteten Stadt nicht allein zu sein und von den Behörden nicht getrennt zu werden, schließen Paul und Sarah einen Pakt: Von nun an werden sie sich als Geschwister ausgeben. Ihr Plan geht auf. Doch wie hätten sie ahnen können, dass Jahre später ihre Notlüge ihr Verhängnis werden würde – und dass sie sich würden verstecken müssen, um sich lieben zu dürfen …
Quelle: Blanvalet Verlag

Das ist natürlich nur eine Zusammenfassung der Anfangsgeschichte, denn bis sich die beiden ineinander verlieben, vergehen einige Jahre, in denen sie vieles durchmachen müssen, was sie umso enger miteinander verbindet.

Ich danke Claudias Bücherregal für die Chance, hier mein Buch vorstellen zu können.

geschrieben von
Lilli Beck



  • Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Verlag (18. September 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 376450577X
  • ISBN-13: 978-3764505776




Liebe Grüße,
Claudia

Kommentare:

  1. Hallo,

    Danke für den interessanten Beitrag. Das Buch ist mir schon in der Vorschau aufgefallen und jetzt möchte ich es auf jeden Fall lesen.
    Viele Grüße Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Andrea,

      mir ging es auch so. In der Verlagsvorschau schon gedacht, das könnte etwas sein und nach diesem Beitrag war klar, es muss mindestens auf die Wunschliste :)
      LG Claudia

      Löschen