Dienstag, 12. April 2011

[Rezension] Rautenberg, Juli - Zwölf Monate, siebzehn Kerle und ein Happy End: Das Single-Experiment

Julia ist 28 Jahre alt und seit 3 Jahren Single. Unglücklicher Single natürlich, denn "Glücklicher Single" ist für sie ein Widerspruch in sich. Sie hat es satt alleine zu sein und da die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Traummann einfach irgendwann vor ihrer Tür steht und klingelt recht gering ist, ergreift sie selbst die Initiative. 12 Monate wagt sie ein Single-Experiment, bei dem sie jeden Monat eine andere Strategie anwenden will, um Mr. Right zu finden. Ihre Erfahrungen veröffentlicht sie auf dem eigens dafür erstellten Blog http://www.das-single-experiment.de/.


Vorab kann ich gleich festhalten: Natürlich erfindet Juli Rautenberg das Rad nicht neu. Sie selbst ist auf die 12 verschiedenen Mottos ihrer Traummannsuche durch Frauenzeitschriften, das Internet, Freunde und bisherige Erfahrungen aufmerksam geworden und wirklich etwas Neues ist nicht dabei, eher so die typischen Anlaufstellen, wenn man seinen Beziehungsstatus ändern will. Auch die Erfahrungen, die Juli bei diesem Experiment sammelt sind recht bekannt. Das meiste hat man schon einmal selbst erlebt oder eine Freundin, anderenfalls kennt man es aus Büchern oder aus Filmen. Ich habe aber auch keine revolutionäre Entdeckungen erwartet, sondern wollte einfach gut unterhalten werden und das hat Juli Rautenberg definitiv geschafft.

"Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
die Torschußpanik macht sich breit." (Seite 36)
Ihre Monats-Mottos sind das Who-is-Who unter den Strategien "Wie lerne ich einen Mann kennen?", wenn wir mal davon ausgehen, dass es sich um Personen handeln würde und das "Who" damit angebracht wäre. Altbekanntes, Dauerbrenner oder neumodischer Kram - die Mottos sind vielfältig. Da wäre u.a. das Verkuppeln, Liebe am Arbeitsplatz, Speeddating, Singlepartys oder auf Exfreunde zurückgreifen. Die Theorie bietet da eine Vielzahl an Möglichkeiten, viele scheitern allerdings in der Praxis. Das Resultat des Experiments wird bereits durch den Titel verraten: 12 Monate - 17 Kerle - und ein Happy End. Das lässt dann doch zumindest etwas hoffen.

"Ich habe gelogen, als ich sagte, essen sei mein größtes Hobby. Ich hatte die Selbsterniedrigung vergessen." (Seite 15)
Ich würde behaupten, Juli ist eine typische Frau, zumindest in Bezug auf ihr Verhalten Männern gegenüber und dem Versuch aus dem Single-Dasein auszubrechen. Sie erfüllt ziemlich viele Klischees, aber ich befürchte das machen in diesem Zusammenhang viele Frauen, auch wenn sie es selbst gar nicht wollen. Wer kann sich schon komplett davon frei machen, den Nachnamen eines Mannes bereits nach dem 1. Date an den eigenen Vornamen angehängt zu haben, um zu schauen, ob es gut klingt? Oder auf einen Anruf zu warten, nachdem der Mann behauptet hat, er würde anrufen, da ihm die Verabredung sehr gefallen habe? Oder sofort an sich zu zweifeln und die Probleme immer bei sich selbst zu suchen, obwohl der Mann eindeutig der "Schuldige" ist? Die Traummannsuche ist schon nicht leicht.

"[Ich] hatte die beschissensten zwei Stunden meines bisherigen, kümmerlichen Daseins. Ich habe Lebenszeit vergeudet, und schon das sollte ich ihm in Rechnung stellen, von der Frikadelle, die ich seitdem am Ohr herumtrage, ganz zu schweigen." (Seite 112)
Das Buch ist wirklich humorvoll und unterhaltsam geschrieben. Gerade dadurch, dass es vieles Bekanntes behandelt, fühlt man sich Juli nahe und lacht und fühlt mit ihr. Der Schreibstil ist toll und die Kapitel lassen sich eins nach dem anderen entspannt weglesen. Ich fand es auch sehr positiv, dass Juli nicht krampfhaft jeden Tag auf dem Blog berichtet hat, sondern nur dann, wenn es wirklich etwas zu berichten gab.

"Das ist kein Bad-Hair-Day, das ist ein Bleib-lieber-zuhaus'-du-Vogelscheuche-Tag." (Seite 196)
Der Roman ist meiner Meinung sowohl für Singles als auch für vergebene Frauen bestens geeignet. Singles werden sich freuen, dass es nicht nur ihnen so geht, sondernd dass Juli die gleichen Pleiten-Pech-und-Pannen durchmacht und vergebene Frauen werden sich immer wieder freuen, dass sie vom Markt verschwunden sind und diese Erfahrungen nicht mehr machen müssen.

"Es ist anstrengend, die Liebe zu suchen. Aufregend, lustig, abwechslungsreich und manchmal deprimierend, aber irgendwie auch anstrengend." (Seite 197)
Fazit: Das Buch hat mich durch seinen lockeren, humorvollen Schreibstil überzeugt. Es macht wirklich Spaß Julis Kampf gegen das Single-Dasein zu verfolgen und ich kann das Buch daher nur empfehlen.
  • Broschiert: 208 Seiten
  • Verlag: Eichborn (22. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3821866048


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