Freitag, 6. Mai 2011

[Rezension] Lelic, Simon - Ein toter Lehrer

 
Die gesamte Schule ist in der Aula versammelt, als der Geschichtslehrer diese betritt und das Feuer eröffnet. Er tötet drei Schüler, eine Lehrerin - und anschließend sich selbst. Das Urteil ist schnell gefällt, der Lehrer war ein kranker Psychopath, ein Verrückter - und wenn man drüber nachdenkt, erschien er von Anfang an sehr merkwürdig.




Genau darauf setzt der Roman sein Augenmerk. War der Lehrer wirklich ein kaltblütiges Monster und warum hat er das Blutbad veranstaltet? Detective Lucia May soll den Fall schnell klären, denn die Schule bangt um ihren guten Ruf und möchte den Vorfall möglichst schnell vergessen. May hingegen erhält durch etliche Zeugenaussagen ein ganz anderes Bild über den Täter. Sie erfährt von Mobbing seitens der Schüler und anderer Lehrer gegen ihn und von Grausamkeiten und Gewalt, denen er sich ausgesetzt sah. Aber ist es wirklich angebracht mit dem Amokläufer Mitleid zu haben

" Irgendwer ist ausgetickt. Bei der Versammlung. In der Aula.
Hat um sich geballtert." Seite 10

Überraschend ist nicht nur die Geschichte, in der Simon Lelic aufzeigt, dass es immer zwei Seiten einer Story gibt, sondern auch die Erzählweise. Der Hauptteil des Buches besteht nämlich aus Zeugenaussagen. Eltern, Lehrer, Schüler oder auch der Direktor der Schule - sie alle kommen zu Wort. Die Zeugen berichten über ihr Verhältnis zum Amokläufer, wie sie ihn einschätzen, und bietet somit viele verschiedene Blickwinkel, denn jeder hat etwas anderes zu dem Fall zu berichten. Unterbrochen werden die Zeugenaussagen durch Kapitel in denen Lucia May in diesem Fall ermittelt. Sie selbst ist übrigens auch manchmal Mobbingopfer ihrer männlichen Kollegen. Durch die Gesamtheit der Aussagen erhält Lucia ein interessantes Gesamtbild über den Geschichtslehrer und will dieses weiter verfolgen, wobei sie oft gegen verschlossene Türen läuft. 

Die verwendete Erzählweise ist speziell und ungewohnt vor allem, da dem Leser bei den Zeugenaussagen immer nur die Passagen der Zeugen vorgelegt werden, nicht aber die des Fragenstellers. Schnell gewöhnt man sich aber an dieses Verfahren und baut sich sein eigenes Bild über den Täter, wie ein Puzzle, zusammen. Der Roman hat mir gut gefallen, sowohl vom Schreibstil, als auch vom Inhalt her. Es ist wirklich erschreckend, was manche Menschen anderen antun. Allerdings habe ich des Öfteren Zeugenaussagen als etwas langatmig empfunden, in denen der Befragte vom Thema abkommt und Belangloses erzählt. Dieses mag zwar in der Realität auch der Fall sein, aber beim Lesen des Romans hat es mich etwas gestört.


Fazit: Alles in allem bietet der Roman eine sehr interessante Sichtweise auf das Thema Mobbing.
  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Droemer (14. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342619869X
  • ISBN-13: 978-3426198698

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