Mittwoch, 27. Juli 2011

[Rezension] Fitzek, Sebastian - Der Augensammler

Der Augensammler geht immer nach dem gleichem Schema vor. Er tötet die Mutter und entführt ihr Kind. Der Vater erhält dann 45 Stunden, das Kind in seinem Versteck zu finden, bevor es sterben wird. Wird das Kind nicht entdeckt, entfernt der Augensammler das linke Auge der Leiche. Karlas, Melanies und Roberts linkes Auge sind bereits in seiner Sammlung und weitere könnten bald hinzu kommen, denn die Zwillingskinder Tobias und Lea werden vermisst, während ihre Mutter tot mit einer Stoppuhr in der Hand aufgefunden wurde. Der Countdown läuft: 45 Stunden ...


Familiär läuft es für Alexander Zorbach gerade nicht so gut. Seine Frau und er werden sich bald scheiden lassen und für seinen Sohn hat er leider nie so viel Zeit, wie er gerne mit ihm verbringen möchte, da sein Beruf ihm immer wieder in die Quere kommt. Er war früher Polizist, aber nach einem verheerenden Zwischenfall musste er diesen Job aufgeben und verdient sein Geld nun als Polizeireporter, der sich beruflich zurzeit mit der grausamsten Mordserie der Nachkriegsgeschichte beschäftigt. Seit Wochen berichtet er über den Augensammler, aber bisher gibt es keine Hinweise darauf, wer sich hinter diesem Pseudonym versteckt. Dann trifft er unter mysteriösen Umständen auf die blinde Physiotherapeutin Alina Gregoriev, die behauptet, dass der Augensammler gestern in ihrer Praxis war. Durch eine Körperberührung konnte sie in seine Vergangenheit sehen und die Bilder waren eindeutig, er ist der Augensammler. Aber wie soll ihm eine blinde Frau bei der Suche helfen - vorausgesetzt er kann ihr und ihrer angeblichen Eingebung überhaupt trauen.

Der Thriller ist mittlerweile als Taschenbuch erschienen und als erstes fällt auf, dass der Roman mit dem Epilog beginnt, gefolgt vom letzten Kapitel und sich dann bis zum Prolog vorarbeitet. Passend dazu laufen die Seitenzahlen rückwärts. Was ich anfangs für einen merkwürdigen Produktionsfehler hielt, kommentiert Sebastian Fitzek am Anfang des Buches als Absicht und weißt darauf hin, dass sich am Ende des Buches der Grund dafür finden lassen wird.

Es gibt nur wenige Momente, in denen es uns Menschen gelingt, einzig und allein für den Augenblick zu leben. In denen es keine Zukunft und keine Vergangenheit gibt, nur ein Hier und Jetzt. (Seite 35) 

Mit den einzelnen Kapiteln wechselt die Erzählperspektive sehr oft. So erhält der Leser unter anderem Eindrücke aus der Sicht von Alexander Zorbach, einem entführten Kind oder den Ermittlern der Mordkommission. Dieser Wechsel sorgt dafür, dass es beim Lesen nicht langweilig wird, besonders da der Schreibstil sich dem jeweiligen Charakter anpasst. Die Kapitel aus Sicht des Kindes wurden also anders geschrieben, als die Kapitel aus Alexander Zorbachs Sicht. Jedes Kapitel hat zudem eine Überschrift mit der Nummerierung und einer Angabe, aus wessen Sicht gerade geschildert wird. Das gefällt mir richtig gut, denn ich mag es nicht, wenn man erst 3 Seiten lesen muss, um dann zu erfahren, wer gerade berichtet.

Kommen wir zu dem Genre. Der Roman wird als Psychothriller angepriesen und da ich dieses Genre liebe, liegen meine Erwartungen an diese Bücher ziemlich hoch. Zusätzlich wird sowohl das Buch als auch der Autor seit (mindestens) einigen Monaten extrem gehypt und damit stiegen meine Ansprüche erneut. Mit "Der Augensammler" konnte Fitzek all meine Bedenken sofort beiseite schieben und mich schon nach wenigen Seiten überzeugen. Der Roman bietet alles, was man von einem Psychothriller erwartet: Eine tolle Handlung, Charaktere, bei denen man nie sicher ist, ob sie gut oder böse sind, psychologische Ansätze, Verwirrungen, ein Spiel mit Schicksal und Zufall, Spannung von der ersten bis zu letzten (!) Seite und eine gelungene, zufrieden stellende Auflösung am Ende. All das verkörpert "Der Augensammler" und wird mit einem tollen, flüssigen Schreibstil dargeboten. 

Der Roman weist ein paar Grausamkeiten auf, konzentriert sich aber meistens auf "Psycho-Spielchen", die hervorragend ausgetüftelt sind, perfekt in einander übergehen und den Leser immer wieder überraschen. Viele der Kapitel haben am Ende gemeine Cliffhanger, so dass man gar nicht weiß, wo man das Buch einmal pausieren könnte. Die Spannung wird ständig erhöht und es gibt keine langweiligen Passagen in diesem Roman. Alles ist wichtig, fügt sich zu einem perfekten Gesamtbild zusammen und der Leser kann die Auflösung kaum erwarten. Ich selbst lese nie das Ende eines Thrillers zu erst, aber bei diesem Roman musste ich ständig der Versuchung wieder stehen, doch schon einmal vorzublättern, um die Auflösung zu erfahren. Ich bin froh, dass ich es nicht gemacht habe, denn am Ende wartet eine weitere Überraschung, die die Nerven ein letztes Mal strapaziert.


Fazit:  Ein Psychothriller, der seinem Namen alle Ehre macht und einem die Schuhe auszieht. Spannend bis zur letzten Seite.
  • Taschenbuch: 464 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (1. Juni 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426503751
  • ISBN-13: 978-3426503751
 Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich ganz ♥-lich bei

PS:  Im September kommt mit "Der Augenjäger" eine Fortsetzung heraus:
Mit diesem Roman geht Sebastian Fitzek auch auf Lesetour. Ich hatte euch die Termin schon einmal gepostet, aber hier könnt ihr noch einmal nachlesen: Sebastian Fitzek präsentiert seinen neuen Thriller "Der Augenjäger"

    Kommentare:

    1. Hm, nun hast du mich aber neugierig gemacht. Es stand eigentlich nicht auf meiner Leseliste. Mal sehen, ob mir mein Kind das dann doch mal ausborgt.

      LG
      Monika

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    2. Von Sebastian Fitzek habe ich auch sehr viel gutes gehört/gelesen. Jetzt hast du mich auch neugierig auf das Buch gemacht.. Schöne Rezension. Liebe Grüße, Diti

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    3. Schön, dass ich euch neugierig gemacht habe. Das Buch ist wirklich suuuuper!
      LG Claudia

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    4. Hallo Claudia!

      Als großer Fitzek-Fan habe ich natürlich schon alle seiner Psychothriller gelesen und warte ungeduldig auf "Der Augenjäger". :)

      LG, Sabine

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    5. Find ich ja klasse, daß es Dir auch so gut gefallen hat. Ich bin auch schon ganz gespannt auf das nächste und da in meiner STadt eine Lesung stattfindet, grübel ich stark, ob ich da nicht hin soll :)

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    6. hallo claudia,

      damals hab ich den seelenbrecher zur hälfte abgebrochen, weil ich überhaupt keinen richtigen einstieg in die geschichte fand. bis heute ist er ungelesen.

      aber jetzt wo ich deine rezi lese, bin ich am überlegen, es mal mit einem anderen buch von ihm zu versuchen, denn es klingt wirklich sehr spannend.

      liebe grüße,
      tamara

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    7. @Fabella: Du musst! Selbst ich geh und ich muss über 50km zu der Lesung fahren :)

      @Tamara: Seelenbrecher habe ich noch nicht gelesen, das BUch liebt noch auf meinem SUB. Aber der Augensammler ist wirklich toll, wenn man Psychothriller mag! Versuch es einfach mal mit dem Buch. Falls du es lesen solltest, kannst du ja mal sagen, wie es dir gefallen hat.

      LG Claudia

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    8. jaaaaa, ein großartiges buch!!
      tolle rezi!

      liebe grüße
      anka

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    9. Like :-)
      Eins meiner absoluten Lieblingsbücher und ich freu mich auch schon so dermaßen, wenn endlich der Augenjäger im Briefkasten liegt...

      Aber ich war auch vorher schon echter Fitzek-Fan und hab ständig anderen in den Ohren gelegen, wie "krank" der Gute ist ;-)

      Ich kann auf jeden Fall mich Deiner Meinung nur zu 100 % anschließen :-)

      Liebe Grüße
      Bine

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    10. Ich hab schon viel Gutes von dem Buch gehört und deine Rezi hat mich noch ein bisschen mehr überzeugt es jetzt dann mal zu lesen :D

      LG
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      http://baddicted.blogspot.de/

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      1. Ich hoffe, es wird dir gefallen!
        LG Claudia

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