Sonntag, 17. Juli 2011

[Rezension] Walters, Eric - We all fall down

Nach den Sommerferien ist Will in die Highschool gekommen. Seine Schule plant einen Praktikumstag für alle Schüler seiner Klasse und so wird Will morgen seinen Vater begleitet, wenn dieser ins Büro geht. Will rechnet mit einem langweiligen Tag und diesen würde er wahrscheinlich auch erleben, wenn sein Vater nicht ausgerechnet im World Trade Center arbeiten würde und wenn morgen nicht der 11.09.2001 wäre - der Tag, der die Welt verändern wird.



Jeder kennt die Geschichte um die World Trade Center Anschläge. Es gibt bereits zahlreiche Filme und Bücher zu diesem schrecklichen Ereignis, aber "We all fall down" war das erste Jugendbuch zu dieser schwierigen Thematik, welches mir begegnet ist. Der Protagonist in diesem Roman ist Will, ein ganz normaler Teenager, der in einer gut situierten Familie aufwächst. Als das erste Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers fliegt, befindet er sich gerade mit seinem Vater in der 85. Etage des Südturms. Nachdem auch dieser Turm von einem Flugzeug getroffen wurde, versuchen Will und sein Vater aus dem Gebäude zu gelangen. 85 Etagen liegen zwischen ihnen und der Freiheit, inklusive der Etagen, in die das Flugzeug hinein geflogen ist. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn der Leser weiß bereits, dass beide Türme nach kurzer Zeit in sich zusammen stürzen werden.

"Und sie [die Zwillingstürme] sind schön. Sie symbolisieren New York auf die gleiche Weise, wie der Eifelturm Paris verkörpert oder die Pyramiden Ägypten oder der Big Ben London." (Seite 41)
Romane über tatsächlich passierte Ereignisse sind etwas Besonderes, vor allem wenn es sich dabei um so eine schreckliche Katastrophe handelt, die die ganze Welt ins Stocken brachte und bei denen sich fast jeder Mensch daran erinnern kann, wie er von den Anschlägen zum ersten Mal erfahren oder was er an diesem Tag getan hat. Dieses Erlebnis aus der Sicht eines Teenagers zu präsentieren fand ich sehr interessant und es wurde auch gut von Eric Walters umgesetzt. Auf eine packende Art und Weise wird das Geschehen geschildert und bleibt dabei meist sehr realistisch, soweit man das als Unbeteiligter beurteilen kann. Wills Gefühle werden gut beschrieben und sehr passend fand ich die Passage, als Will Videos über das Attentat auf CNN sah und das Gefühl hatte, es wäre ein Film, obwohl er wusste, dass es der Realität entsprach und er selbst involviert war. Der Vater verhält sich die meiste Zeit über sehr, sehr ruhig - fast schon zu ruhig, aber es gibt natürlich auch Menschen, die in jeder Situation ihr ruhiges Verhalten beibehalten können, besonders wenn sie ihrem Kind keine zusätzliche Angst machen wollen. Daher kann man dieses Verhalten nicht einfach als unrealistisch bezeichnen, auch wenn die meisten Menschen sicherlich anders reagiert hätten.

">>Oh, mein Gott!<<, keuchte ich und trat vom Fenster zurück. Da waren, direkt vor meinen Augen, zwei Menschen Hand in Hand aus einem Fenster gesprungen." (Seite 81)
Zu der eigentlichen Thematik des Romans kommt noch eine gestörte Vater-Sohn-Beziehung hinzu. Die beiden haben keinen großen Bezug zueinander, da der Vater die letzten Jahre über oft und viel gearbeitet hat und somit kaum Zeit mit seinem Sohn verbringen konnte. Dieses schwierige Verhältnis mag auch der Grund dafür sein, warum die Dialoge zwischen den beiden manchmal etwas steif und hölzern erscheinen. Ansonsten ist der Schreibstil sehr flüssig, der Roman lässt sich schnell und gut lesen und der Leser kann bis zum Ende mit Will und seinem Vater mitfiebern.




Fazit:  Ein interessanter Roman, der an sich natürlich nicht viel Neues bietet, aber durch seine ausgefallene Erzählperspektive eine ungewohnte Sicht der Dinge widerspiegelt.

  • Broschiert: 224 Seiten
  • Verlag: Beltz; Auflage: 1., Lizenzausgabe (18. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3407742495
  • ISBN-13: 978-3407742490
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 13 Jahren

Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich ganz ♥-lich bei


Kommentare: