Montag, 29. August 2011

[Rezension] Nygaard, Martin - AUTOFOKUS: Moritz Motte will es wissen


Moritz Motte ist 14 Jahre alt und kämpft gerade mit dem Erwachsenwerden. Seine Eltern sind peinlich, in seinem Freundeskreis muss er sich behaupten und seine Position finden, die Schule nervt und er möchte endlich Sex haben und seine Unschuld verlieren. Sein Leben wird mittlerweile fast ausschließlich durch seine Hormone gesteuert ohne,  dass er viel dagegen unternehmen kann und kleine Fettnäpfchen verwandeln sich immer wieder in Katastrophen.


Autofokus ist der erste Band einer autobiografisch geprägten Jugendbuchtrilogie des norwegischen Autors Martin Nygaard. Er selbst ärgerte sich als Teenager darüber, dass viele Jugendbücher einfach nicht authentisch waren und sich meistens nur stereotypischer Jugendlicher bedienten. Dieses wollte er mit seiner Trilogie ändern. Es sollten Jugendbücher werden, die ehrlich und realistisch schildern, was Jungs auf dem Weg des Erwachsenwerdens durchleben und durchleiden müssen.

Der Ansatz gefiel mit total gut. Ein Roman aus der Sicht des männlichen Protagonisten Moritz Motte, der offen und ehrlich beschreiben soll, wie Jungs das Teenager Dasein empfinden. So würde man eventuell auch Teenager zum Lesen bekommen, die ansonsten mit Büchern nicht so viel anfangen können.  Der Autor geht auf alle relevanten Themen ein, die im Alltag eines 14 Jährigen auftauchen, aber ansonsten hat die Umsetzung  meinen Geschmack leider überhaupt nicht getroffen. Der Schreibstil ist zwar flüssig und gut zu lesen, der Umgang mit der Thematik "Sexualität" sehr offen und ehrlich, aber mir zum Teil einfach zu derbe, zu flach und zu übertrieben. Da der Roman (zum Teil) autobiografisch ist, kann ich natürlich nicht behaupten, dass manche Sachen im wirklichen Leben so nicht passieren würden, allerdings erscheint mir manches wirklich zu heftig. Ich kann nachvollziehen, dass die aufkeimende Sexualität, der Trieb und die Lust für Jungs in dem Alter schwer zu kontrollieren ist und das wird auch gut dargestellt, allerdings finde ich Situationen, in denen sich 11 Jährige Mädchen an 14 Jährige Jungs schmeißen und schon fast um Sex betteln oder 14 Jährige Zeitungsausträger, die sich durch den Briefschlitz einer Kundin selbst befriedigen einfach nicht ansprechend und das ist auch inhaltlich nichts, was ich Jugendlichen empfehlen möchte.

Natürlich spiegelt dieses lediglich meine Meinung wieder. Anderen Lesern mag das Buch vielleicht trotzdem oder gerade aufgrund dessen gefallen. Bezüglich der Schule, den Eltern und dem Verhalten unter Freunden spiegelt das Buch die Realität ziemlich gut wieder und erfüllt die Ansprüche des Autors ehrlich und authentisch zu sein.


Fazit:  Offenes und ehrliches Jugendbuch, dass für meinen Geschmack aber oft einfach "too much" war.

  • Gebundene Ausgabe: 232 Seiten
  • Auflage: 1 (14. Juli 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940650153
  • ISBN-13: 978-3940650153
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
  • Verlag: 



Kommentare:

  1. Eine schöne und ehrliche Rezension. Gefällt mir. "Too much" Bücher haben bei mir oftmals versagt, daher werd ich dieses Buch eher nicht lesen. LG, Diti

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  2. Ich kann mich Claudias Rezension nur anschließen. Der Grundgedanke, der diesem Buch zu Grunde liegt, mag ja nicht verkehrt sein, aber es ist einfach fruchtbar ordinär aufgearbeitet, maßlos übertrieben und in meinen Augen stellenweise echt geschmacklos.

    Eine Mutter von Sohn und Tochter

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  3. Für mich ist es ein literarisch hochwertiges und selten ehrliches Buch, welches Jungs nicht zum Schweigen verurteilt, sondern ihre (gelegentlich hier vielleicht dramatisierte Geschichte) ohne Selbst/Zensur erzählen lässt.
    Es spiegelt nicht nur Aspekte auch meines sexuell unbefriedengenden Lebens (und sicherlich vieler Jungs) als Tween wider, sondern macht Moritz Motte zu einer liebenswerten, manchmal tragischen Figur, über die wir manchmal schmunzeln, die nach Liebe, Anerkennung und Geborgenheit sucht.
    Um das zu begreifen, sollte man aber unbedingt das ganze Buch lesen - auch die Passagen, in denen der Protagonist sich in ein Mädchen im Rollstuhl verliebt und mit ihr tanzt, und die, in der sein Vater ihm nach Jahren einmal in wenigen Worten so etwas wie Anerkennung gibt!
    Pflichtlektüre für Jungs, Mädchen und deren Eltern!;-)
    Stanley

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