Sonntag, 23. Oktober 2011

[Rezension] Neuhaus, Nele - Tiefe Wunden

Hauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff müssen einen Mord aufklären, der einer Hinrichtung gleicht: Ein 92-jähriger Holocaust-Überlebender wurde mit einem Kopfschuss getötet. Bei der Obduktion der Leiche wurden die Reste einer SS-Tätowierung entdeckt und als kurz darauf zwei weitere Morde nach dem selben Muster begangen werden, müssen die Ermittler sich nicht nur auf die Aufklärung der einzelnen Mordfälle konzentrieren, sondern vor allem den Zusammenhang zwischen ihnen und die Verbindung zum Nationalsozialismus finden.

Nach "Eine unbeliebte Frau" und "Mordsfreunde" ist "Tiefe Wunden" der dritte Roman in der Bodenstein und Kirchhoff-Reihe. Die ersten beide Teile habe ich bisher weder gelesen noch gehört, aber dieses habe ich nicht als Nachteil empfunden, da die Fälle in sich abgeschlossen sind. Mittlerweile sind mit "Schneewittchen muss sterben" und "Wer Wind sät" bereits Band 4 und 5 erschienen.

Die Kurzbeschreibung hatte mich hauptsächlich deshalb angesprochen, weil ich die Geschichte hinter der SS-Tätowierung auf der Leiche des Holocaust-Überlebenden kennen lernen wollte. Man kann sich zwar in etwa zusammen reimen, was die Verbindung sein könnte, aber mich hat die gesamte Komplexität der Thematik interessiert und dabei wurde ich nicht enttäuscht. Den Inhalt des Romans, der die Vorlage zur gekürzten Hörbuchfassung liefert, empfand ich als sehr gut ausgearbeitet. Die Verbindung zwischen den Mordopfern ist rückblickend absolut offensichtlich, der Bezug zum Nationalsozialismus wurde gut in die Geschichte eingebaut und das Motiv für den Mord nachvollziehbar dargestellt. Gut gefallen hat mir, dass sich der Roman nicht im Nationalsozialismus verliert, sondern dass dieser neben Intrigen, Geldgier, Sucht nach Macht, Freundschaft und anderen Themen nur einen Aspekt des Inhaltes ausmacht. Diese verschiedenen Aspekte bieten etliche Handlungsstränge, die nach und nach sinnvoll miteinander verknüpft werden, so dass am Ende ein rundes Gesamtbild entsteht.

Gesprochen wird das Hörbuch von Julia Nachtmann, die mir sehr gut gefallen hat. Ihre Stimme ist sehr angenehm zu hören und passt sehr gut zu dem Krimigenre. Ihr gelang es überzeugend die verschiedenen Charaktere darzustellen und sie hat die Geschichte gut präsentiert. Dass es sich bei dem Hörbuch um eine gekürzte Fassung handelt, ist mir beim Hören nicht aufgefallen. Es wirkt trotzdem flüssig und lässt keine Lücken erahnen. Das einzige Problem war lediglich die Vielzahl der auftretenden Charaktere - laut beiliegendem Booklet 28 an der Zahl. Zwar wird in genau diesem Booklet zu jedem eine ganz kurze Beschreibung gegeben, was der- bzw. diejenige beruflich macht oder in welchem Verwandtschaftsverhältnis die Personen zueinander stehen, da ich das Hörbuch jedoch beim Autofahren abspiele, ist es mir nicht möglich nebenbei auf diese Informationen zu schauen. Dadurch war es anfangs etwas schwieriger die Personen auseinander zu halten, aber durch den Kontext und die Darbietung der Sprecherin ist das meistens ganz gut gelungen.


 Fazit:  Ein Krimi mit einer interessanten Handlung und einer tollen Sprecherin.

  • Audio CD: 5 CDs (397 Minuten - gekürzte Lesung)
  • Verlag: Downtown (Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3869090626
  • ISBN-13: 978-3869090627




1 Kommentar:

  1. Tolle Rezension.. :) Ich werde auf jeden Fall bald "eine unbeliebte Frau" lesen oder als Hörbuch kaufen. Da ich zu Hause schon Schneewitchen muss sterben habe. Doch leider nicht die Vorbände. Liebe Grüße, Lisa

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