Donnerstag, 1. Dezember 2011

[Adventskalender 2011] - Tag 1

Hallo ihr Lieben!

Wie gestern angekündigt startet heute mein Adventskalender. Ich wünsche euch die nächsten 24 Tage viel Vergnügen mit dem Teilmanuskript "Himmelwächter" von Emily Kay exklusiv auf meinem Blog - täglich um 9.00 Uhr.



 
Kapitel 1

Ich rannte atemlos über die Straße, wobei mir das Herz bis zum Hals schlug. Man hätte fast meinen können, ich befände mich auf der Flucht. Aber vielleicht tat ich das ja auch. Flüchten.

Es waren ein paar Tage vergangen. Und immer noch weigerte ich mich, mich mit dem Geschehnis vom letzten Wochenende auseinanderzusetzen. Wahrscheinlich wollte ich es einfach nicht wahrhaben und ignorierte deswegen die Tatsachen so gut es ging, klammerte mich an jene unrealistische Hoffnung, dass es vielleicht einfach nicht passiert ist. Doch seitdem war alles anders. Und wenn ich sage anders, dann meine ich dies auch so. Es gab keine Möglichkeit das Ereignis rückgängig zu machen. Es war endgültig. Unwiderruflich. Für immer und ewig.                                                   

Auf dem Asphalt hatten sich unzählige Pfützen gebildet, zu viele um auszuweichen. Ich platschte mit jedem Schritt in eine der Wasserlachen, indes das Schmutzwasser an mir hochspritzte und seine Spuren auf meiner Jeanshose hinterließ. So ein Scheißwetter! Es goss schon den fünften Tag in Folge, fast ohne Unterbrechung. Und das mitten im Juli. Sogar für Newcastle upon Tyne ziemlich ungewöhnlich, obwohl wir Einheimischen wahrlich nicht sonnenverwöhnt waren. Ich sprang über das Rinnsal in der Gosse und landete mit meinen Stiefeln zielsicher in der nächsten Pfütze. Aber das machte jetzt auch nichts mehr. Mir schlug warmer Dunst entgegen, als ich die Tür zum Kaffeehaus aufriss. Meine  Haare waren klatschnass und trieften vom Regenwasser. Durch einen Seitenblick in den Spiegel am Eingang verschaffte ich mir Gewissheit, dass ich so aussah, wie es in dem überfüllten Café roch. Mein Äußeres erinnerte stark an einen nassen Hund. Ich schüttelte den Kopf. Die großen Frontscheiben des Coffee & Cake waren beschlagen. Selbst meine angeblich wasserabweisende Tasche hatte verdächtig ihre Farbe von einem babyblau zu einem marineblau gewechselt. Ich machte den Reißverschluss auf und überprüfte ihren Inhalt. Alles trocken. Erleichtert zog ich die aktuelle Ausgabe vom Evening Standard heraus und schaute mich suchend um. Dabei entdeckte ich eine Wanduhr, deren Zeiger auf 17.12 Uhr standen. Ich war zwölf Minuten zu spät. Das bedeutete, Jarvis müsste längst da sein. Für gewöhnlich war er immer überpünktlich und grundsätzlich eine Viertelstunde früher als nötig am abgemachten Treffpunkt. Doch wo war er bloß? Ich scannte den Raum erneut. Die anderen Gäste waren in eifrige Gespräche vertieft, die sich zu einem undefinierbaren Summen vermischten. Die Kaffeeautomaten zischten, während die rundliche Bedienung extravagante Varianten des heißen Bohnengetränks zubereitete. Mit Sahne, mit Schokostreuseln, mit Vanillearoma, ohne Zucker, mit Zucker und so weiter. Aber wo war Jarvis? Ich kramte in meiner Schultertasche, beförderte mein Handy hervor und tippte eine SMS. WO BIST DU? Keine fünf Sekunden später piepte mein Mobiltelefon. SITZE AM TISCH NEBEN DER TREPPE IN DER ECKE UND BEOBACHTE DICH UNAUFFÄLLIG. Ich drehte mich zur Treppe und musste augenblicklich schmunzeln. Neben der Treppe stand ein Monstrum von einer Palme, die zu Dekorationszwecken aufgestellt war und dahinter hockte Jarvis an einem kleinen Tisch, in der äußersten Ecke des Cafés. Zwischen einem Palmwedel blitzten zwei Gläser, eingefasst in ein schwarzes Horngestell. Der Rest von Jarvis verschwand hinter dem Grün der Pflanze.             
                                      
„Gut siehst du aus“, feixte er, als ich mich auf den Holzstuhl gegenüber von ihm setzte und die Zeitung vor mir auf den Tisch fallen ließ. „Hab noch gar nicht mitbekommen, dass der Wet-Look jetzt wieder angesagt ist.“ 
Ich streckte ihm die Zunge raus.
„Ich freue mich auch dich zu sehen, Jar. Oder sollte ich vielleicht besser Agent 00-Palmwedel sagen? Hast du schon lange gewartet?“
„Nö.“ Er schaute auf seine Armbanduhr. „Ich war eine Viertelstunde zu früh und du bist fast fünfzehn Minuten zu spät. Das gleicht sich dann wieder aus. Wir waren also beide pünktlich. Außerdem habe ich mich keine Sekunde gelangweilt, denn die Bedienung mit den langen roten Locken ist, unter uns gesagt, ziemlich hot“, er zog grinsend eine Augenbraue hoch und reichte mir die Karte.                                       
„Und sowas hat ein Theologie-Stipendium, ich glaub`s ja gar nicht.“ 
„Ach, alles nur Tarnung“, entgegnete er und hielt sich den Palmwedel wieder vor das Gesicht, sodass nur noch seine Brille sichtbar war. „Tarnung ist mein Geschäft, Baby“, zwinkerte er.                                      
„Quatschkopf“, sagte ich und schüttelte den Kopf.

Jarvis bedeckte immer noch mit den Palmenblättern sein Gesicht und schielte nun extra selten debil, wie zur Bestätigung meines Kommentars, durch seine Brillengläser. Ich konnte mich nicht länger beherrschen und prustete los. Seine Gegenwart tröstete mich wie eine Tasse heiße Milch mit Honig, legte sich schützend auf die Wunden meiner Seele wie ein Pflaster. Mit ihm konnte ich trotz allem was geschehen war immer noch lachen.
© Emily Kay


Emily Kay und ich sind sehr gespannt, wie euch die Story bisher gefällt, daher freuen wir beide uns über eh hier vorbei schauen, um sich eure Meinung anzuschauen, von daher einfach fleißig kommentieren und eure Meinung kund tun :)

Kommentare:

  1. Also der Anfang ist schon mal sehr nett und macht Interesse darauf, wie es weiter geht ... dann warten wir mal geduldig bis morgen :)

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  2. mir gefällt es schon mal.. ich bin gespannt.. :-)
    lg norma

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  3. ich finde es schonmal sehr schön und freue mich auf morgen.
    Lg Susen

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