Sonntag, 18. Dezember 2011

[Adventskalender 2011] - Tag 18



Ein dumpfer Schmerz erfüllte meinen Kopf, als ich kurz aufwachte. Benommen nahm ich meine Umgebung wahr. Die grünlichen Wände des Raumes, Maschinen, die blinkten und große Fenster, hinter denen sich ein Flur erstreckte. Der grelle Schein der Zimmerlampe und die hohen Pieptöne der Apparate schmerzten in meinen Augen und Ohren. Ich befand mich wieder in meinem menschlichen Körper und lag in einem Bett. Neben mir hockte jemand und hielt meine Hand. Meine Augenlider flatterten, aber bevor ich wieder einschlief, wusste ich, wer es war. Er war es.
Ich wachte einige Male kurz auf, vergewisserte mich dann sofort, dass er noch da war, ehe der Schlaf mich abermals übermannte.                                            
        
Ein warmer Sonnenstrahl, der durch das große Seitenfenster des Zimmers fiel, kitzelte mich an meiner Nasenspitze, als ich die Augen aufschlug. Es war Tag. Ich erkannte meine Mutter am Fußende des Bettes, spürte, dass meine Hand nach wie vor gehalten wurde. Langsam drehte ich meinen Kopf zur Seite. Aber es war nicht der Junge, der meine Hand fest umklammert hielt. Es war mein Vater. Das hektische Piepsen erklang nun in kürzeren Abständen. Wo war er? Ich konnte ihn in dem Raum nicht mehr sehen. Meine Mutter kam zu mir, griff nach meiner anderen Hand und redete beruhigend auf mich ein. Dann flog die Zimmertür auf und eine Gruppe Ärzte und Krankenschwestern versammelten sich um mein Bett. Langsam dämmerte es mir, dass ich mich in einem Krankenhaus befand und mir etwas passiert sein musste. Komischerweise berührte mich diese Tatsache überhaupt nicht. Als hätte ich damit überhaupt nichts zu tun. Mich interessierte noch nicht einmal zu erfahren, was geschehen war. 

„Ms Chaplin, können Sie mich hören?“, fragte ein Arzt und leuchtete mit einer kleinen Taschenlampe in meine Augen, die ich daraufhin reflexartig zukniff. Ich nickte. 
„OK, wir machen jetzt ein paar kurze Tests, um sicherzugehen, dass alles mit ihnen in Ordnung ist.“ 
Er pikte mich mit einer Nadel in die Fußsohlen, Beine, Arme, Hände, in meinen Bauch und ins Gesicht. Es fiel mir schwer die Nadel in meiner Haut zu spüren, denn mein Herz hatte sich zu einem schmerzhaften Knoten zusammengeschnürt, den alle Nadeln der Welt nicht hätten übertreffen können.
Am nächsten Tag wurde ich von der Intensivstation in ein Zweibettzimmer verlegt und starrte geradeaus an die kahle Wand. Im Nachbarbett schnarchte meine Zimmergenossin. Ich war froh, dass sie endlich schlief und ich nicht weiter vorgeben musste, ihren Krankengeschichten zu folgen, geschweige denn, so zu tun, als ob sie mich interessierten. 

Den Jungen hatte ich nicht wiedergesehen. Auch wenn ich jedes Mal hoffte, er wäre es, wenn die Tür geöffnet wurde, dann aber enttäuscht feststellte, dass es entweder Ärzte oder Besucher waren. Mein Herz war so übervoll mit Sehnsucht nach ihm, so überfüllt mit einer Form von Heimweh nach jenem Ort, der mir so unbekannt und doch absolut vertraut erschien. Wieder und immer wieder stellte ich mir vor jetzt bei ihm zu sein, tauchte ab zu ihm, in unserer Welt und versank in deren Unendlichkeit, in der die Zeit stillstand. Ich war mir ganz sicher, dass es nicht nur ein Traum war, dass es sich nicht nur um ein Wunschgebilde in meinem Kopf handelte. Schließlich habe ihn ja auch an meinem Bett sitzen sehen. Das hatte ich mir wohl kaum einbilden können, beruhigte ich mich. Außerdem spürte ich nach wie vor ganz deutlich seine Anwesenheit. Dies empfand ich so intensiv, als würde er mich umarmen.                                                    
© Emily Kay

Emily Kay und ich sind sehr gespannt, wie euch die Story bisher gefällt, daher freuen wir beide uns über jedes Feedback, gerne hier als Kommentar. Emily Kay wird nämlich hier vorbei schauen, um sich eure Meinung anzuschauen, von daher einfach fleißig kommentieren und eure Meinung kund tun :)


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen