Samstag, 20. Oktober 2012

[Rezension] Goerz, Anja - Mein Leben in 80 B

Ilse führt ein durchschnittliches Leben. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in einem Haus mit Garten. Durchschnittlich durch und durch. Um ihren Alltag ein kleines bisschen aufzupeppen, jobbt sie nebenbei als Veranstalterin von Dessous-Partys, allerdings klang auch das in der Theorie spannender, als es in der Praxis tatsächlich ist. Richtig Fahrt kommt erst in ihr Leben, als sie ihre beste Freundin Elissa auf Sylt besucht und dort den feurigen Sternekoch Oke kennen lernt, der sie nicht nur mit kulinarischen Highlights verwöhnen möchte.


Nach "Herz auf Sendung" ist "Mein Leben in 80 B" der zweite (Sylt-) Roman von Anja Goerz. Die Autorin schafft es ihrer Protagonistin und Ich-Erzählerin Ilse ein eintöniges und durchschnittliches Leben zu bescheren. Bisher war Inge eigentlich sehr glücklich damit. Immerhin hat sie zwei gesunde Kinder, ihr Ehemann verdient genug Geld, um ein sorgenfreies Leben zu garantieren, und ihr pikanter Nebenjob gibt Ilse ab und an die Chance aus dem normalen Trott auszubrechen. Doch dann beginnt jemand an dieser heilen Welt zu kratzen und plötzlich erkennt Ilse, dass ihr Leben ziemlich langweilig ist. Die Kinder sind schon fast groß und brauchen sie kaum noch, ihr Ehemann arbeitet zu viel und auch der Nebenjob ist nicht sehr spannend, denn ihre Kundinnen sind meistens durchschnittliche Hausfrauen, die sich trotz reichlich Proseccos kaum an die heißen Dessous trauen und fast immer nur bei den etwas dezenteren Kleidungsstücken in 80 B bleiben - die Durchschnittsgröße. Anja Goerz erzählt diesen "Knick" in Ilses Leben gekonnt und glaubhaft und als Leser freut man sich, dass Ilse nun erst einmal ein paar Tage auf Sylt mit ihrer verrückten Freundin Elissa erleben kann. Aber dann kommt Oke und platzt mitten hinein in Ilses kleine Midlife-Crisis.

"Als du anfingst zu essen, konnte ich fast fühlen, wie ausgehungert du bist. Nicht nach Lebensmitteln, sondern nach Erlebnissen und Abenteuern, ausgehungert nach Neuem und Besonderem." (Seite 140)

Der Roman ist ein ziemlich typischer chick-lit Roman. Große Überraschungen bleiben leider aus. Die Autorin hat sich zwar darin versucht, aber auch dieses war leicht zu durchschauen. Das Buch bietet somit leichte (Urlaubs-) Lektüre, es lässt sich flüssig lesen und besondern Elissa hat mich begeistern können, da sie einfach eine unglaubliche Lebensfreude besitzt, die ansteckend ist - was nicht heißt, dass ich ihre Meinung in allen Belangen teile. Für Syltliebhaber ist das Buch bestimmt besonders reizvoll, genauso wie für alle Leser, die gerne essen oder kochen, denn Ilses beste Freundin ist Restaurantkritikerin und somit spielen köstliche Gerichte eine große Rolle im Roman, welcher mit einem Rezeptteil abschließt.

Nach dem Lesen habe ich zwischen 3 und 4 Sternen geschwankt. Kurze Zeit später war ich dann auf der Lesung, in der Anja Goerz etliche Passagen aus dem Roman vorgetragen hat und da habe ich gemerkt, dass der Roman noch mehr Witz besitzt, als ich zunächst beim Lesen empfand. Bei mir scheint es so zu sein, dass mir vorgetragene chick-lit Romane humorvoller erscheinen, als wenn ich sie selbst lese.


Fazit:  Leicht zu lesender chick-lit Roman über eine Frauen-Midlife-Crisis, der humorvoll ist, aber keine Überraschungen in der Handlung aufweisen kann, wie es bei Frauenromanen oft der Fall ist.

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: rororo (1. September 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499257602
  • ISBN-13: 978-3499257605
  • Verlag:


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