Freitag, 19. April 2013

[Rezension] Lauriel, Angelika - Frostgras

Als Julia im Zug ein Notizbuch an sich nimmt, dass ein ihr unbekannter junger Mann dort aus Versehen liegen gelassen hat, ahnt sie nicht, wie sehr dieses Buch ihr Leben verändern wird. Es enthält poetische Texte und Zeichnungen, die Julia nicht mehr loslassen. Sie verliert sich ihn diesen Aufzeichnungen, spürt eine Verbindung zu dem Jungen und versucht verzweifelt ihn ausfindig zu machen. Zeitgleich kommt sie auf die Spur eines Familiengeheimnisses, dass scheinbar auch sie betrifft. Ihre Neugier steigt stetig, aber sie stößt nur auf eine Mauer des Schweigens.


Julia hat gerade die Schule erfolgreich beendet, einen Studiumsplatz in Trier erhalten, ihre Mutter akzeptiert langsam, dass sie sich abnabelt und ihr Langzeitfreund Paul unterstützt sie bei allem. Auch wenn sie sich in dem neuen Lebensabschnitt erst neu orientieren muss, läuft eigentlich alles ganz gut. Doch dann platzt das Notizbuch eines unbekannten jungen Mannes in ihr Leben und je mehr sie darin liest, umso mehr gerät ihr bisheriges Leben ins Wanken. Die Geschichte um die Protagonistin Julia ist sehr emotionsgeladen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Angelika Lauriel ihre Figuren ständig weinen oder übertrieben reagieren lässt, sondern dass sie sehr ausgefeilte Charaktere erschaffen hat und durch die wechselnde Erzählperspektive zwischen Julia und ihrem Freund Paul, deren Gefühlswelt authentisch präsentiert. Im Roman wird deren Vergangenheit beleuchtet, der Beginn ihrer Freundschaft, die Entwicklung zu einer Liebesbeziehung und deren aktuelle Gefühle. Die Figuren Julia und Paul wirken oft sehr reif für ihr Alter, wobei ich manchmal bei Paul das Gefühl hatte, dass Männer so nicht reden würden, dass es eher so klang, wie Frauen sich ein Gespräch mit ihrem Freund wünschen würden.

Die Idee mit dem Notizbuch fand ich sehr interessant und man spürt beim Lesen förmlich, wie die Texte und Zeichnungen Julia bewegen, wie sie ihr immer wichtiger werden und ihr keine Ruhe lassen. Wem das Buch gehört und wie sich die zwischenmenschlichen Beziehungen im Laufe des Romans entwickeln würden, war mir leider von Anfang an klar, aber vielleicht sollte dieses auch gar nicht im Verborgenen bleiben. Das Familiengeheimnis hingegen bleibt etwas länger ungewiss, ist interessant und die schwierige Thematik wurde von der Autorin einfühlsam behandelt.

Leider gab es jedoch auch ein paar Dinge, die mir persönlich nicht besonders gut gefallen haben. Ich hatte gedacht, dass im Notizbuch gezielt etwas über Julias Familiengeheimnis drin stehen würde. Es ist aber eher so, dass sie sich in diese Texte hineinsteigert und plötzlich eine Art Eingebung oder Traum hat und dadurch auf diese Spur gelenkt wird. Des Weiteren beginnt sie plötzlich farbliche Auren um Menschen zu sehen und beginnt Monologe mit ihrer inneren Stimme zu führen, die zwar zum Teil zeigen, welche Zerrissenheit in Julia herrscht, aber diese Art der Präsentation hat mich weniger gefallen. Ich scheine mit dieser Meinung aber ziemlich allein zu sein, wenn man sich andere Rezensionen dazu anschaut. Vielleicht sind solche emotional-poetischen Geschichten nichts für mich? Auf jeden Fall möchte ich nicht von dem Buch abraten, denn es ist wirklich nicht schlecht, nur für mich war es manchmal einfach "too much", aber das muss ja nicht jedem so gehen.



Fazit:  Ein einfühlsamer Roman über Liebe, Trauer und Lügen, der auch vor den dunklen Seiten im Leben nicht halt macht. Die Geschichte bewegt, aber leider haben mich die o.g. Kritikpunkte etwas ums Lesevergnügen gebracht.

  • Broschiert: 240 Seiten
  • Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf (15. März 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3862652475
  • ISBN-13: 978-3862652471


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