Montag, 13. Mai 2013

[Rezension] Rogers, Jane - Das Testament der Jessie Lamb

Als Jessie Lamb sechzehn Jahre alt ist, befällt ein Virus die gesamte Menschheit. Jeder einzelne Bürger wird damit infiziert, aber dieser Virus tötet nicht alle Menschen. Er greift nur Frauen an, sobald diese schwanger werden. Alle Frauen nebst ihren Embryos sterben - ohne Ausnahme. Die Wissenschaft ist macht- und ratlos. Als Folge werden keine Kinder mehr geboren und es wird bereits vom Aussterben der Menschheit gesprochen. Der Forschung gelingt es dann doch diesen Virus auszutricksen. Dafür darf die werdende Mutter jedoch nicht älter als 16,5 Jahre alt sein, sie muss während der Schwangerschaft ins Koma versetzt werden und verstirbt nach der Geburt. Diese groteske Entwicklung sorgt für reichlich Diskussionsstoff, auch in Jessies Leben.

Die Geschichte um Jessie Lamb spielt sich in England in einer sehr nahen Zukunft ab. Theoretisch vielleicht sogar nur wenige Tage oder Wochen vom heutigen Datum entfernt. Der dystopische Grundgedanke, dass die Menschen in einer Welt leben, in der jede schwangere Frau sterben wird, fand ich sehr interessant und ich hatte Lust mehr von den Ideen der Autorin zu erfahren. Leider blieben diese nahezu aus. Es wird nicht aufgeklärt, woher der Virus kam oder wer ihn (un-) absichtlich verbreitet hat [das ist mir selbst nicht so wichtig, aber ich weiß, dass andere Leser großen Wert auf solche Details legen] und auch ansonsten blieben jegliche Überraschungen aus. Natürlich gibt die Menschheit sich ihrem Schicksal nicht einfach so hin, sondern die Forscher werden aktiviert und finden auch eine Lösung, die nur leider kein Patentrezept ist, sondern Kontroversen verursacht. Von Anfang an ist klar, auf welche Seite Jessie sich schlagen wird und somit bleibt Unerwartetes komplett aus. 

Die Protagonistin Jessie Lamb erzählt ihre eigene Geschichte, indem sie diese niederschreibt. Somit gibt es ein paar wenige Kapitel in der Gegenwart, aber die meisten schildern chronologisch was in den letzten Monaten passiert ist. Mir ist es überhaupt nicht gelungen eine Beziehung zu dieser Figur aufzubauen. Sie blieb für mich die ganze Zeit unnahbar, wirkte oft naiv und hatte für ihre Entscheidungen keine guten Beweggründe. Sie begann mich sogar teilweise zu nerven, genauso wie die endlosen Diskussionen mit ihren Eltern, die das ganze Buch durchzogen und sich immer ums gleiche drehten und die keine Weiterentwicklung aufzeigten.

Ich bin ziemlich enttäuscht von dem Roman, denn von der Grundidee hatte ich mir viel mehr versprochen. Das einzig Positive an dem Buch war das Aufgreifen von schwierigen Themen aus dem Bereich der Ethik und der Moral, z.B. ab welchem Alter Jugendliche auch schwerwiegende Entscheidungen selbst treffen sollten oder ob jede Entwicklung aus der Forschung wirklich ein Fortschritt ist oder ob "Gott spielen" zu weit geht. Diese wurde leider jedoch immer nur angeschnitten und konnte somit mein Lesevergnügen nicht langhaltig verbessern.

Fazit:  Für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum dieser Roman den Arthur C. Clarke Award gewonnen hat. Die Grundidee wurde verheizt, die Protagonistin bleibt farblos, interessante Aspekte wurden nur nebenbei angesprochen und spannende Unterhaltung sieht anders aus. Man kann es lesen, klar, aber es gibt so viel bessere Dystopien auf dem Markt, dass diese dagegen einfach nicht überzeugen kann. Würde ich halbe Sterne vergeben, wären es 2,5 geworden. Da ich aber nur Ganze vergebe, kann ich leider nur 2 vergeben, da es für 3 einfach nicht gereicht hat.

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (13. Mai 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453314859
  • ISBN-13: 978-3453314856
  • Originaltitel: The Testament of Jessie Lamb
  • Verlag:



Kommentare:

  1. Hi Claudia,
    Danke für die tolle Rezension. Ich fand auch, dass das Buch sehr spannend klang, aber nach deiner Beschreibung muss ich das Buch jetzt nicht unbedingt lesen. Ich hab ja auch so ziemlich viel zu lesen :-)

    Hab einen schönen Tag!
    Lg Mel

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  2. Hallo Claudia,

    als ich die ersten Sätze gelesen habe, ist mir spontan "Lost" in den Sinn gekommen, denn auf der Insel konnten die Frauen ebenfalls nicht schwanger werden ^^

    Eigentlich eine spannende Idee, schade, dass die Umsetzung nicht entsprechend gelungen ist.

    Liebe Grüße,
    Patricia

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  3. Hallo Claudia,

    schade, dass das Buch nicht so toll ist, dabei hört es sich so gut an.
    Deine Rezension schildert sehr schön, was dir nicht gefallen hat und ich glaube das mich da auch so einiges von stören würde.
    Danke für die tolle Rezension.

    Liebe Grüße
    Vanessa

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  4. Ich war total gespannt auf dieses Buch, nachdem ich mal den Klappentext gelesen hatte und wollte die ersten Rezensionen abwarten. Dies ist nun schon die 2. Negative. Scahde, dass die Autorin nicht mehr aus ihrer Idee gemacht hat.

    lg. Tine =)

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