Freitag, 21. Juni 2013

[Rezension] Szillat, Antje - Asphaltspuren

Simeon fühlt sich halb wie ein rumänisches Straßenkind und halb wie das Kind einer überforderten, alleinerziehenden Mutter in Bukarest. Das Leben gelingt ihnen mehr schlecht als recht, aber immerhin halten seine Mutter, sein Bruder und er zusammen. Doch eines Tages werden Simeon und sein Bruder von Unbekannten geschnappt und mit anderen Kindern nach Berlin verschleppt. Sie sind in die Hände von skrupellosen Menschenhändlern gefallen, so dass ihnen auch in Deutschland keine bessere Zukunft bevorsteht. Hier, im "sozialen" Deutschland, quasi vor unseren Augen, werden sie ausgenutzt, wie Sklaven behandelt und zum Betteln geschickt.

Ich bin immer wieder begeistert, wie Antje Szillat es schafft in verschiedene Thematiken einzutauchen und stets die richtigen Worte zu finden. Ob ich nun einen gefühlvollen Jugendroman von ihr lesen, ein super witziges Kinderbuch oder ein Roman mit einem sehr ernsten Inhalt - stets gelingt es ihr ihre verschiedensten Figuren authentisch zu beschreiben und handeln zu lassen und die richtige Atmosphäre zu erzeugen.

"Asphaltspuren" ist ein Buch für Jugendliche und beschreibt das Leben rumänischer Straßenkinder, die in unterirdischen Kanalrohren oder in Parks leben und oft genug Opfer von sexuellem Missbrauch oder Menschenhandel werden. So ein Buch zu schreiben, ist bestimmt nicht leicht, zumindest nicht, wenn man das Thema intensiv recherchiert und sich mit den nackten Fakten und den zahlreichen Schicksalen beschäftigt, die einen einfach nur erschrocken, wütend und traurig hinterlassen. Dass Antje Szillat sich dieses "angetan" hat, merkt man nicht nur am Inhalt der Geschichte sondern auch an den zahlreichen Quellen, die sie in ihrem Buch zitiert hat. Dort findet der Leser sachliche Informationen, die den Tatsachen entsprechen und losgelöst von Simeons Geschichte sind, und unter anderem von "save the children", "strassenkinderreport" oder der Caritas stammen. Diese ungeschönten Fakten sorgen dafür, dass der Leser immer wieder daran erinnert wird, dass die Autorin sich kein grausames Szenario ausgedacht hat, sondern lediglich etwas beschreibt, was tagtäglich Kindern in Rumänien widerfährt, deren Elend selbst innerhalb der Grenzen von Deutschland kein Ende findet.

Antje Szillat hat mich total in ihren Bann gezogen und ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Ich finde es gut und wichtig, dass Jugendbücher solche Themen aufgreifen, um sie im Bewusstsein der Menschen festzusetzen. Dieses Buch eignet sich sowohl für Jugendliche, als auch für Erwachsene und besonders auch als Schullektüre (es gibt sogar Unterrichtsmaterial zu diesem Buch). Die erschütternde Geschichte wird jeden Leser berühren und bewegen und obwohl alles sehr authentisch und realitätsnah beschrieben wird, liest es sich angenehm wie ein Roman, auch wenn Szillat auf ausschweifende Beschreibungen von Dingen oder Orten verzichtet und sich mehr auf die Fakten und ihre Charaktere konzentriert.


Fazit:  Ein mehr als gelungenes Buch zu einem sehr schwierigen und erschütternden Thema, welches Jugendliche allein oder im Klassenverband lesen sollten, um sich die Augen öffnen zu lassen, wie zahlreiche Kinder und Jugendliche in Rumänien leben müssen. Bewegend, authentisch und mit einer nachhaltigen Wirkung.

  • Broschiert: 124 Seiten
  • Verlag: Edition Zweihorn; Auflage: 1., Auflage (8. März 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3943199088
  • ISBN-13: 978-3943199086
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 16 Jahre
  • Verlag:


Kommentare:

  1. Das klingt ja wirklich nach einem Buch, das man lesen sollte! :)
    Kommt auf meine Wunschliste. :)

    Schöne Rezension, Danke dafür! <3

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  2. Da kann ich nur zustimmen, das klingt wirklich nach einem Buch, was man lesen sollte. Danke für die Vorstellung!

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