Freitag, 26. Juli 2013

[Rezension] Letocha, Thomas - Oma Else kann's nicht lassen

Oma Else fühlt sich ziemlich allein. Ihr Mann ist vor Kurzem verstorben, die eine Freundin hat sie an einen Hirnschlag verloren und die andere hat sie schwer enttäuscht. Als sie sich schon beinahe damit abgefunden hat, dass das Leben nicht mehr viel zu bieten hat, bringt ein spannender Brief wieder Pepp in ihr Leben. Schade nur, dass dieser Brief gar nicht an sie adressiert war, sondern nur durch das Versehen eines Postboten in ihrem Briefkasten gelandet war. Dem Kick kann sie jedoch nicht widerstehen und begibt sich mit ihren 81 Jahren auf Raubzug - Briefraubzug, immerhin wimmelt es in ihrer Nachbarschaft vor Briefkästen. Da sind sicherlich noch einige spannende Zeilen zu entdecken.

In die Kurzbeschreibung hatte ich mich sofort verliebt. Ich sah Oma Else bereits durch die Straßen ziehen, sich hinter Bäumen und Mauervorsprüngen verstecken und heimlich Briefe stibitzen, deren humorvollen oder schlüpfrigen Inhalt sie dann mit dem Leser teilen würde. Leider wurde meine Erwartungen weder bezüglich des Inhaltes noch des Humorfaktors erfüllt.

Knapp ein Viertel des Buches widmet der Autor der Beschreibung von Oma Elses Leben. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass die Briefthematik bereits früher einsetzen würde, aber es war nicht allzu schlimm, da Letocha so immerhin glaubhaft vermittelt, warum Oma Else sich allein fühlt und somit für die Briefklauerei empfänglich war. Nach wenigen Briefen, die dem Leser nicht detailliert mitgeteilt werden, findet Oma Else DEN EINEN Brief, der sie fortan durch den ganzen Roman beschäftigen und für zahlreiche Abenteuer sorgen wird.

Letocha legt einen einfachen Schreibstil an den Tag, der für das Genre passend ist. Der Roman lässt sich somit flüssig lesen, aber der Humor blieb für meinen Geschmack meistens sehr bedeckt. Es gibt zwar einige interessante Szenen und ein paar Schmunzler, aber hauptsächlich fällt der Roman für mich in die Kategorie "kann man lesen, muss man aber nicht". Die Geschichte bietet nur wenig Höhepunkte, aber vielleicht hat die Kurzbeschreibung auch einfach völlig falsche Erwartungen in mir geweckt. Nichtsdestotrotz hat mit die Ausarbeitung der Protagonistin gefallen, auch wenn ich mich frage, ob rüstige Rentner tatsächlich so oft mir nichts dir nichts im öffentlichen Leben einschlafen. Ansonsten ist sie aber eine tolle Figur, die zum ersten Mal ihren Weg im Leben alleine finden muss und sich tapfer durchschlägt.


Fazit:  Ich habe Gefallen an Oma Else gefunden, aber ich hätte mir für die Rentnerin eine humorvollere Geschichte gewünscht. Scheinbar ist das aber Geschmackssache, denn die bisherigen Bewertungen sind durchweg positiv. Deshalb wäre es evtl. ratsam vorab die Leseprobe zu lesen, um das Buch mit dem eigenen Geschmack abzugleichen.

  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (15. Juli 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442478898
  • ISBN-13: 978-3442478897
  • Verlag:


PS: Wer mehr über den Autor Thomas Letocha erfahren möchte, 
der kann das entsprechende Autoren 1x1 Interview nachlesen :)


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