Samstag, 17. August 2013

[Die Story hinter dem Buch] Veit Etzold - Seelenangst


heute:


Veit Etzold - Seelenangst

 


Wie kam es zu „Seelenangst“?
Ich hatte, irgendwann im Jahre 2010, den Film „Der Exorzist“ wieder einmal auf DVD gesehen. Der Film war damals, im Jahre 1973, wegen seiner Story und wegen der drastischen Szenen einer der kontroversesten Filme überhaupt und es ist überliefert, dass einige Zuschauer schreiend aus dem Kino rannten. Ich dachte mir: „Diese Thematik musst du einmal für einen modernen Thriller neu aufbereiten.“ 
Was wäre, dachte ich, wenn es einen Killer gäbe, der satanisch oder kultisch motivierte Morde durchführt? Und der sich dabei anderer bedient, die ihm dabei helfen? Und bei denen man nie weiß, ob diese Personen nun psychisch krank, fremdgesteuert oder tatsächlich besessen sind? In diesem Grenzgebiet sollte sich „Seelenangst“ bewegen.   

Einteilung der Kapitel in Buch 2

Zunächst einmal informierte ich mich dann in verschiedenen Gesprächen zu den Themen Himmel und Hölle, der christlich-katholischen Heilslehre und den „letzten Dingen“, der „Eschatologie“: Himmel und Hölle, Tod und Jüngstes Gericht. In Rom lernte ich dazu einen Professor für Kirchenrecht kennen, der den Chefexorzisten Roms persönlich kannte. Da dieser aber nur Italienisch sprach, empfahl er mir, es vielleicht erst einmal mit seinem engsten Mitarbeiter zu versuchen, der zudem auch noch englisch sprach. Was dieser Mann mir während unseres dreistündigen Gesprächs in den Schweizer Bergen über Besessenheit, Exorzismus und die Dämonen der Hölle erzählt hat, gehört zum Interessantesten, aber auch Unheimlichsten, was mir bis dahin zu Ohren kam. Viele Abschnitte in Seelenangst sind von diesem Gespräch inspiriert. 


Der zweite Aspekt waren die Art und Weise, wie es Kulten, auch Satanskulten, gelingt, ihre Mitglieder so zu „konditionieren“ oder fremdzusteuern, dass diese Mitglieder für sie Verbrechen begehen, an die sich die Täter (und gleichzeitig Opfer) hinterher gar nicht mehr erinnern. Unschätzbare Hilfe beim Verständnis von satanischen Kulten und der Technik der Konditionierung und Programmierung gaben mir dazu zwei Psychologen, die auf die Behandlung dissoziativer Persönlichkeitsstörungen bei Kultopfern spezialisiert sind und mit denen ich viele Stunden besonders zum Thema Konditionierung gesprochen habe. Was mir hinterher klar wurde, ist, dass Satanismus mehr ist als nur ein Hirngespinst von Thrillerautoren, das mit der Realität nichts zu tun hat. Eine der Psychologinnen vermittelte mir dann auch ein Gespräch mit zwei Aussteigerinnen aus einem Satanskult. Beide leiden an der in Seelenangst geschilderten dissoziativen Persönlichkeitsstörung; bis zu 300 Persönlichkeiten teilen sich abwechselnd den Körper. Genau so viele Namen haben diese beiden Mädchen. Was ich von diesen beiden jungen Damen über den Alltag, die Rekrutierung und die Machenschaften der satanischen Kulte gelernt habe, gehört zum Extremsten und Schrecklichsten, was ich dahin gehört habe.  


Der dritte Aspekt war die Polizeiarbeit und die Rechtsmedizin. Wie bei Final Cut geht es auch in Seelenangst teilweise recht drastisch zu: Ein Mann wird von einem Zug zerstückelt, einer rituell mit einem riesigen Schwert hingerichtet und viele der Kult-Mitglieder richten sich selbst nach vollbrachter Tat hin, da sie auf ein solches Verhalten konditioniert sind und dadurch keine Zeugenaussagen mehr geben können. Meine Frau Saskia, die als Fachärztin für Rechtsmedizin an der Berline Charité arbeitet, war mir, wie schon bei Final Cut, eine sehr große Hilfe, um die Ermittlungsarbeit, gerade die der Spurensuche, der Forensik und der Rechtsmedizin, glaubhaft und korrekt darzustellen, ohne den Leser oder die Leserin mit allzu viel Fachausdrücken zu ermüden. 

Obduktionstisch vom Stand Ende Juni auf dem Filmfest München

Was hielt man im Verlag nun von meiner ersten Idee? Mein Lektor Marco Schneiders war von der Idee gleich sehr angetan, da es bisher kaum Thriller gab (meiner Ansicht nach gar keinen), die all diese Thematiken gleichzeitig behandeln.

Ich, Marco Schneiders (Verlagsleiter Beletristik Lübbe) und Lektor Wolfgang Neuhaus (von links nach rechts)
Da die Thematik auch für mich ausgesprochen spannend war – und ich hoffe, die Leserinnen und Leser sehen es auch so – gab es zum Glück wenig Schreibblockaden, auch wenn es immer mal Situationen gibt, wo man als Autor nicht so recht weiter weiß.  Jetzt freue ich mich erst einmal, dass Seelenangst bald in den Läden steht und ich hoffe, viele von euch auf einer der nächsten Lesungen zu sehen.


geschrieben von Veit Etzold




  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); Auflage: Aufl. 2013 (16. August 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3404168445
  • ISBN-13: 978-3404168446


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